544 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1905.
Phasen des Schalles ab, in denen er ausgeht, sondern in denen er ankommt.
Wenn ein Teil des Schalles einen weiteren Weg zurückzulegen hat als der
andere, So tritt eine Verschiedenheit in den Phasen ein. Für einen Punkt
der Achse des horizontal gerichteten Schalltrichters sind die zurückgelegten
Entfernungen dieselben, so daß die volle Wirkung erzeugt wird; anders liegt
die Sache in gegen die Achse geneigten Richtungen. Wenn diese Neigung
eine solche ist, daß der nächste und der entfernteste Teil der Mündung um
etwas mehr als eine ganze Wellenlänge in ihrer Entfernung voneinander
unterschieden sind, kann der Schall durch den Gegensatz gleicher, aber ent-
gegengesetzter Wirkungen gänzlich verschwinden, In der Praxis wird das Ein-
treten einer vollständigen Stille durch Reflexionen und in vielen Fällen durch
den zusammengesetzten Charakter des Schalles, d. i. durch das gleichzeitige
Auftreten von mehr als einer Wellenlänge, verhindert.
Bei den Nebelsignalen mit Schalltrichtern von kreisförmigem Querschnitt
wird der Einfluß der schiefen Richtung zur Schalltrichterachse sehr bemerkt.
Wenn der Schall von einer genügenden Entfernung aus auf See beobachtet
wird, gibt eine Abweichung um 20° von der axialen Linie einen beträcht-
lichen Abfall, der sich bei Steigerung dieser Abweichung auf 40° oder 60°
weiter vergrößert. Bei Schalltrichtern von länglichem Querschnitt, dessen
kurzer horizontaler Durchmesser die halbe Wellenlänge nicht übersteigt,
bedingt eine schiefe Stellung zum Schalltrichter in der horizontalen Ebene
keinen großen Phasenunterschied; aber sobald man aus der durch die Achse
des Schalltrichters gehenden horizontalen Ebene heraustritt, treten solche
Unterschiede schnell ein,
Diese Erscheinungen sind durch Laboratoriumsversuche nachgewiesen.
Lord Rayleigh bediente sich bei denselben einer Vogelstimme, die einen Ton
von 3 cm Wellenlänge gab, und einer tonempfindlichen Flamme, die durch
den bei ihr eintreffenden Ton in Flackern gerät. Der an die Vogelstimme
angesetzte Schalltrichter hatte eine Länge von 20 cm, seine Mündung einen
großen Durchmesser von 5 cm und einen kleinen von 1*/, cm. Sobald die
Achse des Schalltrichters direkt auf die Flamme gerichtet war, trat Flackern
ein und eine Drehung um diese Achse hatte keinen sichtbaren Einfluß. Wenn
dann bei beständig vertikalem Stande des größten Durchmessers der Schall-
öffnung der Trichter in der horizontalen Ebene gedreht wurde, so zeigte sich
im Ansprechen der Flamme kein bedeutender Abfall, bis die Schiefe 50° oder
60° erreicht und auch nicht viel Verlust bis zu 80°, Wenn aber bei einer
schiefen Stellung der Flamme über 20° oder 30° gegen die Schalltrichterachse
der Schalltrichter um seine Achse um einen rechten Winkel gedreht wurde,
so daß der größte Durchmesser der Mündung horizontal stand, so erholte
sich die Flamme, als ob kein Ton mehr erzeugt würde, Es ist von großem
Interesse, zu beobachten, wie bei einer schiefen Lage der Flamme zur Achse
in der horizontalen Ebene um einen Winkel von 60° bis 70° eine geringe
Abweichung von der vertikalen Stellung des großen Durchmessers ein Auf-
hören der” Wirkung verursacht. So ist durch die Laboratoriumsversuche
reichlich bewiesen, daß der aus einem genau‘ adjustierten elliptischen Schall-
trichter hervorgehende Schall auf einen verhältnismäßig schmalen Gürtel über
der horizontalen Ebene beschränkt ist, und daß er in dieser Ebene einen
Bogen von 150° bis 160° wirksam deckt.
Um aber die Demonstration dem, was in der Praxis gefordert wird,
ein wenig näher zu bringen, hat Lord Rayleigh weiter Versuche ausgeführt
mit dem Ton einer Orgel-Zungenpfeife, der eine Wellenlänge von 20cm hatte
und also gut hörbar war. Der Schalltrichter war aus Holz und von pyramidaler
Gestalt mit einem Querschnitt der Öffnung von 91 > 10cm; die Höhe der
Pyramide war 183 cm. Der Apparat war so aufgestellt, daß seine Mündung
gerade aus einem offenen Fenster hervorragte und so eingerichtet, daß der
Schalltrichter um die Höhe der Pyramide als horizontale Achse gedreht
werden konnte, um die größte Seite der Öffnung horizontal oder vertikal zu
stellen. Die Beobachter nahmen verschiedene Stellungen auf einem freien
Platz in mäßiger Entfernung vom Fenster ein. Die Beobachter in der ver-