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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

van Bebber, W. J.: Bemerkenswerte Stürme, 
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war. Der Wind sprang nach Nordwest um, und: das Wasser erreichte heute abend bei höchster 
Tide eine Höhe von’ 16 Fuß, mithin 6 Fuß über dem normalen Hochwasserstand, . 
Itzehoe, Der schon in verflossener Nacht einsetzende Weststurm steigerte sich im Laufe 
des Tages fortgesetzt und erreichte seine größte Stärke in den Abendstunden, Von den Häusern 
wurden zahlreiche Dachziegel, Schiefer und Fensterflügel auf die Straße geschleudert, so daß 
zeitweilig die Passanten recht gefährdet waren. Auch an Schornsteinen, Straßenlaternen, Laden- 
fenstern usw. wurden mancherlei Schäden ‚angerichtet. In der Stör erreichte das: Wasser, weil 
der Wind inzwischen nach Norden umsprang, schon lange vor Eintritt des Hochwassers eine solche 
Höhe, daß es die Sommerdeiche überflutete und die Störniederungen in weiter Ausdehnung in einen 
großen‘ See verwandelte. 
Stade. Seit vorgestern wütet hier ein heftiger West- und Südweststurm, der allerhand Ver- 
heerungen an Bäumen. und Gebäuden usw. angerichtet hat.. Gestern erreichte das Unwetter seinen 
Höhepunkt. Nachdem schon tagsüber das Wasser eine bedeutende Höhe erreicht hatte, trat es abends 
über die Ufer und überschwemmte die Hafenanlagen vollständig und mehrere Straßen der unteren 
Stadt. Gegen 9 Uhr wurden drei Warnungsschüsse abgegeben, um die Bewohner des »Alten Landes« 
vor der drohenden Hochwassergefahr zu warnen. Erst gegen Mitternacht flaute der Sturm ab, und 
es trat Frostwetter ein, dem heute morgen ein leichter Schneefall folgte. Meldungen über Sturm- 
schäden aus der Umgebung laufen fortwährend ein. 
Blankenese, 31. Dezember. Ein orkanartiger Sturm brachte uns in der letzten Nacht un- 
geheuere Wassermengen und richtete durch seine kurzen und heftigen Stöße ‚allerlei Schaden an. 
Mehrere kleine Fahrzeuge wurden voll Wasser geschlagen, andere wurden vom Wellenschlag los- 
gerissen. In den Parkanlagen waren mehrere Bäume geknickt. Mehrere Dächer von alten Stroh- 
häusern erlitten ganz bedeutenden Schaden. Selbst Dachziegel und Schieferplatten waren von den 
Dächern geschleudert. Die elektrische Leitung erlitt an einigen Stellen Störungen. Während gestern 
abend noch der Südwest weiche Seelüfte brachte, bringt uns heute morgen der Nordost schon Frost 
und Schneegestöber. 
Harburg, 30. Dezember. Ein orkanartiger Sturm braust seit heute nachmittag über unsere 
Stadt und deren Umgebung dahin und treibt das Wasser in der Elbe sehr hoch, so daß man fast 
annehmen: sollte, es würden sich wieder Zeiten ereignen, wie man. sie morgen vor 50 Jahren an der 
Küste der Nordsee und am Elbstrande erlebte, wo bekanntlich die letzte große Sturmflut in unserer 
Gegend stattfand. Das Unwetter hat an verschiedenen Stellen in unserer Stadt Schaden angerichtet, 
In mehreren Straßen wurden Fensterscheiben, ja ganze Fensterflügel weggeweht. An anderen Stellen 
wurden Planken und Fahnenstangen niedergerissen und Baugerüste arg beschädigt. "Telegraphen- 
und Telephondrähte sind dem Unwetter in großer Zahl zum Opfer gefallen; auch sind wieder viele 
Bäume in der Haake umgeweht worden. Der Orkan tobt zur Zeit unvermindert weiter. 
