de Wijn, W. A.: Ortsbestimmungen des Schiffes mittels d. Zwei-Nebenmeridianhöhen-Problems, 547
Über Ortsbestimmungen des Schiffes mittels des Zwei-Neben-
meridianhöhen-Problems.
Anläßlich der von Dr. O. Fulst in den »Ann., d. Hydr. etc.« 1905, S. 87,
erschienenen Besprechung‘ der »Hollandsche Zeevaartkundige tafelen« von
P. Bossen und D. Mars sei es mir als praktischem Nautiker. erlaubt, meine
Meinung über den Gebrauch dieser Tafeln in der Praxis an Bord zu äußern,
Vorauf stelle ich die Bemerkung, daß die in der holländischen nautischen
Zeitschrift »de Zee« erschienenen Publikationen, betreffend das Nebenmeridian-
breite-Problem, mich derartig begeistert hatten, daß ich den Entschluß faßte,
diese Methode der Ortsbestimmung des Schiffes zu prüfen, ausschließlich, um
beurteilen zu können, ob sie für die Praxis an Bord brauchbar sein würde,
Da die Untersuchungen des Herrn D, Mars einen rein mathematischen
Charakter hatten und sie sich in der Theorie sehr schön ansehen ließen,
stellte ich, bevor ich diese Methode in der Praxis anwendete, mir die Aufgabe,
zu untersuchen, wie genau die Resultate der Berechnung des Schiffsortes
mittels dieses Zwei-Nebenmeridianhöhen-Problems waren. Ich tat dies durch
Vergleichung zwischen den Resultaten der Berechnung und denen, erlangt
mittels Landpeilungen im Augenblick der letzten Beobachtung. Obgleich der
Azimutalunterschied hier niemals größer als 72° werden kann, waren die
Resultate immer so befriedigend, daß ich die Überzeugung erlangte, daß diese
Methode, deren Anwendung und Berechnung so ganz einfach ist, besonders
für den praktischen Gebrauch an Bord bestimmt ist, ;
Jedoch waren damals zur Erleichterung der Berechnung noch keine
Tafeln zusammengestellt, und es war nötig, selbst die erforderlichen Korrektionen
wegen der Erweiterung der Grenzen des Stundenwinkels zu bestimmen. Die
Berechnung dieser Korrektionen nahm damals viel Zeit in Anspruch, äber durch
die Herausgabe der Tafeln von Bossen und Mars wurde die Ausführung sehr
erleichtert und bequemer gemacht. Beim Gebrauch dieser Tafeln ist die Lösung
des Problems sehr schnell beendigt, und hat man am Ende nicht nur den
Breitenpunkt, sondern auch durch das Azimuf, des beobachteten Himmels-
körpers, entnommen von Tafel X, die Richtung der Standlinie bestimmt.
Bisher war es nicht möglich. gewesen, durch tabulierte Lösung des Problems,
auch nicht mittels der gebräuchlichen englischen Nebenmeridianbreite- Tafeln
die Richtung der Standlinie auf solche einfache Weise zu bestimmen,
Die Tafeln von Bossen und Mars besitzen jedoch einen anderen, noch
größeren und wichtigeren Vorzug, nämlich, daß die Überrechnung infolge
fehlerhafter Breite mit dem dadurch im Werte von C entstehenden Fehler
hier ganz unnötig geworden ist, weil mittels Tafel XI mit den. Argumenten
‚wahres Azimut und Differenz zwischen berechneter und gegißter Breite«
dieser Tafel eine Korrektion entnommen wird, deren Vorzeichen unten am
Fuß der Tafel zu finden ist. Dieser ganz wichtige Vorteil ist bisher in keiner
anderen Tafel vorhanden.
Meiner Meinung nach, die auf einem vergleichenden Gebrauch der be-
stehenden englischen und der jetzt erschienenen holländischen Tafeln basiert,
übertreffen diese letzteren für den praktischen Gebrauch an Bord alle auf
diesem Gebiete bisher veröffentlichten Tafeln nicht nur in. großer Genauigkeit,
sondern auch in größerer Erweiterung der Breite, der Deklination und des
Stundenwinkels, weshalb sie brauchbar -sind für alle Himmelskörper in allen
beschiffbaren Meeren.
Der Gebrauch dieser Tafeln an Bord lehrt uns, daß die Lösung damit
viel schneller geht als die Berechnung mittels Logarithmen. Von Dr. Fulst
wurde die Bemerkung gemacht, daß es ihm scheinen wolle, eine Berechnung
mittels der in Deutschland gebräuchlichen Formeln z.B. : ;
sin 1/, u = !/ sin vers t cos @ cos d coseo 4 Em m = p—d),
sei mindestens ebenso schnell möglich, da für große Werte des Stundenwinkels
sogar ein fünfmaliges Eingehen in die Tafeln nötig sel.
Ann. d. Hvdr. ete.. 1905. Heft YIT.