Im Juli 1904 wurde das nachstehende Zirkular aufgestellt und an
der deutschen Küste solchen Personen zur Beantwortung zugestellt, bei denen
man ein sachgemäßes und vorurteilsfreies Urteil wohl erwarten konnte.
Hierauf liefen 122 Gutachten ein, welche in nachstehendem wieder-
gegeben werden sollen.
Es sei schon einleitend bemerkt, daß in allen Gutachten die Nützlichkeit
und Wirksamkeit des Sturmwarnungswesens ausgesprochen war, nur die
Provinzial-Warnungsstelle Groß-Horst gab ein mehr oder weniger ungünstiges
Gutachten ab.
Zirkular (vom 11. Juli 1904).
„In den Jahren 1882 und 1888 wurden durch Zirkulare der Deutschen
Seewarte Gutachten insbesondere von Lotsenkommandeuren, Hafenmeistern,
Vorständen von Sturmwarnungsstellen und anderen gut unterrichteten Personen
über die Wirksamkeit des Sturmwarnungswesens an der deutschen Küste ein-
geholt. Die hierauf an der Seewarte eingelaufenen Berichte wurden in der
‚Monatlichen Übersicht der Witterung« in dem Jahrgange 1882 und im
»Monatsbericht der Deutschen Seewarte 1889« wiedergegeben. Sie ergaben
ein Gesamtbild über den damaligen Stand des Sturmwarnungswesens und
ermöglichten ein Urteil darüber, inwiefern der bisher verfolgte Weg in der
Ausübung des Sturmwarnungsdienstes beibehalten oder zweckentsprechend ab-
geändert werden müsse. Es ergab sich aus diesen Gutachten die Tatsache,
daß die bestehenden Einrichtungen im allgemeinen den Bedürfnissen der
Küstenbevölkerung genügten und der einmal eingeschlagene Weg auch weiter
beibehalten werden müsse. Bereits 16 Jahre sind seit der Einholung von
Gutachten aus den Kreisen der Küstenbevölkerung verflossen; seitdem sind
mit fortschreitender Wissenschaft neue Erfahrungen auf diesem Gebiete ge-
sammelt worden, und daher dürfte es wohl geboten erscheinen, abermals
Gutachten von solchen Personen einzuholen, bei denen man ein sachgemäßes
und vorurteilsfreies Urteil wohl erwarten kann. Es ergeht daher von der
Deutschen Seewarte die ergebenste Bitte, die umstehenden Fragen gütigst
beantworten zu wollen,
Die Deutsche Seewarte bittet die Beantwortung umstehender Fragen
gefälligst bis Mitte September d. J. unter der Adresse: »An die Deutsche See-
warte, Hamburg 9« einsenden zu wollen.“