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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Ann. d. Hydr. ete., XXXIHI. Jahrg. (1905), Heft XII. 
31 
3. 
Bemerkenswerte Stürme. 
Weitere Folge, 
Von Professor Dr. W. J. van Bebber, 
(Hierzu Tafel 21.) 
V. Der Sturm vom 5. bis 7. Oktober 1905. 
Der Sturm vom 5. bis 7. Oktober hatte zwar keine große Ausdehnung, 
indem er sich nur auf einen Teil der südlichen Nordsee beschränkte, und auch 
seine Dauer war verhältnismäßig unbedeutend, indessen ist er doch zu den 
bemerkenswerten Stürmen zu rechnen, weil in unmittelbarer Nähe des Zentrums 
die Winde ununterbrochen schwach blieben, während erst in größerer Ent- 
fernung . nach der Südwestseite hin, auf beschränktem Gebiete, . stürmische 
Nordwestwinde auftraten, welche einen orkanartigen Charakter annahmen und 
dabei viele und starke Verheerungen anrichteten. 
Unsere Wetterkarte vom 4. Oktober (siehe Tafel 21) weist eine tiefe 
Depression über Nordwesteuropa auf, deren Kern nordwestlich von Schottland 
liegt. In Nordirland herrscht Sturm aus SW, zu Skudenes SO-Sturm, während 
im deutschen Nordseegebiete starke SW-Winde wehen; die Winde der Ostsee 
stehen‘ unter dem Einflusse einer Depression, deren Kern bei Petersburg liegt, 
und welche im ganzen Ostseegebiete nur schwache Luftbewegung erzeugt. 
In Anbetracht der gefahrdrohenden Wetterlage wurde am 4. um 91/,h V. 
die Nordsee und westliche Ostsee gewarnt: 
»Tiefes Minimum ostwärts fortschreitend. Nordwesteuropa macht 
stürmische, zunächst südwestliche Winde . wahrscheinlich. Signal: 
Südweststurm. Seewarte.« 
Am Nachmittag ' wurde diese Warnung auch auf den östlichen Teil 
unserer Küste ausgedehnt und nachher (am 5. und 6.) das Signal »Südwest- 
sturm« in »Signalball« umgewandelt. 
Im Laufe des Tages schreitet das Minimum im Nordwesten mit großer 
Geschwindigkeit ostwärts fort und liegt am Morgen des folgenden Tages, am 
5, über dem Skagerrak, über den britischen Inseln und dem Nordseegebiete; 
starke nördliche und nordwestliche: Winde verursachend. An der nieder- 
ländischen Küste wehen steife Nordwestwinde, und an. der südnorwegischen 
Küste frischen die Winde stark auf und nehmen am Abend einen stürmischen 
Charakter an. . 
Am Morgen des 6. Oktober ist das Minimum ostwärts bis. nach Süd- 
schweden vorgerückt, während vom Ozean westlich von Irland ein Hochdruck- 
gebiet herannaht, welches sich nach und nach südostwärts ausbreitet. Um 
8b V, meldet Helder NNW 6, auf Borkum wehte voller Sturm aus NW, welcher 
noch am Vormittag eine orkanartige Gewalt annahm. 
Während auf Borkum am 6. morgens schwerer Sturm tobte, waren die 
Winde in der Nachbarschaft nur schwach, wie aus den Windmeldungen von 
8h V, hervorgeht: 
Wilhelmshaven WNW 2, Keitum N 3, Helgoland NNW 5, Cuxhaven W2, 
Hamburg NW 2, Kiel WNW 1, Wustrow SW 3. Im Laufe des Tages zwar 
breitete sich das unruhige Wetter in der Nordsee etwas weiter ostwärts aus, 
am Abend traten auf Helgoland und zu Cuxhaven stürmische Winde auf, aber 
im Ostseegebiete kamen starke Winde nicht zur Entwickelung. 
Am 8. Oktober trat allenthalben wieder ruhiges Wetter ein, wobei das 
Minimum ostwärts nach dem Innern Rußlands sich entfernte; zu bemerken 
ist noch, daß in der Höhe über 1000 m sowohl über Hamburg wie Berlin 
vom 5. an beständig stürmische Winde aus W und NW herrschten. 
Die Schwere dieses Sturmes veranschaulicht nachstehende, dem »Ham- 
burger Correspondenten« entnommene Notiz: 
Ann. d. Hydr. ete., 1905, Heft XIT.
	        
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