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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Wind, Strom, Luft- u. Wassertemperatur auf den wichtigsten Dampferwegen des Mittelmeeres, 
Mai (Tafel 6). 
Westlicher Teil. Seewärts von Malaga und Algier gruppieren sich 
die meisten Winde noch ziemlich gleichmäßig um W-—-WSW und ONO, zwischen 
Philippeville und Cagliari dagegen mit Übergewicht um WNW; die Seltenheit 
der eigentlichen Südwinde hier zeigt sich in diesem Monat ebenso wie im 
vorhergehenden. Westlich von den Balearen ist eine ziemlich auffallende 
Änderung eingetreten, indem Südwinde das Übergewicht erhalten haben und 
die Stärke sichtlich abgenommen hat. Nördlich von den Balearen dagegen 
hat sich wenig geändert, die NW-Winde überwiegen noch und treten auch 
gelegentlich noch stürmisch auf. Vor Toulon sind alle Richtungen ziemlich 
gleichmäßig vertreten, — Die Zahl der Stillen hat im westlichen Teil abge- 
nommen gegen April, der höchste Wert beträgt nur 10%, gegen 15%, im April 
seewärts von Toulon. — Im Tyrrhenischen Meer haben seewärts von Livorno 
und Neapel die Landwinde abgenommen, bei Stromboli die SW-Winde. Im 
südlichen Teile dieses Meeres haben NW-Winde wieder das Übergewicht, im 
nördlichen die auflandigen Winde. Bei Stromboli sind die Stillen auf 19%, 
also 1/, aller Beobachtungen, gestiegen. — Ionisches Meer, Südlich von 
Sizilien haben NW-Winde ein entschiedenes Übergewicht erlangt; dabei haben 
aber die stürmischen Winde gegen den April eine starke Einbuße erfahren, 
Auch südöstlich von Sizilien und Malta gruppieren sich die meisten Winde 
um die Richtung WNW; hier sind stürmische Winde mit Mai ganz ver- 
schwunden. Östlich von Sizilien überwiegen auch bei weitem die Winde von NO 
über NW nach SW, sie verteilen sich aber mehr über diesen ganzen Halbkreis, 
Westlich von Candia treten am meisten nordwestliche Winde hervor. Windstärke 7 
und mehr fehlt östlich und südöstlich von Sizilien ganz. —- Ägyptische 
Gewässer, Auf der ganzen Strecke südwestlich von Candia bis zum Nildelta 
überwiegen bei weitem nördliehe und nordwestliche Winde, und es ist damit 
der Beginn für die während des ganzen Sommers hier mit ungemein großer 
Regelmäßigkeit wehenden passatartigen oder vielmehr monsunartigen Winde 
gegeben. Stürmische Winde kommen im Mai nicht mehr vor. — Die Stillen 
im ganzen Mittelmeer schwanken von 5°/, seewärts von Algier bis 19° nörd- 
lich von der Straße von Messina. In 10 Windsternen von im ganzen 17 ist 
Windstärke 7 und darüber verschwunden; das Wetter gewinnt also mit dem 
Mai einen’ wesentlich ruhigeren Charakter, 
Juni (Tafel 7). 
Im westlichen Teil des Mittelmeeres herrschen seewärts vom Kap de 
Gata noch dieselben Hauptrichtungen um WSW und ONO; die Stillen sind 
zahlreicher als im Mai, Vor Algier treten leichte NO-Winde besonders her- 
vor, zwischen Philippeville und Cagliari Ostwinde und auflandige Winde, ebenfalls 
leicht. Die Richtungen erinnern hier an den NO-Passat, dem Wesen nach sind 
es mehr Monsunwinde, verursacht durch die hohe Wärme über Nordwestafrika; 
diesen NO- bis Ostwinden entsprechen im östlichen Mittelmeer, speziell in den 
ägyptischen Gewässern, die NW-Winde, Westlich von den Balearen sind die 
Verhältnisse ähnlich wie seewärts von Philippeville, insofern auflandige oder 
der Küste parallele Windrichtungen überwiegen. Nördlich von den Balearen ist 
die Verteilung der Richtungen ziemlich gleichmäßig, nur sind die NW-Winde 
viel kräftiger als die flauen SO-Brisen; v& Toulon treten die NO-Winde jetzt am 
meisten zurück. — Stürmische Winde gibt es nur noch vereinzelt aus Westen 
seewärts von Malaga und Toulon. Die Zahl der Stillen hat überall zuge- 
nommen, vor Toulon machen sie !/, aller Beobachtungen aus. — Tyrrhenisches 
Meer. Leiehte auflandige oder der Küste parallele Winde mit viel Stillen 
herrschen vor; NW ist die häufigste Richtung. Auch im Tyrrhenischen Meer 
ist die Zunahme der Stillen stark, sie erreichen stellenweise den sehr hohen 
Betrag von 29°/,. Die Abnahme der mittleren Windstärkegrade ist ebenfalls 
bedeutend. — Ionisches Meer. Nordwestliche leichte Winde herrschen im 
ganzen Ionischen Meere vor; die geringere Windstärke im Vergleich zum Mai 
ist ganz augenscheinlich. Auch die Zahl der Stillen hat zugenommen, sie er- 
reicht in den mittleren Sternen 12°; nur westlich von Candia ist sie kleiner
	        
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