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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1905. 
Die zum Gebiet der Vereinigten Staaten gehörige Küste des Golfs von 
Mexiko, der 9. Distrikt, ist im allgemeinen niedrig, sumpfig oder sandig und 
größtenteils von flachem Wasser mit regelmäßigen Tiefen eingefaßt. Die ge- 
fährlichsten als »Norder« bekannten Stürme treiben die Schiffe von Land ab, 
ausgenommen dort, wo ein Teil der Küste von Texas Nord— Süd läuft, Man 
ist deshalb in diesem Distrikt mit im ganzen 8 Rettungsstellen ausgekommen, 
von denen 7 auf die Küste von Texas, und 1 auf die Küste von West-Florida 
entfallen, 
Zum 10., 11. und 12. Distrikt gehören die 60 Rettungsstellen an den 
großen Binnenseen und 1 bei den Fällen des Ohio-Flusses, 
Die Westküste der Vereinigten Staaten ist weniger gefährlich. Besonders 
selten kommen Schiffbrüche vor zwischen der Südgrenze des Staatsgebiets und 
San Francisco, wo in der Regel nicht stürmisches Wetter herrscht. Nördlich 
von San Franeisco bis zur San Juan de Fuca-Straße ist die Küste sehr regel- 
mäßig, hoch und steil, Sie weist dort zwar wenige Häfen auf, ist aber trotz- 
dem schon deshalb nicht als besonders gefährlich anzusehen, weil meist regel- 
mäßige längs der Küste wehende Südwinde vorherrschen, Man ist deshalb an 
der ganzen Küste des Stillen Ozeans mit 16 Rettungsstellen ausgekommen, 
von denen eine bei Kap Nome auf der Halbinsel Alaska errichtet ist. Diese 
16 Stationen bilden den 13, Distrikt, 
Einrichtung und Ausrüstung der Rettungsstellen. Die Rettungsstellen, 
einfache, meist zweistöckige Gebäude, sind in der Regel zwischen den niedrigen 
Sandhügeln so weit vom Strande erbaut, daß sie von Sturmfluten nicht 
erreicht werden können. Sie sind an hohen Signalmasten und an ihren roten 
Dächern schon von weit her kenntlich. Die meisten Rettungsstellen, z. B, die 
an den Küsten von Long Island und New Jersey, sind einfach vergrößerte 
Bootsschuppen,- die neueren sind solider erbaut, einzelne in der Nähe von 
beliebten Seebädern sogar geschmackvoll. Die Gebäude enthalten Wohn- und 
Schlafräume für die Mannschaft, einen Raum für den Vormann — Keeper —, 
einen Bootsraum, einen Vorratsraum, Unterkunftsräume für Schiffbrüchige, 
einen Reserveraum und eine Küche. Breite Tore und eine schiefe Ebene 
Slip — gestatten ein bequemes Ausbringen der Boote, Die Gebäude sind 
so stark zusammengefügt, daß sie auch den schwersten Stürmen trotzen 
können. Diejenigen, welche notgedrungen an von der See unterwaschenen 
Stellen errichtet werden mußten, sind so eingerichtet, daß sie ohne große 
Schwierigkeit und ohne große Kosten versetzt werden können. 
Die Schutzhäuser an der Küste von Florida sind einfache Wohnhäuser, 
die Unterkunftsräume mit Betten für Schiffbrüchige und Lebensmittel für 
25 Personen auf zehn Tage enthalten. Die Häuser werden von einem Wächter 
bewohnt und sind auf 26 Sm Abstand voneinander angelegt. Von Meile zu 
Meile sind längs der Küste außerdem Wegweiser errichtet, die die Richtung und 
Entfernung vom nächsten Schutzhaus angeben. Mit Rettungsbooten und 
Rettungsapparaten sind die Schutzhäuser nicht ausgerüstet; ein kleines Boot 
aus galvanisiertem Eisen ist für den Gebrauch des Wächters bestimmt. 
Die zur Rettung von Schiffbrüchigen im Gebrauch befindlichen Rettungs- 
geräte sind im allgemeinen die gleichen oder ähnliche wie bei den europäischen 
Seeuferstaaten. - Zur Ausrüstung der Rettungsstellen gehören in der Regel 
zwei Rettungsboote (ein schweres Brandungsboot — Surf boat — und ein 
leichteres, sich selbst entleerendes und selbst wieder aufrichtendes Boot; auf 
einigen Rettungsstellen sind auch Gasolinboote in Gebrauch), ein Bootswagen, 
um das Boot schnell an den Strandungsort schaffen zu können, zwei Hosen- 
bojen, ein Leinengeschütz — Lyle gün — mit Transportwagen, ein Rettungs- 
wagen, zwanzig Korkwesten, zwei Handwurfapparate — heaving sticks —, 
ein Dutzend Coston-Lichter, ein Dutzend Signalraketen, ein Stell Flaggen des 
Internationalen Signalbuchs, eine Medizinkiste, meteorologische Instrumente, 
Patrouillenlampen und -Uhren und schließlich Handwerkszeug zum Ausbessern 
der Boote und Rettungsapparate. Auf einigen Rettungsstellen ist die Leinen- 
wurfkanone von Hunt, auf anderen der Cunningham-Raketenapparat in Gebrauch.
	        
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