van Bebber, W. J.: Bemerkenswerte Stürme,
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11/, km unterwaschen ist. Die Fischerdörfer haben großen Schaden erlitten; das Wasser stieg so
plötzlich, daß niemand Zeit‘ hatte, die Boote in Sicherheit zu bringen, » 4 ‘
_ In Wieck bei Eldena stürzte infolge Hochwassers ein Armenhaus ein, wobei drei Frauen
und vier Kinder umkamen,
Kopenhagen, 31. Dezember. Die Fahrten zwischen Gjedser und Warnemünde wurden nachts
wegen des Sturmes und des Hochwassers nicht ausgeführt; die Überfahrt ist vorläufig eingestellt,
Die Überfahrt zwischen Masnedoe und Orehoved (Falster-Seeland) ist heute morgen eingestellt.‘ Das
Land um Koege ist auf eine viertel Meile nördlich und eine halbe Meile südlich unter Wasser gesetzt.
Der Wasserstand in der Koegerbucht ist 10 Fuß höher als gewöhnlich. Die Gasanstalt Koege
mußte wegen Eindringens von Wasser ihren Betrieb einstellen. Aus verschiedenen Gegenden des
Landes wird gemeldet, daß das Hochwasser in der vergangenen Nacht einen höheren Stand erreicht
U als, bei ‚der. großen Sturmflut 1872; Der durch das Wasser angerichtete Schaden ist sehr
eutend.
. Malmö, 31. Dezember. Ein heftiger Nordoststurm richtete in Südschweden großen Schaden
an. Die Kontinentalstation von Trelleborg befindet sich unter Wasser. Viele Orte sind überschwemmt
und’ zahlreiche Telephonverbindungen gestört; der Eisenbahnverkehr ist mehrfach unterbrochen,
Aus Saßnitz berichtet man: Der heute durch den Sturm hier angerichtete Schaden ist sehr
erheblich. . Die Strandpromenade ist völlig weggespült. Das Geleise der Hafenbahn ist‘ unterspült
und zum Teil weggewaschen, Die Telegraphenstangen sind umgestürzt. Im Hafen ging ein Schiff
unter, während zwei andere auf das Wrack aüftrieben. Von dem fälligen Postdampfer aus Schweden
fehlt bis jetzt jede Nachricht. Gegenwärtig hält das Schneetreiben an,
Danzig, 31. Dezember, Infolge anhaltender, mit starkem Nordoststurm verbundener Schnee-
verwehungen ist Danzig von jedem Eisenbahnverkehr. abgeschnitten. Die Strecke Danzig—Stettin ist
bereits bei Oliva durch riesige Schneemassen vollständig gesperrt. Die Strecke Danzig—Dirschau
ist bis Praust, wo die Züge im Schnee liegen, verweht. Bereits der Frühschnellzug Danzig—
Charlottenburg, der um 6 Uhr 40 Min. eintreffen sollte, ist ausgeblieben. — Der kommandierende
General v. Braunschweig, der Generalleutnant v, Mackensen und die Kommandeure der
Leibhusarenregimenter können wegen . Schneeverwehungen nicht zum. Neujahrsempfang nach
Berlin abreisen. . 4
: Königsberg, 31. Dezember. Laut amtlicher Meldung ist die Strecke Fischhausen—Palmnicken
seit 6 Uhr früh gesperrt. Die Störung währt mindestens 24 Stunden.
Pillau, 31. Dezember. (W. T. B.) Zwei Fischerboote aus Groß-Kuhren und zwei Fischer-
boote aus Klein-Kuhren mit je 5 Mann Besatzung, welche gestern in See gegangen waren, sind bis
heute mittag noch nicht zurückgekehrt. Man befürchtet, daß sie während des gestrigen, mit Schnee-
treiben verbundenen Orkans untergegangen sind. ;
Bonn, 30. Dezember. (W.T. B.) In der Walzplattenfabrik warf heute nachmittag der Sturm
den Giebel eines Neubaues um. Die einstürzenden Steinmassen fielen auf eine benachbarte Schreinerei,
in der drei Zimmerleute getötet, zwei andere Zimmerleute schwer und zwei Schreiner leicht
verletzt wurden. .
Aus Berlin wird unter dem 31, Dezember gemeldet: Nach dem starken Sturm während
der Nacht herrscht seit 11!/, Uhr heftiges Schneegestöber.
Frankfurt a. M., 31. Dezember, Der orkanartige Sturm, der gestern nachmittag und nachts
hier und in der Umgegend wütete, richtete vielfachen Schaden an Bäumen, Telegraphenleitungen usw,
an. Mehrfach wurden Gewittererscheinungen beobachtet. Die Bahnzüge erlitten infolge der Gleis-
sperrungen vielfache Verspätungen,
München, 31. Dezember. Seit heute früh 8 Uhr herrscht bei heftigem Sturm starkes Schnee-
treiben. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen erleiden vielfach Störungen, Aus Nürnberg
wird starkes Schneetreiben gemeldet.
Wien, 31. Dezember. . In der vergangenen Nacht wütete hier ein orkanartiger Sturm; ab-
gesehen von vereinzelten Beschädigungen an den Häusern ist bis vormittags kein nennenswerter
Unfall gemeldet.
Mit dem Eintreten der nordöstlichen Winde am 31. Dezember trat zuerst
in den östlichen Gebietsteilen strenge Kälte ein, welche ‘sich rasch südwärts
bis über die Alpengegend hinaus nach Italien ausbreitete. Seit 1870 ist in
der Schweiz und Italien solche sibirische Kälte nicht vorgekommen, Hierüber
teilen wir folgende Zeitungsnotiz mit:
Zürich, 3. Januar, Aus der ganzen Schweiz kommen Nachrichten über furchtbare Stürme
und sibirischen Frost. Am Gotthardhospiz und auf dem Säntis wurden bis —33° notiert, : Am
Tessin hat ein heftiger Sturmwind in verschiedenen Orten Verheerungen angerichtet. Seit 1870 ist
dort keine solche Kälte konstatiert worden. Chaux-de-Fonds hat — 22°, im Waadtland wird die
Kälte zur Kalamität,. da sie in dieser Heftigkeit unbekannt ist und vielfach Öfen fehlen. Selbst
das sonst warme Montreux hatte — 12°, Lausanne — 19°, St.Croix —21°, Chäteauxdeux —23°, In
Genf hat der Sturm nie so gehaust wie am 1. Januar. Heute gewährten die Budenstadt und
namentlich die Karussels den Anblick von Ruinen. Die Feuerwehr wacht die ganze Nacht, die
Bogenlampen der Montblancbrücke sind weggerissen. Der Jardin Anglais ist mit einer zolldicken
Eisdecke bedeckt; das Gitter ist unter der Kisdecke verschwunden, Viele Personen sind von herab-
fallenden Kaminen verletzt oder vom Sturm am Boden fortgerollt worden. Die Kälte hält. hier trotz
des Abflauens der Brise an. Heute verzeichnete Delfbach — 25°, St. Immer. — 21°, Münster — 23°,
Neuenburg — 20°, Biel — 16°, Davos, St. Moritz — 23°, Göschenen — 20°, Chur — 18°, Bern,
Zürich und Schaffhausen — 16°, Basel — 17% In Chaux de Fonds wurde ein Mann in. einem