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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

26 Wind, Strom, Luft- u. Wassertemperatur auf den wichtigsten Dampferwegen des Mittelmeeres, 
dieser monsunartigen Brise aus NW die SW-Versetzungen häufig sind, während 
man vielmehr in ihrem Gefolge die auch sonst vorherrschenden SO-Ver- 
setzungen um so stärker und regelmäßiger erwarten sollte. 
Als zweites Monsungebiet im Sommer wurde besonders die Gegend 
seewärts von Algier, Philippeville und Cagliari bezeichnet mit ONO-Monsun, 
und man sollte also hier überwiegend westliche Versetzungen erwarten, wie 
bei dem NW- und Nord-Monsun im östlichen Becken nach südlicher Rich- 
tung. Das ist nun, wie z, B. ein Blick auf die Augustkarte zeigt, nicht der 
Fall. Als Erklärung wird man zwei Punkte anführen können, erstens die 
weit geringere Beständigkeit und Stetigkeit dieses im westlichen Teile des 
Mittelmeeres auftretenden NO-Monsuns, der viel häufiger von Winden aus 
anderen, besonders westlichen Richtungen abgelöst wird, als es im östlichen 
Becken mit dem NW-Monsun der Fall ist. Zweitens dürfte dem NO-Monsun 
und seiner Trift das vom Atlantischen Ozean an der Oberfläche in das Mittel- 
meer einströmende Wasser entgegenwirken, Dies atlantische Wasser hat die 
Verdunstung des Mittelmeerwassers zu kompensieren, die im Sommer, also 
gerade, wenn der NO-Monsun an der algerischen Küste weht, bedeutend ist; 
der algerische, ostwärts gerichtete Küstenstrom ist also keine reine Windtrift, 
sondern eine auch von anderen Faktoren abhängige wirkliche Meeres- 
strömung. 
Die Gebiete, in denen überhaupt die meisten Versetzungen 
vorkommen, sind die Felder seewärts von Algier und südöstlich von Sizilien 
und Malta; da jenes im Süden durch Land begrenzt wird, dieses dagegen 
ganz frei von Land ist, sollte man, gleiche Stromverhältnisse vorausgesetzt, 
mehr Beobachtungen von Versetzungen in dem freieren Meeresteil erwarten, 
als seewärts von Algier, Da nun das Umgekehrte der Fall ist, darf man 
schließen, daß die Wasserbewegung seewärts von Algier viel beträchtlicher 
ist als südöstlich von Sizilien und Malta. Die nächste Gruppe bilden dann 
lie Gegenden seewärts von Philippeville und Cagliari, sowie westlich und süd- 
östlich von Candia; diese Gruppe schließt sich an die vorige an, nur liegt sie 
weiter Östlich, Derselbe Schluß, der bei den Teilen der ersten Gruppe gemacht 
wurde, gilt auch hier, d. h. im westlichen Teil seewärts von Algier bis Tunis 
herrscht tatsächlich mehr Strom als im Ionischen Meer und in den Ägyptischen 
Gewässern. Die Versetzungen sind am häufigsten auf der Strecke seewärts 
von Algier bis Tunis, und zwar häufiger im Westen als im Osten dieser 
Strecke. Weiterhin auf dem Wege nach Port Said sind die Versetzungen 
seltener. 
Es folgen dann der Häufigkeit nach die Gewässer südwestlich von 
Candia, südlich von Sizilien und seewärts von Malaga. 
Teil VI. Die Luft- und Wassertemperatur. 
Bei den nachfolgenden Erörterungen ist es besonders notwendig, immer 
im Auge zu behalten, daß das zugrunde liegende Beobachtungsmaterial eben 
nur auf den in Tafel 1 bis 12 eingetragenen Dampferwegen gewonnen ist, 
und die Ergebnisse daher auch nur zunächst für diese schmalen Linien gelten. 
Es ist nicht möglich, auch nur annähernd die sicherlich vorhandenen vielen 
yeographischen Besonderheiten der Temperaturverteilung über den so mannig- 
laltig gestalteten Flächen des Mittelmeeres an der Hand des bis jetzt ver- 
{ügbaren maritimen Materials aufzudecken; dabei sind naturgemäß gerade in 
diesem Falle auch die Landbeobachtungen zur Beurteilung der Wärme- 
verhältnisse auf See gar nicht verwendbar, Bei der Bearbeitung und 
Behandlung der Lufttemperatur kommt noch die wyenugsam bekannte 
Unsicherheit ihrer Bestimmung an Bord hinzu. Die berechneten Mittelwerte 
der Luft- und Wassertemperatur gelten immer jeweils für dieselben Meeres- 
teile, für welche auch die Wind- und Stromsterne (s. Teil I, II, IV) berechnet. 
worden sind; vgl. oben 8. 11.
	        
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