Wind, Strom, Luft- und Wassertemperatur auf den wichtigsten
Dampferwegen des Mittelmeeres.
Einleitung.
Daß das Mittelmeer ein äußerst dankbares Gebiet für klimatologische
Untersuchungen darstellt, ist bei der ausgeprägten Sonderstellung, die es in
vielen physisch-geographischen Beziehungen einnimmt, nicht verwunderlich,
und zahlreich sind daher die diesem Binnenmeere und seinen angrenzenden
Ländern gewidmeten klimatologischen Arbeiten; unter ihnen seien auswahls-
weise nur die von Th. Fischer’) und von J. Hann”) genannt, die beide in
ihrer Weise grundlegend genannt werden können. Was aber bisher wohl ge-
fehlt hat, das war eine zusammenfassende Ausnützung der in den Schiffs-
journalen aufgespeicherten reichen meteorologischen Aufzeichnungen; man hat
bislang im besonderen die Windverhältnisse des Mittelmeeres nur nach den
Beobachtungen an den Küsten schildern können, was natürlich ein Notbehelf
war: Unter diesen Umständen lag der Versuch nahe, die meteorologischen
Tagebücher der für die Deutsche Seewarte beobachtenden Dampfer, soweit sie
das Mittelmeer befahren, zu befragen, Deutsche Segelschiffe sind im Mittel-
meer zu selten gewesen, als daß sie zur Vermehrung des Beobachtungsmateriales
in Betracht gekommen wären. Außerdem gewann man mit der ausschließlichen
Benutzung der Beobachtungen der hin- und zurückfahrenden Dampfer eine große
Sicherheit in der Richtung, so daß die wahren Werte z. B. der Windprozente usw.
tatsächlich oder doch sehr angenähert richtig ermittelt sind, während bei
Segelschiffsreisen, zumal in dem landumschlossenen Mittelmeer, eine ungünstige
Auswahl der Beobachtungen und damit ein »Aussortieren« z. B.: von ungün-
stigen Windrichtungen stattfindet und bei der Bearbeitung gar nicht weg-
zubringen gewesen wäre. Nicht zu verkennen ist freilich auf der anderen
Seite, daß die Dampferreisen sich nahezu ausschließlich längs ganz bestimmter
schmale Streifen einschließender Linien bewegen, und daß die Ergebnisse der
Beobachtungen daher auch zunächst nur für diese Dampferwege gelten,
Die Dampferwege, um die es sich hier handelt, sind: 1. Gibraltar-—
Genua—Neapel—Port Said; 2. Gibraltar-—Neapel; . 3. Gibraltar—Port Said;
alle drei Wege werden in beiden Richtungen viel befahren, Zu bedauern
ist, daß der vierte der wichtigsten Dampferwege des Mittelmeeres, der von
Gibraltar über Malta nach Konstantinopel führt, nicht Berücksichtigung finden
konnte, zumal damit der griechische Archipel ganz aus der Darstellung aus-
schied; aber es gehen erst seit etwa zwei Jahren auf der Deutschen Seewarte
Beobachtungen, deren Zahl natürlich für klimatologische Zwecke noch nicht
genügt; für diesen Reiseweg ein. Vielleicht trägt dieser Hinweis dazu bei,
noch weitere Mitarbeiter zur See gerade an Bord der im Mittelmeer und
Schwarzen Meer fahrenden Dampfer für die Seewarte zu gewinnen. Die vor-
liegende Untersuchung wurde möglich hauptsächlich durch die dankenswerte
jahrelange Mitarbeit von Schiffen des Norddeutschen Lloyd, der Deutschen
Ostafrika-Linie, der früheren Hamburger Kingsin-Linie, der Hamburg— Amerika-
Linie, der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft u. a. m., und zwar
sind im ganzen 918 Tagebücher, die während der Jahre 1886 bis 1902 ein-
geliefert worden sind, benutzt. Man wird sagen dürfen, daß die Bearbeitung
die aufgewandte Mühe reich gelohnt hat; schon die Ergebnisse der Wind-
1) Studien über das Klima der Mittelmeerländer.. Gotha 1879. (Peterm. Geogr. Mitteil.
Ergänz. Nr. 58).
2) Verteilung des Luftdruckes über Mittel- und Südeuropa. Wien 1887. (Penck’s geogr.
Abhandlungen).