578 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1905.
Während im übrigen nur noch Memel mit 118 mm ein Zuviel von etwa 145%,
an Niederschlägen aufweist, bleibt namentlich Keitum, das sonst im Monat
Oktober von allen Normalstationen die weitaus größte Regenmenge, nämlich
104 mm, zu haben pflegt, und trotz der Nähe von Wilhelmshaven um 19 mm
hinter dem Durchschnittswert zurück, Ähnliches zeigte sich auch an dem
zentralen Küstenstrich von Kiel bis Wustrow; auch hier fiel zu wenig Regen.
Zahlreich waren auch die Tage, an denen sehr ergiebige, in 24 Stunden
20 mm übersteigende Niederschläge fielen, Hierin ragen besonders Geeste-
münde mit 38.9 und Brake mit 42.7 mm hervor,
Die Gewitterverhältnisse im Monat Oktober wichen wenig von den
normalen ab. Gewitter hatte Borkum die größte Anzahl, nämlich drei; der
zentrale Teil des Küstengebietes blieb von Gewittern frei.
Nebel traten während des ganzen Monats mehrfach, besonders zahlreich
aber im letzten Drittel desselben, und zwar namentlich an der Nordseeküste,
auf, wo vom 23. bis 25, Oktober täglich Nebel herrschte,
Steife und stürmische Winde traten besonders um die Mitte des Monats
{vom 183. bis 17.), und zwar meist an der ganzen Küste, auf. Dabei wurden
mehrfach Windstärken bis zur Stärke 9 nach der Beaufort’schen Skala beob-
achtet. Sie wehten größtenteils aus dem Nordwestquadranten, Nur der öst-
liche Teil der Ostseeküste wies mehrfach Stürme aus südwestlicher Richtung
auf. Im übrigen blieb die Windgeschwindigkeit meist unter dem dem Monat
Oktober zukommenden, aus den langjährigen Beobachtungen abgeleiteten
Normalbetrage. Borkum allein übertraf den letzteren, aber auch nur um ein
geringes. Wilhelmshaven zeigte im Durchschnitt die kleinste Windgeschwindigkeit.
Bezüglich der Wetterlage ist zunächst hervorzuheben, daß, abgesehen
von verhältnismäßig kleinen und schnell vorübergehenden Änderungen, die
Luftdruckverteilung während der ersten beiden Drittel des Monats Oktober im
großen und ganzen die gleiche war. In rascher Folge zogen, vorwiegend in
Richtung von SW nach NO, Zyklonen vorüber, welche dem Küstengebiet die
vorherrschend nordwestlichen Winde und die verhältnismäßig tiefen Tempera-
turen brachten. Die stürmischen Winde um die Mitte des Monats sowie die
enormen Niederschlagsmengen wurden durch eine tiefe Depression verursacht,
welche am 13. Oktober mit ihrem Kern über dem nördlichen Skandinavien
lag und dort, ohne ihren Ort wesentlich zu verändern, mehrere Tage verharrte,
indem sie fast das gesamte Deutschland in den Kreis ihrer Wirkungssphäre
zog. Mit dem Beginn des letzten Drittels des Monats verlagerte sich das
Gebiet hohen Luftdrucks nach dem Nordwesten Europas und drang von hier
aus nach Deutschland vor, das am 26. Oktober völlig unter seinem Einfluß
stand. Das Wetter klarte, auch an der deutschen Küste, öfters auf. Bald
aber wurde es durch ein neues barometrisches Minimum, welches nördlich
von Irland erschien, nach Süden zurückgedrängt, so daß wiederum trübes,
regnerisches Wetter einsetzte. Letzteres verschwand jedoch schnell in nord-
östlicher Richtung, um gegen Ende des Monats einer neuen Depression Platz
zu machen, welche von Großbritannien her Östlich vorrückte und aus dem
über dem südlichen Europa liegenden Maximalgebiete bei mäßigen südlichen
Winden etwas wärmere Luft herbeiführte.
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