546 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1905.
den unmittelbaren Nachbarn eine halbe Wellenlänge des von ihnen erzeugten
Tones ist, so ist die von jeder Quelle geleistete Arbeit dieselbe, als ob die
anderen nicht vorhanden wären. Demnach ist die von allen Quellen zusammen
geleistete Arbeit das nfache der Arbeit der einzelnen Quelle, während die
Arbeit einer einzigen Quelle von der nfachen Größe jener Quellen das
n°fache an Arbeit gäbe. Wenn also der Schall nur in der horizontalen Ebene
gefordert wird, so bewirkt die Verteilung in n Teile eine Ersparnis im Ver-
hältnis von n:1. Es ist nicht nötig, daß alle möglichen Plätze zwischen den
äußeren Grenzen in Wirklichkeit besetzt sind. Es ist nur nötig, daß über-
haupt n gleiche Schallquellen da sind, und daß die Entfernung zwischen
irgend einem Paar von ihnen ein Vielfaches der halben Wellenlänge des
erzeugten Tones ist.
Wenn nun auch vom theoretischen Gesichtspunkt aus kein Zweifel
Jarüber ist, daß aus der Anwendung einer Anzahl getrennter Schallquellen
eine Ersparnis entstehen würde, so muß doch hervorgehoben werden, daß
diese Ersparung im Druck liegt. Da nun zur Zeit der größte Teil des bei
einer einzelnen Schallquelle aufgewendeten Druckes verschwendet erscheint,
d. h. nicht in der oben betrachteten Arbeit des erzeugten Schalles sich
wiederfindet, so werden wir in Zweifel gelassen, ob bei den bestehenden
Einrichtungen durch Zerteilung der Schallquelle in Wirklichkeit eine Er-
sparnis erreicht werden würde.
Durch Versuche mit der Vogelstimme und der tonempfindlichen Flamme
hat Lord Rayleigh auch die Interferenz der direkten Schwingung mit
ihrer sehr schiefen Reflexion dargestellt. Es ist hierbei nur nötig, ein
langes Brett horizontal unter die direkte Verbindungslinie zwischen der
Schallquelle und der empfindlichen Flamme zu halten um Reflexion zu er-
zeugen, Die Wirkung hängt von der genauen Höhe ab, in der das Brett
gehalten wird. Wie schon früher in dieser Zeitschrift!) erwähnt, hat Tyndall
durch diesen Versuch die sehr überraschende Erscheinung des stillen
Gebietes erklären wollen, welche Erscheinung sich darin äußert, daß auf See
beim Hören auf Nebelsignale nicht unhäufig das Signal in einer Entfernung
von ein oder zwei Seemeilen verloren und bei größerer Entfernung in derselben
Richtung wiedergefunden wird. Wenn auch die Meeresoberfläche in der von
Tyndall angenommenen Weise ohne Zweifel wirken muß, so bestehen doch zwei
Schwierigkeiten dafür, daß die einfache Erklärung als vollständig angenommen
werden könnte. Außer dem bereits früher in dieser Zeitschrift mitgeteilten
Grunde Lord Rayleighs, daß das stille Gebiet dann immer auftreten müßte,
was gewöhnlich nicht der Fall ist, weist er darauf hin, daß diese Interferenz-
streifen in einer bestimmten Höhe auftreten müßten und die Wirkung auf die
Nachbarschaft dieser besonderen Höhe beschränkt wäre, Entspräche diese
Höhe z. B. der Höhe der Brücke des bei den Versuchen zu St. Catherine 1901
verwendeten Schiffes »Irene«, so würde in einer zweimal so großen Höhe über
dem Wasser oder nahe an der Wasseroberfläche selbst, der Schall wieder
zehört werden müssen. Für die Wasseroberfläche bestehen infolge der störenden
Geräusche einige Schwierigkeiten, um zufriedenstellende Versuche zu machen.
Doch ist es Tatsache, daß weder ein Beobachter auf dem Mast noch einer
nahe der Wasseroberfläche, den auf der Brücke von »Irene« verlorenen Schall
jemals wieder gefunden hat,
Schließlich hat Lord Rayleigh auch den Apparat der Vogelstimme mit
der tonempfindlichen Flamme benutzt, um die Interferenz der Schall-
wellen nach dem Durchgang durch Luft- und Gasschichten von ver-
schiedenen akustischen Eigenschaften zu zeigen; ein Vorgang, der in den
Störungen der Nebelsignale infolge von Temperatur- und Feuchtigkeitgehalts-
Unterschieden der Luft oder auftretender Nebelschichten in der Praxis sich
geltend macht. E. Herrmann.
ss Ann. d. Hydr. usw.« 1902. 8. 410.