Teil VI. Die Luft- und Wassertemperatur.
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Die Breiten 43° und- 371!/,° N beziehen sich im Mittelmeer auf das west-
liche, die Breiten 35° und 33° auf das östliche Becken. Im Winter ist in
jeder Breite die Luft über dem Atlantischen Ozean wärmer als über dem
Mittelmeer, im Sommer und Herbst kühler. Im Frühling sind die Unter-
schiede am geringsten. Da es sich um verhältnismäßig hohe Beträge handelt,
so zeigt sich hier auf dem Mittelmeere in der Lufttemperatur der bedeutende
Einfluß der umgebenden Landmassen; dieser äußert sich also in einem warmen
Sommer, in einem kalten Winter. In der hohen Wärme des Herbstes kommt
die Nachwirkung der im Sommer stark erwärmten Wasseroberfläche zur
Geltung, die auch die darauf ruhende Luft vor zu schneller Abkühlung schützt.
2. Wassertemperatur (vgl. Tafel 1 bis 12 und 14).
In den Monaten Dezember, Januar und Februar (s. Tafel 1 bis 3
und 14) nimmt die Wassertemperatur beständig ab, um im Februar die
niedrigsten Werte zu erreichen, also einen Monat später als die Lufttemperatur.
Eine Ausnahme davon machen nur die Ägyptischen Gewässer, wo die niedrigsten
Monatsmittel erst im März eintreten (vgl. Tafel 14 Nr. 15, 16 und 17). Die
Abnahme der Temperatur des Oberflächenwassers von Norden nach Süden ist
ziemlich regelmäßig. Vor Toulon fällt das Monatsmittel von 14,2° auf 12,5°
vom Dezember bis zum Februar, vor den Nilmündungen von 19.7° auf 16.8° C.
Eine Eigentümlichkeit zeigt die Abnahme der Wassertemperatur vom Dezember
zum Januar. Während vom November zum Dezember die Abnahme der
Wassertemperatur in allen 17 Unterabteilungen zwischen 2.1°.und 2.8° C. liegt,
also erstens sehr groß. und zweitens sehr gleichförmig ist, wechselt sie vom
Dezember zum Januar von 0.6° vor Malaga bis zu 2.7° vor den Nilmündungen;
und zwar wächst der Betrag dieser Temperaturabnahme ziemlich regelmäßig
um so mehr, je weiter man in das Mittelmeer hineinkommt. Sie beträgt
nämlich vor Malaga 0.6°C., vor Algier 1.0°, vor Philippeville 1.3° C., südlich
von Sizilien 1.8°, östlich davon 1.9°%, südwestlich von Candia 2,1°, südöstlich
dayon 2.4° und vor den Nilmündungen 2.7°C. Für die ganze Strecke von
Gibraltar bis Port Said kann man annehmen, daß die Abnahme der Wasser-
temperatur vom Dezember zum Jamuar für je 10° Länge 0,5°C, beträgt oder
mit der Entfernung vom Atlantischen Ozean zunimmt. Nur da, wo auch
beträchtliche Breitenunterschiede ins Spiel kommen, d. h. im nördlichen Teil
des westlichen Beckens, fällt diese Eigentümlichkeit weniger auf, obwohl sie
auch hier. vorhanden ist, insofern der Übergang von verhältnismäßig offenem
zu weniger offenem Wasser dieselbe Rolle spielt, wie der Längenunterschied
auf der Strecke von Gibraltar bis Port Said.
In den Monaten März, April und Mai (s. Tafel 4 bis 6 und 14) steigt
die Temperatur des Wassers. in zunehmendem Maße, aber regelmäßig verteilt
ist sie nur in den beiden ersten Monaten, etwas unregelmäßig im Mai, wobei
vielleicht die stellenweise nicht reichliche Zahl von Beobachtungen eine Rolle
spielt. So muß es z. B. auffallen, daß östlich von Algier das Wasser mit 16.7°
kühler sein soll als westlich davon (mit 17.7°).
In den Monaten Juni, Juli und August (s. Tafel 7 bis 9 und 14)
steigt die Wärme noch weiter allmählich und langsam an, um im August den
Höhepunkt zu erreichen. Im westlichen‘ Teil des Mittelmeeres bleibt die
Verteilung unregelmäßig, noch weit mehr so als im Mai. Im August ist das
Wasser 23.0° vor Toulon und steigt bis 26.5° vor dem Nildelta. Im südlichen
Teil des Tyrrhenischen Meeres, im Ionischen Meer und in den Agyptischen
Gewässern ist das Wasser 25° bis 261/,°C.; es herrscht also hier eine sehr gleich-
mäßige, hohe Wassertemperatur, Im westlichen Teil ist mit 23.2° und 23.0° C.
das Wasser vor Malaga. jetzt etwa ebenso warm wie vor Toulon; dies
sind zugleich. die niedrigsten Werte im ganzen Mittelmeer für August.
Westlich von den Balearen findet sich erheblich wärmeres Wasser von 25.0°C.
— Bemerkenswert ist noch, daß die größte Zunahme der Wassertemperatur in
allen Teilen des Mittelmeeres vom Mai zum Juni stattfindet, ohne eine Aus-
nahme. Nördlich von den Balearen, westlich von Livorno und von Neapel