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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

320 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905, 
nicht vor 9% V, gezeigt werden. Sie werden niedergeholt auf Meldung von 
Abflauen des Windes oder bei Anbruch der Dunkelheit. Frischt der Wind 
später über Stärke 6 auf, als eine Stunde vor Sonnenuntergang, so unterbleiben 
die Windmeldungen, ebenso werden später als 2 Stunden vor Sonnenuntergang 
keine besonderen Meldungen mehr über Flauerwerden und Senken der Signale 
erlassen. Bei andauernd stürmischen Winden wird das Hissen des betreffenden 
Signales jeden Morgen von neuem veranlaßt, Die Windmeldungen enthalten 
außer der Angabe der Windstärke noch kurze Angaben über die Windrichtung, 
Wolkenform, Seegang und dergleichen. Diese Bekanntmachungen sind einzu- 
sehen bei dem Hafenamte der betreffenden Sturmwarnungsstation, in Kopen- 
hagen auf dem Meteorologischen Institute. 
Sollte sich die Einrichtung bewähren, so ist vorgesehen, die Flaggen- 
signale auch an anderen Küstenpunkten zu zeigen. v.d. B. 
4. Nord um Schottland oder durch den Englischen Kanal. Am 
17. März 1904 hatte der nach Chaneral bestimmte Bremer Viermaster 
»Christine« Shields verlassen und bei fallendem Barometer mit südöstlichen 
Winden den Weg Nord um Schottland gewählt, Bereits 33 Stunden nach 
Abfahrt von Shields wurde die Insel Fair passiert, und mittags am 19. März 
stand das Schiff auf 60° 8’N-Br. und 3° 29’ W-Lg. etwa 140 Sm westnord- 
westlich von der Insel Fair. Hier nahm der Wind, der inzwischen auf SW 
geholt hatte, zum schweren Sturme mit orkanartigen Böen zu und holte, 
nachdem der niedrigste Luftdruck von 744 mm vorübergegangen war, am 
folgenden Tage durch W nach NW; jedoch nur für kurze Zeit. Gleichwohl 
gelang es dem Schiffe, das kein guter Segler zu sein scheint oder doch nicht 
schnell genug wieder Segel setzen konnte, bis zum 26, März bei südlichen, 
über W nach N und wieder zurückdrehenden Winden bis nach 59” 11’ N-Br. 
und 19° 8’ W-Lg., also nach einer Position vorzudringen, von der aus es unter 
gewöhnlichen Umständen einem großen Segler nicht besonders schwer werden 
sollte, frei von der irischen Küste nach Süden zu segeln. In der Tat scheint 
man an Bord der Meinung gewesen zu sein, daß man West genug habe; denn 
die sich in den nächsten Tagen bietende Gelegenheit, bei südlichem Winde 
noch weiter nach Westen vorzudringen, wobei man allerdings etwas Breite 
hätte zugeben müssen, ging unausgenutzt vorüber. Als aber am 29. März der 
Wind nordwestlich holte, steuerte man nach Südosten, weil der Wind orkan- 
artige Stärke erreichte, Man gelangte am 31. März nach 54° 52’ N-Br. in 
13° 11’ W-Lg. etwa 100 Sm westlich von Achill Head an der irischen Küste. 
Hier begann nun eine Reihe schwerer westlicher Stürme, bei denen das Schiff 
allmählich bis nach 7° 30’ W-Lg. zurückgedrängt wurde, so daß man die Feuer 
von Tory Island und Inishtrahull an der Nordküste von Irland in Sicht 
bekam. Erst am 12. April gelang es dem Schiffe bei einem Krimper, mit 
dem der Wind bis SO zurückdrehte, wieder West gut zu machen, und am 
14. April konnte es bei nordwestlichem Winde nach Süden segeln. Das Schiff 
hatte zwischen der Tyne und 50° N-Br. (allerdings in 15° W-Leg.) 32 Tage 
zugebracht. 
Gleichzeitige Reisen durch den Englischen Kanal ergaben ein beträchtlich 
besseres Resultat. So war z. B. das Vollschiff »Colombus« auf einer Reise 
nach New Orleans am 15. März von der Weser ausgegangen und hatte, gegen 
südwestliche Winde aufarbeitend, Beachy Head am 22, März erreicht, wo Ost- 
wind einsetzte, der das Schiff am 24. März nach Lizard und am 26, bis etwa 
nach 48,3° N-Br. in 11.0° W-Lg. brachte. In der Nordsee und im Kanal hielten 
die nördlichen Winde sogar bis zum 28. März an. Schiffe, die nach dieser 
Zeit noch in der Nordsee waren, haben allerdings bei dem stürmischen Wetter, 
das »Christine« vor der westlichen Einfahrt in den Nordkanal vor der irischen 
und schottischen Küste durchzumachen hatte, auch auf dem Wege durch den 
Kanal sehr schwere Reise gehabt; so brauchte die Elsflether Bark »Irene« 
die Zeit vom 26, März bis 17. April, also 22 Tage, um von der Elbe bis nach 
der Varne, wo Ostwind einsetzte, zu gelangen. 
Versucht man aus dem vorstehenden Vergleich eine Lehre zu ziehen, so 
wird man sagen dürfen: Im März, der bei den Seeleuten nicht unberechtigter-
	        
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