Teil V.' Die Stromversetzungen,
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Einige allgemeine Bemerkungen zu den Stromversetzungen.
Die Meeresgebiete, die das ganze Jahr hindurch 90% Stillen
und darüber haben, liegen im nördlichen Teil des westlichen Mittelmeer-
beckens einschließlich des Tyrrhenischen Meeres, eins liegt noch vor den Nil-
mündungen. Die große Menge der Stromstillen im nordwestlichen Mittelmeer
kann einmal dadurch erklärt werden, daß man annimmt, Stromversetzungen
seien tatsächlich hier seltener als in anderen Gegenden des Mittelmeeres, weil
diese Gebiete mehr von Land eingeschlossen sind. Daneben kann aber noch
eine andere Ursache mitgewirkt haben, die in der Art der Bestimmung der
Versetzungen liegt, nämlich die häufigere - Ortsbestimmung durch Peilungen
in diesen landnahen Gewässern und dadurch Wegfall der täglichen Be-
rechnung der Unterschiede zwischen dem gegißten und dem astronomisch be-
stimmten Besteck, das hier gegenüber den Peilungen von Landmarken mehr
in den Hintergrund tritt. Vermutlich sind beide Ursachen beteiligt gewesen,
d. h. tatsächlich weniger Versetzungen und außerdem weniger Aufzeichnungen
darüber, weil die kleinen Irrtümer im gegißten Besteck gewissermaßen laufend
durch Peilungen von Landmarken berichtigt und nicht weiter notiert werden.
Es würde sich in allen ähnlichen Fällen für die Mitarbeiter der Deutschen
Seewarte sehr empfehlen, die beobachtete Versetzung von Landmarke zu Land-
marke mitzuteilen, mit Angabe der Zeit oder wenigstens die Grundlagen dazu,
also Kurs und Distanz mit Peilungen und Zeiten genau anzugeben, Beachtens-
wert ist es auch, daß in den Gebieten mit durchschnittlich sehr vielen Strom-
stillen doch gelegentlich recht hohe Versetzungen vorkommen, ein Umstand,
der darauf hindeutet, daß die an zweiter Stelle genannte Ursache vermutlich
sehr oft mitwirkt.
Um zu verhüten, daß man sich etwa hier durch die Mittelwerte in
Sicherheit wiegen lasse, folgt eine Übersicht der stärksten Versetzungen in
den in Betracht kommenden Gebieten: Nördlich von den Balearen ist im Mai
eine Versetzung nach N 25 Sm beobachtet, westlich von den Balearen im No-
vember gar WSW 48 Sm und seewärts von Toulon im September SO 27 Sm. Im
Tyrrhenischen Meer wurde seewärts von Livorno im September eine Ver-
setzung von O0 8 Sm beobachtet, ‚westlich von Neapel im Dezember WNW 20 Sm,
nordwestlich von Sizilien im November O0SO 35 Sm und nördlich von der
Straße von Messina im September O0SO 12 Sm. Vor den Nilmündungen wurde
im Februar eine Versetzung nach SO 40 Sm beobachtet. Es ist also auch in
den Gebieten mit sehr vielen Stromstillen angebracht, die Stromsterne und die
in den Tabellen mitgeteilten höchsten Werte anzusehen, falls die Wind- und
Wetterverhältnisse ungewöhnliche Versetzungen erwarten lassen.
Die Hauptrichtungen, nach denen die Versetzungen statt-
finden. Der SO-Quadrant ist derjenige, wohin die Schiffe meistens versetzt
werden, Das gilt für alle Monate und alle 4 Unterabteilungen des Mittelmeeres.
Auch wenn man die einzelnen stärksten Versetzungen in den vier Gebieten
betrachtet, spielt dieser Quadrant die Hauptrolle, da keiner der anderen
Quadranten wie dieser in jedem Monat erscheint, und zwar meistens 2 bis
3 Mal, im Juli sogar 4 Mal, d. h. in diesem Monat fallen in allen 4 Gebieten
die höchsten Versetzungen sämtlich auf den SO-Quadranten, Das Vorwalten
der nordwestlichen Winde kommt hierin zum Ausdruck. .
; Versetzungen nach dem SW-Quadranten stehen in zweiter Linie, unter-
scheiden sich aber insofern von denen nach dem SO-Quadranten, als sie nicht
wie diese im ganzen Mittelmeer, sondern hauptsächlich im östlichen Becken,
also im Ionischen Meer und in den Ägyptischen Gewässern, hervortreten. Die
Versetzungen nach südwestlichen Richtungen scheinen vom Winter zum Sommer
und von Westen nach Osten zuzunehmen, Eine Erklärung liegt wohl in dem
sommerlichen Nordwest- und Nordmonsun, der nicht nur in den Ägyptischen
Gewässern und im Ionischen Meere, sondern auch noch im Tyrrhenischen
Meere, wenn auch abgeschwächt, seine Wirkung geltend macht und stetiger
und ausgedehnter ist als irgend ein anderes Windsystem innerhalb des Mittel-
meeres: es bleibt dabei aber der Umstand auffällig, daß gerade im Bereich