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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1905,
Für die Feststellung der Wertigkeitslinie der Hefnerkerze wurde in der
Kgl. Versuchsstation für Leuchtfeuer zu Stettin-Bredow die bürgerliche Leucht-
stärke möglichst vieler Lichtquellen gemessen und zugleich die Schaulinie für die
spektrale Leuchtkraft in der Weise ermittelt, daß die von dieser Schaulinie und der
Nulllinie eingeschlossene Fläche einen solchen Wert darstellt, daß man mit Hilfe
der erst festzustellenden Wertigkeitslinie die bürgerliche Leuchtstärke der
Lichtquelle berechnen kann. Durch das Spektralphotometer nach Dr. Arthur
König aus den optisch-mechanischen Werkstätten von Franz Schmidt &
Haensch in Berlin wurden bei diesen Messungen nicht mehr Verhältniszahlen
ermittelt, sondern die wirklichen, in den Apparat gelangenden Lichtmengen
verglichen. Für den vorliegenden Zweck konnten nur solche Lichtquellen
herangezogen werden, die in der Färbung sehr stark voneinander abwichen,
denn nur bei solchen Lichtquellen ist der Einfluß der Strahlen einer bestimmten
Wellenlänge auf den bürgerlichen Leuchtwert, d.h. auf die Wertigkeitslinie
so auffallend, daß man diese aus den Ergebnissen der Messungen der bürger-
lichen und spektralphotometrischen Leuchtkraft ermitteln kann.
Solche in der Färbung sehr verschiedenen Lichtquellen wurden durch
Vorsetzen farbiger Glasscheiben vor eine Azetylenlichtlampe hergestellt.
Die vorhandenen Photometer von Bunsen und Weber waren für diese
Versuche nicht ohne weiteres brauchbar, sondern mußten entsprechend
abgeändert werden, Das Bunsensche Photometer eignet sich wegen seiner ein-
fachen Ausführung hierzu besonders. Verschiedene Lichtquellen wurden ent-
sprechend den obenstehenden Ausführungen für bürgerliche Zwecke als gleich-
wertig angesehen, wenn sie die Gegenstände, abgesehen von der Färbung für
das Auge, in gleichem Maße sichtbar machten, z. B. wenn man dieselbe Schrift
gleich gut lesen konnte. Dementsprechend wurde beim Bunsenschen Photo-
meter an Stelle des mit einem Fettfleck versehenen Vergleichsblattes folgende
Vorrichtung benutzt. Vor einem Elsterschen Vergleichskörper (D. R. P. 42 960)
ist ein Linien von verschiedener Stärke enthaltendes photographisches Negativ
angebracht. Der Vergleichskörper ist aus zwei, durch ein undurchsichtiges,
spiegelndes Metallblatt getrennten, parallelepipedischen Stücken eines homogenen,
durchscheinenden Stoffes zusammengesetzt, durch welche die Mengen ein-
fallender Lichtstrahlen verglichen werden können. Bei gleich gefärbten Licht-
quellen erscheinen beide Hälften als ein Körper, wenn sie gleichviel Licht
erhalten. Bei verschiedenen Lichtarten ist dies jedoch nicht der Fall, viel-
mehr wird der Vergleich dabei so erzielt, daß man beide Hälften durch Ver-
schieben der einen Lichtquelle oder des Photometers derart beleuchtet, daß
man Linien von gleicher Stärke auf beiden Seiten gleich gut erkennen kann.
Diese Art der Messung hat sich als zweckentsprechend und brauchbar er-
wiesen. Die Lichtstärken werden aus dem Verhältnis ihrer Entfernung vom
Vergleichsfelde berechnet,
Die Ergebnisse der experimentellen Untersuchungen zeigen, daß die mit
dem abgeänderten Bunsenschen Photometer unmittelbar gemessenen Größen
nur wenig von den mit Hilfe der Wertigkeitslinie aus den spektralphoto-
metrischen Messungen berechneten bürgerlichen Lichtstärken abweichen, daß
also ein für solche Messungen bereits ziemlich hoher Genauigkeitsgrad erzielt
ist. Aus den gefundenen Tabellen kann man ohne weiteres ersehen, welcher
Teil der bürgerlichen Lichtstärke von den Strahlen einer bestimmten Wellen-
länge erzeugt wird, Den größten Leuchtwert haben die gelben Strahlen.
Übrigens sind die Empfindlichkeit des Auges und der Meßvorrichtungen
begrenzt, so daß Fehler bei schwachen Lichtquellen, in Prozenten ausgedrückt,
erheblich größer sein können als bei starken, obwohl die Messungen in beiden
Fällen gleich sorgfältig ausgeführt sind.
. Mit Hilfe der Wertigkeitslinie sind acht Lichtquellen untersucht. Für
die Messung der bürgerlichen Leuchtstärken konnten hier gleichzeitig die
beiden Photometer von Bunsen und Weber benutzt‘ werden, weil die Farbe
der Lichtquellen nicht so stark voneinander abweicht, wie bei den vorher zur
Ermittelung der Wertigkeitslinie ausgeführten Messungen. Größere Irrtümer
in den Messungen werden dadurch sicher vermieden.