59 Wind, Strom, Luft- u. Wassertemperatur auf den wichtigsten Dampferwegen des Mittelmeeres.
zeigers, im Sinne S—O0—N, als umgekehrt. Bei Winden aus den westlichen
Quadranten dagegen geht die Drehung häufiger und mehr nach rechts herum,
d. h. mit der Bewegung des Uhrzeigers, im Sinne S—W—N. — Im Atlan-
tischen Ozean, vor der Straße von Gibraltar, beträgt die mittlere Wind-
drehung in Stürmen 3 Strich, bei Kap Finisterre 3'/, Strich, im Mittelmeer
dagegen durchschnittlich weniger als 1 Strich. Dieser kleine Wert im Ver-
gleich mit den für den offenen Atlantischen Ozean gültigen Werten findet
eine Bestätigung in der großen Anzahl von Stürmen, in denen gar keine Wind-
drehung eintritt,
Die Stürme des Mittelmeeres unterscheiden sich also in jeder Beziehung,
die untersucht wurde, ganz wesentlich von denen des Nordatlantischen Ozeans,
außer in der jährlichen Periode.
Teil V. Die Stromversetzungen.
Was bei den Karten zunächst in die Augen springt; ist die große Anzahl
Stromstillen; so hat die Dezember-Karte nicht weniger als fünf Stromsterne
mit 90%, Stromstille und darüber, während die niedrigsten Werte 53, 58 und
59%, bei im ganzen 15 Stromsternen sind. Ähnlich ist die Sachlage in den
übrigen Monaten. Im offenen Ozean gelten schon 30°, Stromstillen als un-
gewöhnlich, 40°/, sind selten und 50%, können als Ausnahmefälle gelten. Mit
den Verhältnissen im offenen Ozean lassen sich also die Stromversetzungen
im Mittelmeer nicht vergleichen. Ebenso wie bei den Stürmen zeigt sich auch
bei den Stromversetzungen, daß sie nur sehr stark abgeschwächt im Mittel-
meer auftreten, wie das bei einem so vollständig abgeschlossenen Binnenmeer
nicht anders zu erwarten war, Gleichwohl hebt sich ein bestimmter Teil mit
ziemlich häufigen und regelmäßigen Versetzungen gut heraus; dies sind die
Gewässer längs der gesamten Nordküste Afrikas, besonders auf der Strecke
zwischen Gibraltar und Tunis, Hierin kommt die schon lange bekannte
Küstenströmung, hauptsächlich der algerischen Küste, zum Ausdruck, Be-
trachten wir zunächst nach Tafel 1 bis 12 die einzelnen Monatskarten.
Dezember (s. Tafel 1). In der nördlichen Hälfte des westlichen Teils
des Mittelmeeres und im Tyrrhenischen Meere sind die Versetzungen selten
und meist schwach, ebenso vor dem Nildelta; in den anderen Teilen treten
besonders östliche und südöstliche Versetzungen etwas häufiger und stärker
hervor, am deutlichsten seewärts von Philippeville und Cagliari. In diesem
Gebiete zwischen der algerisch-tunesischen Küste einerseits und der Südküste
Sardiniens anderseits sind die Stromstillen am seltensten, 53°/,, die nordwest-
lichen Winde sind hier kräftig, und der Verlauf der afrikanischen Küste in
Verbindung mit der Einschnürung des Meeres durch Sardinien trägt dazu bei,
die östlichen Versetzungen hier zu verstärken. — Die stärksten einzelnen
beobachteten Versetzungen waren in den 4 Gebieten, in dem westlichen Mittel-
meer, in dem Tyrrhenischen Meer, in dem Ionischen Meer und in den Agyp-
tischen Gewässern, die folgenden: seewärts von Malaga ONO 58 Sm, seewärts
von Neapel WNW 20 Sm, westlich von Candia ONO 35 Sm.und endlich südöstlich
von Candia SO 38 Sm.
Januar (s. Tafel 2). Die Stromstillen sind noch häufiger als im De-
zember; ihre geringste Häufigkeit beträgt 61°/, südwestlich von Candia, die
größten Werte 90° und mehr, finden sich vor dem Nildelta und in dem nörd-
lichen Teile des westlichen Mittelmeerbeckens. Auf der Strecke seewärts von
Malaga bis Malta überwiegen Östliche, besonders südöstliche Versetzungen;
südöstliche machen sich auch in der Umgebung Candias stark bemerkbar,
während sonst im östlichen Becken des Mittelmeeres südwestliche Versetzungen
recht häufig sind. — Die stärksten einzelnen beobachteten Versetzungen waren
in den 4 Gebieten: seewärts von Algier O 37 Sm, nordwestlich von Palermo O
20 Sm, westlich von Candia W 34 Sm und südöstlich von Candia O 29 Sm.
Februar (s. Tafel 3). Die meisten Versetzungen auf dem Wege
von Gibraltar nach Port Said sind nach Osten und Süden gerichtet;