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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Herrmann, E.: Lord Rayleigh’s Untersuchungen üb. d. Schall in Hinsicht auf Schallsignale. 541 
bei dem hohen Druck erwartet werden muß, ist die bei dem Blasen des 
Signals aufgebrauchte Kraftmenge sehr beträchtlich. Der hohe Ton des 
Signals von St. Catherine nimmt 130 P.S. (engl.) in Anspruch, und der ent- 
sprechende Ton.des schottischen Signals, das im Jahre 1901 zu St. Catherine 
geprüft wurde, erfordert 600 P.S. (engl.). Es drängt sich von selbst die Frage 
auf, ob diese ungeheuren Kräfte wirklich für die Schallerzeugung ausgenutzt 
werden, oder ob aus einer vielleicht unvermeidlichen: Ursache ein großer Teil 
derselben verschwendet wird. 
Die Bedeutung dieser Angaben über die Pferdestärken wird besser hervor- 
treten, wenn zum Vergleich die Ergebnisse einiger rohen Messungen der von 
kleineren Instrumenten absorbierten Kraft aus dem Jahre 1901 herangezogen 
werden. Es wird dabei genügen, die Berechnungen so auszuführen, daß die 
Kompressionen und Verdünnungen als ohne Temperaturänderung stattfindend 
angesehen werden, Die Berechnung- ergab für ein kleines Horn ohne Klappen, 
von der Tonhöhe €’ und durch die Lippen angeblasen, die zum Anblasen ver- 
brauchte Arbeit von 0.00027 P.S. (engl.). Der durch diese sehr kleine Kraft 
erzeugte Ton ist in einem Raum von mäßigen Dimensionen unangenehm lauf. 
Eine Harmoniumstimme €’ erforderte 0.00015 P. S. (engl.). Ein kleines Hand- 
Nebelsignal, Modell von Holmer, bekannt als der »Kleine Quäker« (Little 
Squeaker), gebrauchte nach Berechnungen auf Grundlage ähnlicher Messungen 
9.03 P.S. (engl.). Für den sehr wirksamen Handapparat von Trinity House 
war die aufgewendete Kraft etwa 3.0 P.S. (engl.).- 
Diese Beispiele können alle unter die Zungenapparate gestellt werden. 
Die Harmoniumstimme war frei und aus diesem Grunde wahrscheinlich 
weniger wirksam, während die anderen Stimmen anschlugen. Dem mag noch 
der Fall einer Pfeife von hohem Ton hinzugefügt werden, bei der ein Luft- 
strom von 0.00024 P.S. (engl.) angewendet wurde, d. i. praktisch derselbe, als 
bei dem oben erwähnten kleinen Horn. Doch war das Horn sicher das 
kräftigere der beiden Instrumente in Betrachtung als eine Quelle hörbaren 
Schalles, ; 
Es wird lehrreich sein, den Fall einer großen Sirene, wie die 7 zöllige 
Scheibensirene .in den Versuchen zu St. Catherine im Jahre 1901,!) zu be- 
irachten. Der Windverbrauch betrug bei dieser 810 1 in der Sekunde. Dieser 
mittlere Luftstrom kann für rohe Berechnung zerlegt werden in einen gleich- 
mäßigen Strom desselben Betrages und in einen wechselnden Strom, dessen 
Extreme durch + 8101 in der Sekunde dargestellt werden. Die erste Frage, 
die entsteht, ist: welchem Druck entspricht dies, und ist dieser ein ver- 
nünftiger Bruchteil des tatsächlich aufgewendeten Druckes? 
Die Antwort auf diese Frage muß von den anderen Umständen des 
Falles abhängen, wie von der Art des Schalltrichters oder eines anderen röhren- 
[örmigen Resonators, der mit der Sirene verbunden ist. Wird zunächst an- 
genommen, daß nichts derartiges vorhanden ist, der wechselnde Strom also 
von der Oberfläche einer Kugel frei in die Luft ausgeht, so ergibt die Be- 
vechnung nach den in Lord Rayleigh’s »Theory of sound« aufgestellten 
Formeln in genügender Annäherung für den niedrigen Ton bei der an- 
genommenen Luftzuführung eine größte Verdichtung von nur *!/,20 einer 
Atmosphäre... Der Druck steht in. demselben Verhältnis, und man sieht, daß 
dieser nur einen unbedeutenden Bruchteil des wirklich aufgewendeten Druckes 
von 1760 g auf den qem ausmacht, Wir schließen daraus, daß kein mäßiger 
Druck auf diese Weise nutzbringend verwandt werden kann und daß ein 
Schalltrichter oder Resonanzrohr von Notwendigkeit ist. Dabei mag bemerkt 
werden, daß der Radius der Kugel, auf der die Luftdurchfuhr stattfindend 
angenommen wurde, in dem vorstehenden Falle zu 10.cm gesetzt worden ist. 
Die nächste Frage ist, welche Verbesserung in der Richtung, daß ein 
höherer Druck nutzbringend angewendet werden kann, durch die Anbringung 
von Schalltrichtern und Resonatoren erreicht werden würde, Gegen- 
wärtig ist es schwierig, darauf eine genügende Antwort zu geben. Die Theorie 
Ann dad. Hvdr usw. SS 406
	        
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