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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905. 
3. Neuere Sturm- und Windsignale für die Ostsee und die dänischen 
Gewässer. 
Neue Windsignale an der deutschen Ostseeküste. 
Das Sturmwarnungswesen an der deutschen Ostseeküste hat seit Mai d. J. 
versuchsweise eine Ergänzung und Erweiterung erfahren, die besonders für die 
Küstenschiffahrt und Seefischerei von Vorteil sein dürfte. Die Sturmwarnungs- 
stellen: Rügenwaldermünde, Kolberg und Leba, die von Arkona und Brüsterort 
bereits dreimal täglich telegraphische Windmeldungen erhielten, sind jetzt an- 
gewiesen, besondere Flaggensignale zu hissen, sobald der Wind an einer der 
beiden Windmeldestellen die Stärke 6 oder mehr nach Beaufort erreicht hat, 
und solange durch ein Sturmwarnungstelegramm der Deutschen Seewarte noch 
kein besonderes Signal angeordnet ist. Als Signale werden verwendet: 
1 rote Flagge, sobald von Arkona Windstärke 6 oder darüber ge- 
meldet wird. 
2 rote Flaggen, sobald von Brüsterort Windstärke 6 oder mehr an- 
gemeldet wird. 
Li roter Wimpel, sobald von beiden Windmeldestellen diese Meldung 
einläuft, 
Die betreffenden Signalisten sind angewiesen am Tage, sofort selbständig 
nach Eingang der betreffenden Windmeldung das Signal im Topp des Signal- 
mastes zu hissen und niederzuholen sobald von der Windmeldestelle eine 
geringere Windstärke als 6 gemeldet wird, oder durch ein Sturmwarnungs- 
telegramm der Deutschen Seewarte ein anderes Signal angeordnet wird. 
Schwedische Sturmwarnungssignale. 
Seit dem 15. September d, J. werden auch in Schweden Sturmwarnungs- 
signale gezeigt, bei denen Ball und Kegel als Signalkörper zur Anwendung 
kommen. Die Königliche Direktion für Landbau und die Königlich Meteoro- 
logische Zentralanstalt sind nach eingehender Prüfung der zur Zeit in 
Europa üblichen Sturmwarnungssysteme, in Verbindung mit der Direktion 
der schwedischen Fischereien zu der Ansicht gelangt, daß eine genauere 
Angabe der Windrichtung, wie z. B. die des deutschen Sturmwarnungs- 
wesens, für die schwedischen Küsten nicht ausführbar sei. Bei der eigen- 
tümlichen Lage der Halbinsel zu der gewöhnlichen Zugstraße der Luft- 
druckminima würde ein geringer Fehler in der Beurteilung der Bahn des 
Minimums eine wesentliche Abweichung bei der Schätzung der zu er- 
wartenden Windrichtung herbeiführen. Da ferner die Sturmwarnungen 
größtenteils der Fischerei zum Nutzen gereichen würden, hat man es vor- 
gezogen dagegen die Windstärken etwas mehr zu unterscheiden, so daß dabei 
die Begriffe »starker Wind« (Stärke 7—9 nach Beaufort) und »Sturm« 
(Stärke 10—12 nach Beaufort) getrennt und durch besondere Signale zum 
Ausdruck gebracht werden. Leitend war der Gedanke, daß bei »starkem 
Winde« die Fischerei bei genügenden Vorsichtsmaßregeln noch wohl möglich 
sei, und erst bei »Sturm« lebensgefährlich oder gänzlich unmöglich würde. 
So hat man 2 verschiedene Gruppen von Signalen geschaffen, deren Unter- 
schied in der Anzahl, bzw, Stellung der gehißten Signalkörper besteht. 
Es bedeuten: 
Signal 1, Kegel mit der Spitze nach oben = starker Wind aus einer Richtung 
zwischen NW und SO, über N und ©. 
Signal 2, Kegel mit der Spitze nach unten = starker Wind aus einer Richtung 
zwischen SO und NW, über S und W. 
Signal 3, 1 Ball = starker Wind, ohne Angabe der Richtung. 
Bei zu erwartendem Sturm (Stärke 10—12) werden 2 Signalkörper ver- 
wendet und bedeuten: 
Signal 4, Ball unter Signal 1 = Sturm aus einer Richtung zwischen NW 
und SO, über N und ©. 
Signal 5, Ball über Signal 2 == Sturm aus einer Richtung zwischen SO 
und NW, über S und W. 
Signal 6, 2 Bälle untereinander — Sturm ohne Richtungsangabe., 
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