Herrmann, E.: System der Einwirkung von Sonne und Mond usw. 141
allerdings eine ganz ungeheure Arbeits- und Zeitersparnis; doch erscheint es
mir fraglich, ob es die gleiche und erforderliche Genauigkeit der Endresultate
ergibt, wie Herr Strömberg nach der Angabe dieser Resultate bis zu 1/0000
eines C° der Temperatur angenommen zu haben scheint.
Herr Strömberg hat den Gang der Temperatur zunächst von Stock-
holm zum Gegenstand seiner Berechnungen gemacht und gibt in seinen Ab-
handlungen die Amplituden und Phasen einer großen Anzahl von Perioden bis
zur dreifachen, der langen Perioden bis zur doppelten Winkelgeschwindigkeit.
Er gibt dann die Vergleiche der aus diesen Größen sich ergebenden Werte mit
den beobachteten in Tabellen und zum Teil in Kurven auf Tafeln. Aus den be-
rechneten Phasen der langen Perioden der Temperatur zu Stockholm eine gleiche
Übereinstimmung mit den Längen der Mondknoten und des Perigäums nach-
zuweisen, wie dies oben (S. 135) für den Luftdruck geschehen ist, ist mir nicht
gelungen.
In einem Anhang unterwirft Herr Strömberg auch die Temperatur-
beobachtungen zu Upsala der Berechnung. Hierbei werden nun Perioden von
2 und 4 Jahren Längen, also mit Winkelgeschwindigkeiten von !/„ und !/, der
Winkelgeschwindigkeiten der Jahresperiode eingeführt. Schien es mir also nach
den Ausführungen über den Temperaturgang zu Stockholm, als ob mit Ausnahme
der Zahl der Grundperioden Herrn Strömbergs Auffassung eines allgemeinen
Systems der Sonne-Mondwirkung mit der meinigen übereinstimme, so ist dies
nach den Berechnungen von Upsala doch nicht der Fall, da Bruchteile von
Winkelgeschwindigkeiten der Grundperioden in dem von mir aufgestellten System
direkt ausgeschlossen sind (siehe oben 5. 138).
Bei allen Abweichungen aber kann ich es nur mit Freuden begrüßen, daß
ein in gewissen Grundzügen mit dem von mir eingeschlagenen übereinstimmender
Weg zur Auffindung von Gesetzmäßigkeiten des Verlaufs der atmosphärischen
Vorgänge auch von anderer Seite beschritten worden ist.
Studien in der Geophysik und der kosmischen Physik.
(Vorläufige Mitteilung.)
Von 0, Pettersson.
(Hierzu Tafel 4.)
Ich habe gefunden, daß die Lage der Mondbahn relativ zu der Erdbahn
in Beziehung steht zu drei Gruppen von Phänomenen‘!). Diese sind:
A. Die Bewegungen der Zwischenschichten im Meere und die
ozeanische Zirkulation überhaupt.
B. Die Sonnenaktivität,
C. Das Klima,
A, Die Bewegungen der Zwischenschichten im Meere und die ozeanische
Zirkulation überhaupt.
Das erste Anzeichen von seiche- oder wellenartigen Bewegungen in den
Zwischenschichten des Meeres wurde im Polarbassin 1896 von Nansen beobachtet.
Betreffend Nansens Hypothesen über die Ursachen derselben muß ich auf seine
Arbeit verweisen?). Nachdem ich im Jahre 1907. das Auftreten einer internen
halbtägliehen Tidenwelle3) von mehr als 3 m Amplitude in den Grenzschichten
1) Die Originalabhandlungen zu dieser Mitteilung werden jetzt gedruckt in schwedischer Sprache
in Svenska Vetenskapsakademiens Handlingar und in englischer Sprache in Svenska Hydrografisk
Biologiska Kommissionens Skrifter, Bd. V. (Bei Julius Springer, Berlin.)
2) The Norwegian N, Polar Expedition 1893—1896, IX, The oceanography of the N. Polar
Basin, Part. 3. N
3) Strömstudier vid Östersjöns portar in Svenska Hrdrogr. Biol. Kommissionens Skriften. Heft IIT.