Ann. d. Hydr. ete., XXXIHM. Jahrg. (1905), Heft IT.
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Bemerkenswerte Stürme.
Weitere Folge.
Von: Professor Dr. W. J. van Bebber.,
(Hierzu Tafel 2)
III. Sturm vom 29. bis 31. Dezember 1904.
Der Sturm vom 29, bis zum 31. Dezember ist bemerkenswert durch
seine Dauer, seine Heftigkeit, durch die mannigfachen von ihm angerichteten
Verwüstungen und die ausgebreiteten von ihm verursachten Sturmfluten.
Hervorzuheben ist die Anderung der Sturmrichtung aus SW nach NO am 31,
womit gleichzeitig ein Übergang der milden Witterung in. ungewöhnlich
strenge Kälte verbunden war.
Fig. 1 auf Tafel 2. veranschaulicht. die Wetterlage vom 29. Dezember
8 Uhr morgens. Eine Depression von mäßiger Tiefe, von Westen kommend,
lagert über dem norwegischen Meere, gegenüber einem Hochdruckgebiete,
dessen Kern sich über dem südwestlichen Deutschland befindet. Ein anderes
tiefes Minimum liegt über dem Innern Rußlands, Wind und Wetter im ost-
deutschen Küstengebiete beeinflussend. In Skandinavien war das Barometer
stark gefallen. Ü
Schon. am Abend des 27. Dezember wurde bei Erscheinen einer tiefen
Depression über Nordskandinavien, welche eine südostwärts gerichtete Bahn
einschlug, die ostdeutsche Küste gewarnt. Diese Warnung wurde am 28.
nachmittags verlängert, nachdem sie am Morgen auf die westlicher gelegene
Küstenstrecke von Darsserort bis Greifswalder Oie ausgedehnt war,
Gefahrdrohend erschien die Wetterlage insbesondere am 29, morgens
und daher wurde an die Nordsee und westliche Ostsee (von Borkum bis
Warnemünde) folgende Sturmwarnung erlassen:
»Ziemlich tiefes Minimum norwegisches Meer, Maximum Südwest-
Deutschland. Stürmische südwestliche Winde wahrscheinlich, Signal:
Südweststurm,. ‘ 29. Dez. 04, 10h morgens, ; Seewarte.«
Zur Zeit der Warnung war das Wetter an der ganzen Deutschen Küste
noch im allgemeinen ruhig, nur hier und da wehten starke westliche und süd-
westliche Winde, V
Unruhige Witterung, ostwärts sich ausbreitend, war zu erwarten, und
daher wurde am 29. Dezember 4°/, Uhr nachmittags auch die östliche Ostsee-
küste (von Darsserort bis Memel) gewarnt, so daß also jetzt an der ganzen
deutschen Küste das Signal Südweststurm gezeigt wurde, ;
Sehr gefährlich erscheint die Wetterlage am Abend des 29. Dezember,
welche in Fig. 1 als Nebenkärtchen dargestellt ist. Eine Furche sehr tiefen
Luftdrucks erstreckt sich südostwärts durch Südskandinavien; auf ihrer Süd-
westseite wehen überall stürmische westliche und nordwestliche Winde, stellen-
weise mit voller Sturmesstärke,
Fig. 4 der Tafel 2 veranschaulicht den Verlauf und die Struktur des
Sturmes nach den Registrierungen des Anemographen an der Deutschen See-
warte, Hiernach frischten am 29. Dezember im Laufe des Tages die Winde
auf, nahmen aber erst am Abend des folgenden Tages einen stürmischen
Charakter an, vielfach zum vollen Sturme anwachsend. Schon am Morgen
des 30. kurz vor 11 Uhr setzte eine ungewöhnlich schwere Böe ein, dann aber
wurde das Wetter wieder ruhiger. Mit Eintritt der Dunkelheit nahm der
Wind, jetzt von WNW auf NNW springend, wieder rasch an Stärke zu, er-
reichte bald darauf eine orkanartige Gewalt und raste bis tief in die Nacht hinein.
Bemerkenswert sind die außerordentlich hohen Sturmfluten, welche zuerst
die Nordsee und später auch die Ostsee heimsuchten. Diese sind in den unten-
stehenden Zeitungsnachrichten genügend gekennzeichnet,
Ann. d. Hydr. ete., 1905, Heft II.