Hamburg, 31. Dezember. Schon während des ganzen gestrigen Tages brauste ein Südwest- 
sturm über Hamburg dahin, der sich an Stärke nur mit den Stürmen vom 1. Januar 1855 und vom 
12, Februar 1894 vergleichen läßt. Um 11 Uhr vormittags erreichte der Orkan seine Höhe während 
des Tages. Dam traten einige Stunden Ruhe ein; es wehte zwar noch heftig, aber die Böen, die 
während der Mittagsstunden geherrscht hatten, waren nicht mehr so stark. Mit Beginn der Dunkelheit 
setzte der Orkann aber von neuem ein und raste bis tief in die Nacht hinein mit einer geradezu 
dämonischen Gewalt. Hin und wieder fuhren über den nächtlichen Himmel fahle Blitze hinweg. 
Es knatterte und rüttelte an den Fenstern, durch die Telephondrähte pfiff die Windsbraut, um die 
Straßenecken heulte der Wind und fegte hinweg, - was ihm im Wege stand. Hüte und Schirme 
waren seine leichtesten Opfer, es folgten Fensterscheiben und Dachziegel, Bäume und Laternen, ja 
sogar. Frauen und Kinder wurden über die Straßen und freien Plätze gefegt, als seien sie Papier- 
fetzen. Die Straßenbahnen stoppten, da die Leitungen zum Teil gerissen waren, die Eisenbahnen 
fuhren mit doppelten Maschinen, und die Waggons erzitterten förmlich auf den hohen Dämmen, wo 
der Wind besonders ankommen konnte, Fast ununterbrochen waren die Feuerwehrzüge in Bewegung. 
Viele Unglücksfälle hat der Sturm in Hamburg und Umgegend im Gefolge gehabt; wir registrieren 
darüber das Folgende: 
Aus der inneren Stadt wird gemeldet: Als des Abends der Sturm ganz bedeutend an 
Heftigkeit zunahm, trugen sich leider drei schwere Unfälle zu, bei denen Kinder. und Erwachsene 
schwer verletzt wurden. Unausgesetzt wurde die Feuerwehr um Hilfeleistung gebeten; von 6 bis 11 Uhr 
abends liefen weit über 100 solcher Meldungen ein. Da aber sämtliche diensttuenden Feuerwehr- 
mannschaften schon unterwegs waren, mußten die dienstfreien Mannschaften telephonisch einberufen 
werden. Diese brauchten aber ‚nicht mehr in Tätigkeit zu treten, weil der Sturm inzwischen an 
Stärke nachgelassen hatte. 
. Hamburg, Hafen. Der Südweststurm, der von vorgestern abend bis gestern mittag über 
Hamburg hinwegraste, dann aber abzuflauen begann, fing bereits am Nachmittag. schon vor dem 
Eintritt der Dunkelheit aufs neue zu blasen an, und diesmal mit einer solchen Heftigkeit, daß er 
die erste Periode noch bei weitem übertraf. Fürchterliche Regenböen setzten gegen 4 Uhr ein, und 
der Wind tobte mit einer solchen Gewalt durch die Straßen, daß die Passanten an manchen Ecken 
und freigelegenen Stellen in die Gefahr kamien, weggefegt zu werden. ‘Als der Wind abends gegen 
8 Uhr nordwestliche Richtung annahm, begann das Wasser der Elbe rapid zu steigen, und bereits 
um 91/, Uhr -— die Fluthöhe war erst gegen Mitternacht zu erwarten — ging das Schießen von 
den Signalstationen Stintfang und Stadtdeich los zum Zeichen, daß der Wasserstand 12 Fuß erreicht 
hatte. In kurzen Intervallen folgten die Kanonenschüsse bis 11 Uhr 50 Min., da der Wasserstand 
mit 14 Fuß 9 Zoll hier den höchsten Stand erreichte, An den Vorsetzen reichte das über die Ufer 
getretene Wasser der Elbe fast bis an die Schienen der Straßenbahn heran, infolgedessen die Be- 
wohner. der niedrig liegenden Stadtteile durch Drängwasser sehr zu leiden gehabt haben; der 
St. Pauli Fischmarkt war teilweise überschwemmt, die Neumühlener Landungsbrücke verfehlte ihren 
Zweck vollständige, weil kein Mensch des hohen Wassers wegen an sie heran kommen konnte. Viele
	        
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