Teil VI. Die Luft- und Wassertemperatur.
1. Lufttemperatur (vgl. Tafel 1 bis 12 und 14).
In den Monaten Dezember, Januar und Februar (s. Tafel 1 bis 3
und 14) nimmt die Lufttemperatur (Monatsmittel) ziemlich regelmäßig und
gleichmäßig von Norden nach Süden zu. Sie hat ihren kleinsten Wert vor
Toulon, steigt von da regelmäßig bis vor Malaga und entsprechend mehr bis
vor dem Nildelta. Im Januar erreicht die Temperatur vor Toulon ihren
kleinsten Wert mit 10.5° C,, während vor Malaga im Mittel 14.0° C. herrschen,
vor dem Nildelta 16.0° €,
In dem ganzen westlichen Becken des Mittelmeeres, in dem nördlichen
Teile des Ionischen Meeres und vor den Nilmündungen ist der Januar der
kälteste Monat, wie es auf dem Lande meist der Fall ist; in dem weiten
Meeresgebiet südlich von Sizilien bis südöstlich von Candia, wo wenig oder
kein Land Einfluß hat, ist dagegen der Februar der kälteste Monat auf See,
wie es dem Seeklima entspricht; südöstlich von Malta ist es sogar der März.
Es handelt sich allerdings nur um wenige Zehntelgrade Unterschied in den
Monatsmitteln; immerhin ist es doch bemerkenswert, daß die vier Felder im
östlichen Becken, die noch am meisten frei von Landeinflüssen sind, in dem
verspäteten Eintritt der niedrigsten Temperatur ihre mehr ozeanische Stellung
bekunden. .
In den Monaten März, April und Mai (s. Tafel 4 bis 6 und 14) steigt
die Temperatur der Luft an, und zwar in rasch wachsendem Maße. Vom
Februar bis zum März beträgt die Zunahme der mittleren Temperatur im
westlichen Becken 1° C., im östlichen nur die Hälfte davon, !/,° C. Vom März
bis zum April ist die Zunahme gleichmäßig, stärker, erreicht aber vom April
bis zum Mai in vielen Feldern doppelt so große Beträge wie in dem vorher-
gehenden Monat. Die mittleren Verhältnisse der drei Monate werden durch
einige Zahlen für den April, 14.3°C. vor Toulon, 16.6° vor Malaga und 18,0°
vor dem Nildelta gut gekennzeichnet. Die Temperatur nimmt hier nach Süd-
westen um’ 2,3° C. zu, nach Südosten, auf die doppelte Strecke, um 3.7° zu.
Im Januar waren die entsprechenden Unterschiede 3.5°C. und 5,5% Es ist
also im Frühling ein gewisser Ausgleich erfolgt, die Gegensätze haben ab-
genommen.
Bei der Zunahme der Lufttemperatur vom April zum Mai ist ebenfalls
der Einfluß der Landnähe bemerkbar; viel auffallender ist aber die Tatsache,
daß sich im westlichen Teil des Mittelmeeres die mittlere Zunahme der
Temperatur in den Gewässern zwischen Gibraltar und Tunis nur auf 0.9° CC.
beläuft, dagegen auf 2,5° in den nördlich davon gelegenen Gebieten (vgl.
Tafel 14 Nr. 1, 4 und 6). Weder im Tyrrhenischen, noch im Ionischen Meer,
noch auch in den Ägyptischen Gewässern kommt etwas Entsprechendes vor,
Es scheint sich hier um einen Einfluß vom Atlantischen Ozean her
zu handeln, der das Ansteigen der Wärme auf der Strecke von
Malaga bis Tunis verlangsamt. Vorgreifend mag schon bemerkt werden,
daß ähnliches für die Wassertemperatur gilt. Sie steigt gleichzeitig im Norden
um 1.8° C., im Süden nur um 1.3°C. Die Unterschiede sind nicht so auffallend
wie bei der Luft; aber vorhanden sind sie auch noch in ziemlich hohem Maße
und jedenfalls durch die vom Ozean in das Mittelmeer hereinkommende Ober-
Hächenströmung bedingt.
Von den Sommermonaten Juni, Juli und August (s. Tafel 7 bis 9 und 14)
ist August der wärmste, mit der Ausnahme der Gegend nördlich von der Straße
von Messina, wo Juli der wärmste Monat nach den Beobachtungen ist. Man
sollte eigentlich erwarten, daß die Meeresgebiete, welche die geringste Wärme
im Januar oder Februar haben, auch die größte Wärme im Juli oder August
aufweisen würden, Das ist aber nicht der Fall, denn überall ist die Luft am
wärmsten im August, sowohl da, wo der kälteste Monat der Januar, als auch
da, wo er der Februar ist. — In den Anfang des Sommers fällt die schnellste
Zunahme der Lufttemperatur, und zwar nimmt die Temperatur fast überall
am meisten vom Mai zum Juni zu, Diese Zunahme erreicht etwas höhere
Beträge im westlichen als im östlichen Becken; dort erreicht sie 4.7° C. im
Monatsmittel, hier nur 2.5°C. — Vor Toulon kann man im August 23.1° C.
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