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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

514 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905. 
»Es erscheint unnötig, hier an die ungeheuren materiellen Vorteile, die 
aus den Nachrichten der Zentralanstalten in den Seehäfen oder den Semaphor- 
stationen hervorgehen, und an die zahlreichen Menschenleben zu erinnern, die 
von den meteorologischen Dienststellen dadurch vor Gefahr bewahrt geblieben 
sind. Ich will allein die Aufmerksamkeit des Kongresses auf einen Vorschlag 
lenken, dessen Ziel sein würde, dieser schon so wertvollen Einrichtung noch größere 
Wirksamkeit zu geben und den Seeleuten einen größeren Nutzen zu bringen, 
Es ist keineswegs die Frage, die Nachrichten, welche jede Zentralanstalt 
nach der ihr am besten passenden Methode zusammenstellt und herausgibt, 
abzuändern, noch Umarbeitungen in dem Dienst und den Kundgebungen ein- 
zuführen. Ich nehme die Benachrichtigungen so, wie sie sind, und suche 
danach, ob man dadurch den Schiffsführern nicht größere Wohltaten ver- 
schaffen könne. 
Die Schiffe können sehr oft nicht Leute an das Land schicken, um 
sich über die Einzelheiten der in den Häfen eingelaufenen Telegramme zu 
unterrichten. Das ist augenfällig, wenn man auf der Reise bei einem Semaphor 
vorbeifährt; aber noch mehr, vor Anker ein wenig entfernt vom Lande ist 
es zur Zeit des Absegelns oft nicht ausführbar, auf Erkundigungen auszu- 
gehen. Man kann selbst soweit gehen, daß in der Mehrzahl der Fälle, in 
denen die Nachrichten ihnen am notwendigsten sind, die Schiffsführer durch- 
weg nicht von den in den Häfen bekannten Erläuterungen, sondern nur von 
dem Signal des Semaphors in ihren Handlungen abhängig sind. 
Die in Gebrauch befindlichen Systeme haben den Vorzug der Einfachheit, 
Ihr allgemeiner Nachteil ist, daß sie nur sehr unbestimmte Auskunft geben, 
Ehemals stand die Methode im Verhältnis zu der kleinen Zahl und verhältnis- 
mäßigen Unvollkommenheit der Nachrichtenquellen; wird es in der Zukunft 
auf Grund der vollzogenen Fortschritte nicht angängig sein, sich mit der 
Wahl eines genaueren Apparates zu beschäftigen? 
Zunächst ist es unbestreitbar, daß bei dem Publikum, für das die 
Signale bestimmt sind, das Verständnis für die Stürme nicht mehr dasselbe 
ist, wie vor 50 Jahren. Jede Einzelheit ist studiert worden und Handbücher 
in allen Sprachen sind in allen Händen. Es genügt, mit den Seeleuten 
während der letzten 20 Jahre verkehrt zu haben, um sich von der Ausbreitung 
der Einsicht Rechenschaft zu geben. Die Theorie ist in ihren wesentlichen 
Teilen bekannt; man verfolgt nach ihren Anleitungen den Gang des Baro- 
meters und die Änderungen des Windes; mehrere Schiffe besitzen Registrier- 
apparate; es ist daher nicht mehr zu fürchten, daß man bei Einführung einer 
Vervollkommnung nicht verstanden wird, bei der man übrigens jede Kom- 
plizierung vermeiden sollte. 
Die Entwicklung der meteorologischen Dienststellen braucht dieser 
Versammlung, von der der größte Teil Schöpfer der Organisationen sind, 
nicht dargelegt zu werden. Erinnern wir uns ohne weitere Erörterung nur 
an die Errichtung des wichtigen Zentrums der Azoren durch S. M, den König 
von Portugal, dann an die außerordentliche Hilfe, die wir durch die draht- 
lose Telegraphie erhalten, welche im Zuge ist, alle großen Dampfer in ebenso 
viele bewegliche Stationen umzuwandeln, denen wir zu verdanken haben werden, 
daß die Verhältnisse des Atlantischen Ozeans beständig bekannt sein werden. 
Nun ist für den Seemann bei der allgemein angenommenen Methode 
das Resultat, welches alle seine Kenntnisse und an Land erhaltenen 
Informationen zusammenfaßt, folgendes: er weiß sich von einer gewissen 
Gefahr bedroht, die in einer gewissen Entfernung von der Küste, an der er 
sich befindet, liegt; aber wo genau diese Gefahr ist, in welcher Zeit sie ihn 
treffen wird und ob er seine Geschwindigkeit vergrößern oder ob er umkehren 
muß, um der Gefahr zu entrinnen, darüber Schlüsse zu fassen, ist ihm im 
allgemeinen schwer.!) Ich mache hier keine bloße Hypothese; ich würde 
1) »Denken wir uns den Fall: Ein Schiff von 15 Kn. Fahrt segelt von einem Hafen des 
Mittelmeeres nach dem Kanal. Ein Wirbelsturm auf dem Atlantischen Ozean ist zu dieser Zeit in 
etwa 500 Sm NW von den Azoren angekündigt in der Gegend des 45. Breitengrades und nach NO 
oder NNO fortschreitend. Naturgemäß bekommen die portugiesischen Küsten von diesem Sturm nichts
	        
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