Die Wirksamkeit des Sturmwarnungswesens an der deutschen Küste,
122, Memel.
Zu 1. Das Sturmwarnungswesen hat sich bei den interessierten Kreisen der Bevölkerung gut
eingeführt und sind in letzter Zeit wiederholt neue Anträge auf Errichtung von Warnungs-
stationen eingegangen. Die Warnungen werden von Fischern und Schiffern sehr wohl beachtet.
Das beste Verständnis für die Signale besitzt das Schiffahrt treibende Publikum.
Zu 2. Das Auslaufen von Segelschiffen und kleineren Dampfern aus dem hiesigen Hafen wird
vielfach von den Warnungen beeinflußt.
Zu 3. Geschieht auf den Stationen nach der Instruktion.
Zu 4. Abschriftliche Meldungen werden mir auf Wunsch von dem Lotsenburean übermittelt.
Zu 7%. Einzelne Warnungen kommen noch immer zu spät, bei anderen bleibt (namentlich im
Winter) der Sturm aus.
Ein größerer Teil der Warnungen trifft ein, wenn schon fallendes Barometer, auffrischende
Winde und die Veränderungen im Ausschen des Himmels den Umschlag des Wetters unzweifel-
haft angekündigt haben. Da diese Anzeigen aber nicht immer den Eintritt gefährlicher Wind-
stärken vorhersagen lassen, so können doch diese Warnungen ncch immer als wirksam und
zweckmäßig angesehen werden. Immerhin wäre es für die hiesige (jegend erwünscht, wenn die
Warnungen noch früher eingingen und vielleicht nur ganz allgemein gehalten wären. Wenn
nicht Sturm aus SW rechtsdrchend usw. sondern nur möglichst früh » Umschlag des bisherigen
ruhigen Wetters zu erwarten« angezeigt würde. Voraussetzung ist natürlich, daß eine derartige
Warnung erheblich früher (etwa zwölf Stunden) erlassen werden könnte wie die anderen, da
mehr die Tatsache des Umschlags der Witterung nach ruhigem Wetter, als die Sturmrichtung
und Drehung interessiert.
Von großem Wert ist das Signal »Gefahr noch nicht vorüber« bei vorübergehendem Auf-
klaren, da es zur Vorsicht mahnt.
gez. Musset, Baurat.
Gedruckt in der Königlichen Hofbuchdruckerei von E. S, Mittler & Sohn, Berlin SW, Kochstraße 68—71.