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Die Wirksamkeit des Sturmwarnungswesens an der deutschen Küste.
28. Geestemünde.
Zu 1. Die hiesige Küstenbevölkerung sicht das Sturmwarnungswesen als cine schadenverhütende
Einrichtung an.
Zu 2. Die Führer von Fischereifahrzeugen, Küstenschiffen, passierenden Schiffe und zum Auslaufen
bereit liegenden Schiffen ziehen bei der hiesigen Sturmwarnungsstelle Erkundigungen über die
Wetterlage ein,
Zu 3, Nach Eintreffen einer Sturmwarnung werden die angeordneten Signale aufgezogen und die
erhaltene Depesche zur Kenntnisnahme ausgehängt.
Zu 4. Abschriften von den Sturmwarnungen werden auf Verlangen den Lokalblättern gegeben und
‚von diesen veröffentlicht,
Zu 5. Da die hiesige Sturmwarnungsstelle keinen Nachtdienst hat, erhalten wir auf Wunsch die
nach 81, Uhr abends von der Deutschen Seewarte ausgegebenen Sturmwarnungen am folgenden
Morgen gegen 8 Uhr.
Zu 6. Anzunehmen ist, daß Schäden durch die Sturmwarnungen verhütet werden; Angaben über
Kinzelfälle sind mir nicht bekannt geworden,
Zu 7. Eine Verbesserung des Sturmwarnungswesens für die hiesige Gegend wüßte ich nicht.
F. y. Bülow.
29. Geestemünde.
Zu 3. Die hiesige Küstenbevölkerung beobachtet die Sturmsignale mit großer Aufmerksamkeit und
hält die Einrichtung derselben für sehr nützlich.
Zu 2, Die Signale werden von den Fischern und den Fahrzeugen der Binnen- Frachtschiffahrt
sowie von den zum Auslaufen bereit liegenden größeren Schiffen in dem Maße beachtet, daß
die Warnung der Seewarte im Zusammenhang mit der vermeintlichen Wettererfahrung des be-
treffenden Schiffers, mit dem momentanen Barometerstand und dem Aussehen der Luft die
Führer der Schiffe veranlaßt, die Abfahrt bezw. Weiterfahrt in vorsichtige Erwägung zu ziehen,
Auch Ballastdampfer schenken den Sturmwarnungssignalen genügende Beachtung, während die
Postdampfer bei jedem Wetter fahren.
Zu 3. Die von der Seewarte angeordneten Signale werden sofort nach Eintreffen der Depesche auf-
gehißt. Die Depeschen werden beim hiesigen Hafenhaus und bei der Fischauktionshalle ausgehängt,
Zu 4. Auf Verlangen werden Abschriften der Sturmwarnungen den Lokalblättern gegeben und
hierin veröffentlicht.
Zu 5% Bei der hiesigen Sturmwarnungsstelle besteht kein Nachtdienst, deshalb werden die Sturm-
warnungen erst am anderen Morgen zur Kenntnis gebracht,
Zu 6. Im allgemeinen ist anzunehmen, daß durch die Sturmwarnungen bereits viele Schäden ver-
hütet sind. Ich bin nicht in der Lage, Einzelfälle anzugeben.
Zu 7. Es kommt zeitweise vor, daß cs schr hart weht, ohne daß ein Sturmwarnungssignal gezeigt
wird, und es wundern sich dann die Schiffer, daß das schlechte Wetter von der Sturmwarnungs-
stelle nicht angezeigt wurde, Es wäre zu empfehlen, um das Vertrauen der Küstenbevölkerung
zu den Sturmwarnungen zu erhalten, daß in solchen Fällen die Vorsteher der Sturmwarnungs-
stellen die Ermächtigung besitzen, telegraphische Anfrage an die Scewarte zu richten, ob nicht
ein entsprechendes Sturmsignal gehißt werden darf.
30. Süderhöft.
Zu 1. Nachdem ich durch einen Aufsatz in den »Eiderstedter Nachrichten« die Bevölkerung über
das Sturmwarnungswesen aufgeklärt, wird der Nutzen der Sturmwarnungen mehr anerkannt;
zumal es wiederholt vorgekommen ist, daß das Sturmsignal bei schönem Wetter gezogen wurde
and mehrere Stunden später ein Unwetter. losbrach. .
Zu 2. Es ist wiederholt rorgekommen, daß zum Auslaufen bereite Schiffe, auch Dampfer, während
des Hängens des Sturmsignals auf der Eider vor Anker gegangen und nach Niederholen des
Signals ihre Reise fortgesetzt haben.
Auch wird das Sturmsignal während der Heu- und Kornernte von den Landleuten beachtet;
viele suchen dann noch möglichst viel von der Ernte zu bergen.
Zu 3. Die Sturmwarnungen werden durch Aushang bei der Schule sofort nach ihrem Eintreffen
bekannt gemacht.
Zu 4 Nein,
Zu 5. Die nach 8!/, Chr abends aufgegebenen Sturmwarnungen kommen am anderen Morgen gegen
8 Chr hier an.
Zu 6, Ich nehme bestimmt an, daß durch die Sturmwarnungen Schäden verhütet werden. So
ging z. B. am 5. Oktober 18595 auf der Eider im Gesichtskreis des Sturmsignals ein auswollender
Dampfer vor Anker. Am Abend brach ein Sturm in Stärke 10 aus. Der Dampfer setzte am
anderen Tage bei schönem Wetter seine Reise fort.
1903, 21. November, ging ein auslaufender Dampfer vor Anker. Am Abend brach ein
furchtbares Unwetter aus, dem auf See manche Schiffe zum Opfer fielen,
Zu 7. Kann nach meiner Meinung nicht verbessert werden.
gez. H. Kickbusch, Lehrer.