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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

370 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1905. 
achtungen abgeleitete Ort vom Schiffsort wesentlich verschieden sein kann, 
war im obigen Schlußsatz genügend hervorgehoben. Der hauptsächlichste 
Vorteil der direkten Methoden bleibt die Kontrolle der Rechnung. Nur die 
Längenmethode als Sehnenkonstruktion könnte mit den direkten Methoden in 
erfolgreiche Konkurrenz treten; d. h. natürlich nur so lange, als die der 
Rechnung zugrunde liegenden Daten von der Wahrheit nicht zu stark abweichen. 
Wie aus den Zeitschriften hervorgeht, tritt dieser Fall häufiger ein, was ich 
auch in der Praxis zu meinem Leidwesen erfahren habe. Die auf S. 374 
unter »Spezialfall« gegebenen Regeln behalten natürlich auf alle Fälle 
ihre Gültigkeit. Wie eine nur oberflächliche Betrachtung jedem zeigt, hat 
dieser Spezialfall mit dem Zweihöhenproblem ‘nichts mehr gemeinsam; man 
brauchte überhaupt die zweite Höhe nicht zu messen. Wie ich nachträglich 
erfahren habe, sollen die von mir vorgeschlagenen Ephemeriden schon vor 
etwa 100 Jahren in Deutschland berechnet worden sein. 
Die beiden letzten Zeilen auf S. 424 sind unrichtig. Ich bitte dafür 
zu lesen: Werte in die Suversus- bzw, Semiversusspalte ein, So findet man: 
suy 210° = sem (210? — 180°) = sem 30° = 6699 und sem 210° = 93265. 
Wedemeyer, Assistent der Deutschen Seewarte, 
4. Bemerkung zu: »Die Anwendung von Sterndistanzen in der 
nautischen Astronomie. Von A. Wedemeyer«. Im ersten Abschnitt des in 
der Überschrift genannten Aufsatzes (»Ann. d. Hydr. usw.« 1905, S, 368—376) 
empfiehlt der Verfasser zur Auflösung der Zweihöhenaufgabe eine direkte 
(»sphärische«) Methode gegenüber den heute üblichen indirekten (Standlinien-) 
Methoden, indem er sagt: 
»Die Standlinienmethoden versagen, wenn die Gestirne in demselben 
oder nahezu in demselben Vertikal beobachtet sind; die direkten Methoden 
sind von diesem Nachteil frei.« 
In der Tat, wäre dieser Satz richtig, dann wären die direkten Methoden 
den indirekten wesentlich überlegen. Ein Seemann, der auf der Schule gelernt 
hat, zwei Höhen nur dann zur Bestimmung des Schiffsortes zu verwenden, 
wenn der Azimutalunterschied nicht zu klein ist, würde sich mit Recht fragen, 
warum man ihn nicht mit den weitertragenden direkten Methoden bekannt 
gemacht hat; er würde auch, was schlimmer ist, vorkommendenfalles aus zwei 
Gestirnshöhen in demselben Vertikal seinen Schiffsort zu bestimmen versuchen: 
{findet er doch auf S. 374 des genannten Aufsatzes ausdrücklich die Formeln 
für diesen Spezialfall bereitgestellt! 
Um einer solchen ungerechtfertigten Überschätzung der Leistungs- 
fähigkeit der direkten Methoden entgegenzutreten (mit der dann leicht eine 
entsprechende Geringschätzung der Standlinienmethoden verbunden sein dürfte), 
halte ich es für nützlich, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß jene Be- 
hauptung nicht zutreffend ist. Auch die direkten Methoden versagen, 
wenn die Gestirne in demselben oder nahezu in demselben Vertikal 
beobachtet sind. Hiervon überzeugt man sich am leichtesten, wenn man 
die zu den beiden beobachteten Höhen gehörigen Höhenkreise auf der Erd- 
kugel betrachtet. Die bloße Anschauung lehrt dann, daß bei kleinem 
Azimutalunterschied geringe Höhenfehler eine beträchtliche Verlegung der 
Schnittpunkte beider Kreise zur Folge haben, und diese Tatsache besteht 
unabhängig davon, ob man bei der wirklichen Durchrechnung der Aufgabe 
die genannten Kurven benutzt, d.h. Standlinien rechnet, oder unbenutzt läßt, 
d. h. direkt rechnet. — Natürlich zeigt die bloße Rechnung ebenfalls die 
entscheidende Bedeutung des Azimutalunterschiedes für die Sicherheit der 
Ortsbestimmung aus zwei Höhen, G. D. E, Weyer (»Ann, d. Hydr. usw.« 
1883, S. 209—223) diskutiert ausführlich die im wesentlichen von Gauß zuerst 
angegebenen »Differentialformeln bei der strengen Auflösung der allgemeinen 
Aufgabe der Breiten- und Zeitbestimmung aus zwei Höhen« und fügt numerische 
Beispiele absichtlich ungünstig gewählter Fälle hinzu. In einem dieser Bei- 
spiele, bei welchem der Azimutalunterschied A’ — A = 0°47 56” ist, ergibt
	        
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