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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1905. 
Am 30. Dezember morgens lag das Minimum mit einer Tiefe von 730 mm 
über der nördlichen Nordsee (siehe Wetterkarte, Fig. 2), auf seiner Südseite 
bis zu der Alpengegend unruhige Witterung hervorrufend; nur an der ost- 
deutschen Küste herrschte zur Zeit noch ruhiges Wetter, 
Am Nachmittage war das Minimum bis zu den dänischen Inseln, am 
Abend bis zur Odermündung fortgeschritten, wobei die Winde im deutschen 
Nordseegebiet einen orkanartigen Charakter annahmen. Am Nachmittage 
(43/, Uhr) wurde die Warnung für die Ostsee verlängert und ebenso diejenige 
für die Nordsee. 
Am Abend des 30. Dezember befand sich eine Depression über dem 
östlichen Deutschland, eine andere jenseits der Alpen (siehe Nebenkärtchen in 
Fig. 3), so daß für die Ostseeküste stürmische nordöstliche Winde zu er- 
warten waren, umsomehr, als über Nordeuropa sich ein Hochdruckgebiet 
entwickelt hatte, welches mit zunehmender Intensität sich südwärts ausbreitete, 
Daher wurde am Abend diese Küstenstrecke gewarnt: 
»Tiefes Minimum Odermündung, starkes Steigen des Barometers 
über Nordeuropa macht stürmische nordöstliche Winde wahrscheinlich. 
Signal: Nordoststurm. 30. Dez, 04, 9b 30min abends, Seewarte.« 
Am Abend und in der Nacht drehten an den gewarnten Küstenstrecken 
die Winde nach Nordost und nahmen, insbesondere an der ostdeutschen Küste, 
volle Sturmstärke an. 
Die Wetterlage am 31. Dezember ist auf Fig. 3 dargestellt, diejenige 
vom Abend auf dem Nebenkärtchen zu Fig, 3. 
An diesem Tage war an der deutschen Ostseeküste das Wetter überall 
ruhig, und daher konnte am Morgen (11 Uhr) Abnahme des Signals an- 
geordnet werden, 
Ein anschauliches Bild von diesem Sturm gewähren die zahlreichen 
einschlägigen Zeitungshberichte, von denen wir hier einige wiedergeben wollen. 
31. Dezember. Aus England werden Sturmschäden gemeldet. Nach einem Telegramm aus 
London wütet über der ganzen Insel seit gestern vormittag ein heftiger Sturm, der schweren Schaden 
an den WTelegraphen- und Telephonlinien angerichtet hat, Viele Orte längs der Küste sind stark 
mitgenommen worden. 
Rotterdam, den 31. Dezember, Der Maasfluß überflutete heute nacht alle niedrig gelegenen 
Stadtteile Rotterdams. Der Straßenbahnverkehr wurde lahmgelegt. Viele Bewohner mußten knie- 
hoch durch das Wasser waten oder mit Ruderbooten ihre Wohnungen erreichen, deren Parterre- 
räumlichkeiten meist unter Wasser standen. Großen Schaden erlitten die Waren, die in den am 
Kai gelegenen Lagerhäusern aufgestapelt waren. Um Mitternacht legte sich der Sturm, und das 
Wasser lief in den Hafen zurück, Viele Bewohner verbrachten die ganze Nacht mit dem Leer- 
pumpen der Keller und Parterrewohnungen, Bei der Insel Terschelling strandete der norwegische 
Dreimaster »Lap«, der von Brasilien nach Hamburg unterwegs war. Der Steuermann ertrank, die 
übrige Mannschaft wurde gerettet. In Vlissingen überflutete das Wasser mehrere Keller. In Oisterwyk 
wurde ein schon fertiggestellter Neubau vom Sturm umgeworfen. 
Brüssel, den 30. Dezember. Infolge des orkanartigen Sturmes rissen sich in dem Antwerpener 
Lefebre-Bassin zwei englische Segelschiffe von ihren schwimmenden Bojen los, trieben gegen zwei 
belgische Binnenschiffe und bohrten sie in den Grund, so daß die Besatzung nur mit Mühe aus dem 
Wasser gerettet werden konnte; der Sturm zerstreute darauf eine Anzahl Leichterschiffe, die wieder 
gegen zwei englische Dampfer trieben und letztere in Stücke fuhren. Der Schaden beläuft sich auf 
1 Million Gulden, 
Naturgemäß sind die Küstenplätze am schwersten von dem Sturm betroffen worden; aus 
Helgoland meldet der Telegraph, daß dort gestern cin ausgehender Frachtdampfer und zwei Lotsen- 
schoner den Schutz der Düne aufsuchten. Aus Gjeesteminde telegraphiert man, daß der Sturm 
dort viel Schaden angerichtet hat; verschiedene Schiffe seien gestrandet. Der Dampfer »Italia« lief 
dabei auf das Geestemünder Bollwerk. Auch dieser hat sehr schwer gelitten. In Bremerhaven 
stand die Llyodhalle, der Wartesaal 1. Klasse ganz, 2. Klasse teilweise unter Wasser, Aus Bremen 
wird gemeldet, daß der Sturm an der Schleuse vormittags das hohe Gerüst des Neubaues der Reis- 
und Handels-Aktiengesellschaft umgerissen hat, indem er die fußdicken Balken wie Streichhölzer 
knicekte, Nach auswärts waren sämtliche Fernsprechleitungen mit Ausnahme derjenigen nach 
Bremerhaven, Brake und Verden gestört. Im Freihafen schlug gestern nachmittag ein mit Erz 
beladenes Nienburger Bockschiff voll Wasser und sank beim Wachtschiff. Aus Osterholz-Scharmbeck 
wird berichtet, daß die Hamme infolge des Südweststurmes über die Ufer getreten ist, 
Glückstadt. Ein starker Südweststurm tobte in der vergangenen Nacht im ganzen Gebiet 
der Unterelbe und brachte heute morgen einen hohen Wasserstand. Das Wasser erreichte eine 
Höhe von 141, Fuß. Im Laufe des Tages tobte der Wind fortwährend aus westlicher Richtung, 
ließ jedoch heute nachmittag nach und setzte um 5 Uhr mit orkanartiger Heftigkeit wieder ein, 
so daß das Gehen auf der Straße stellenweise bei den niederfallenden Dachziegeln lebensgefährlich
	        
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