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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1905. 
Lord Rayleigh’s Untersuchungen über den Schall in Hinsicht auf 
Schallsignale. 
N In einem Vortrage von E. Price-Edwards über Schallsignale, der in 
Übersetzung von mir in dieser Zeitschrift!) veröffentlicht worden ist, wurde 
auf die Untersuchungen hingewiesen, die Lord Rayleigh zur Konstruktion 
elliptischer Schalltrichter geführt haben, Es war bei der Veröffentlichung dieses 
Vortrages die Absicht ausgesprochen worden, jene grundlegenden Arbeiten 
Lord Rayleigh’s ebenfalls den Lesern dieser Zeitschrift bekannt zu geben; doch 
hat sich die Ausführung dieser Absicht aus mancherlei Ursachen bis jetzt 
verzögert. 
Zur jetzigen Zeit, in der die Unterwasser-Schallsignale so günstige Auf- 
nahme gefunden haben, mag es manchem als wenig angebracht und von ge- 
ringem Interesse erscheinen, noch gewisse Vorgänge bei den ÜUberwasser- 
Schallsignalen in Hinsicht auf bessere Gestaltung ihrer Wirksamkeit zu 
erörtern. Indes kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß, selbst wenn 
die Unterwasser-Schallsignale alle in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen sollten, 
die Überwasser-Schallsignale einerseits in Rücksicht auf die kleine Schiffahrt, 
anderseits in Rücksicht auf Örtliche Verhältnisse nicht gänzlich durch jene 
verdrängt werden, Zudem gelten dieselben allgemeinen Gesetze für die Fort- 
pflanzung des Schalls durch die Luft und durch das Wasser, so daß, abgesehen 
von den Vorgängen, welche lediglich durch Ungleichmäßigkeiten in der Luft 
bedingt sind, die gleichen Erscheinungen der Art nach in beiden Medien auf- 
treten müssen. Der Unterschied der Erscheinungen wird nur in den Größen- 
verhältnissen sich zeigen, entsprechend der etwa 4'/,fachen Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit des Schalles im Wasser im Vergleich zu der in der Luft, 
So ist z. B. auch bei den Unterwasser-Schallsignalen das Auftreten von stillen 
Gebieten oder Schallschatten, in denen die abgegebenen Töne nicht gehört 
werden, und zwar wegen der größeren Wellenlänge von größerer Ausdehnung, 
als in der Luft, von vornherein zu erwarten, indem Interferenzen der direkten 
Schallwellen mit den an der Meeresoberfläche oder am festen Grunde reflektierten 
Schallwellen oder infolge der Phasenverschiebung beim Durchgang des Schalls 
durch verschiedenartige Wasserschichten, so besonders an den Flußmündungen, 
eintreten. Doch bedarf es noch einer weiteren Betrachtung, ob und unter 
welchen Verhältnissen diese Erscheinungen eine praktische Bedeutung gewinnen 
können, 
Neben der großen Bedeutung der Untersuchungen Lord Rayleigh’s an 
sich mögen alle diese Umstände es rechtfertigen, daß hier jetzt noch auf die- 
selben zurückgekommen wird, 
Die im folgenden wiedergegebenen Ergebnisse sind Lord Rayleigh’s 
Abhandlungen: »On the production and distribution of sound« (Philos, 
Magazine, Sept. 1903) und einem von ihm in Royal Institution of Great Britain 
am 17, Januar 1902 gehaltenen Vortrag »Interference of sound« entnommen. 
In seinem Werke »Theory of sound« leitet Lord Rayleigh die mechanische 
Arbeit, welche eine Schallquelle in dem erzeugten Schall nach außen leistet, 
in ihrer Abhängigkeit von Schallgeschwindigkeit, Wellenlänge und dem Winkel 
eines starren Kegels, in dessen Scheitel die Schallquelle sich befindet, ab. 
Es ergibt sich daraus, daß bei einem spitzen Kegel die Intensität größer ist 
nicht nur infolge der Verkleinerung des Winkels, in dem der Schall verteilt 
wird, sondern weil dadurch die von der Schallquelle ausgesandte Energie 
selbst vergrößert wird. 
Diese Theorie wirft Licht auf die Schallerzeugung in Nebelsignalen, 
bei denen Sirenen oder schwingende Zungen mit langen konischen Schall- 
trichtern verbunden sind. In der Praxis von Trinity House werden diese 
Apparate durch komprimierte Luft von einem Druck von 1760 g auf den qcm 
in Tätigkeit gesetzt. Dieser Druck erscheint sehr hoch, da nach Stone der 
höchste in Orchester-Blasinstrumenten gebrauchte Druck 102g beträgt, Wie 
"Ann. dd. Hvdr. usw. 1902. Seite 3535 nn. 041.
	        
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