Lütgens, R.: Oberflächentemperaturen im südl. Indischen Ozean 1901 bis 1903. 513
Bis zum Jahre 1902 halten diese günstigen Verhältnisse an. Dann aber tritt
eine neue Kälteperiode ein, als deren Folge 1903 die Eisberge erscheinen.
Von langer Dauer war diese Kälteperiode nicht; denn 1903/04 gelingt es im
Sommer einem argentinischen Kanonenboot, mühelos Nordenskjöld mit der
schwedischen Expedition zu erreichen, und ebenso kann die englische Expedition
freikommen. Kapt. Colbeck gibt auch an, daß die Eisverhältnisse im Sommer
1904 im Forschungsbereich der englischen Expedition günstiger als ein Jahr
früher waren.!) Die Charcotsche Expedition scheint — soweit Nachrichten
vorliegen — gleichfalls 1904 günstige Verhältnisse getroffen zu haben, und
der »Scotia« war es zum ersten Male seit den Zeiten von Weddell und Ross
wieder möglich, im Weddelmeere höhere Breiten zu erreichen.
Da nicht in jedem Jahr in der Antarktis selbst durch Ex-
peditionen Beobachtungen über etwaige Schwankungen und damit
in kausalem Zusammenhang stehende Vorstöße der Eismassen an-
gestellt werden können, würde es sich darum handeln, die meteoro-
logischen und hydrographischen Elemente in den befahrenen süd-
lichen Breiten der Ozeane aus Schiffsbeobachtungen in jedem Jahr
festzustellen, um so auch Schlüsse auf die korrespondierenden Ver-
hältnisse der Antarktis zu ziehen.
Faßt man die Resultate der vorliegenden Arbeit kurz zusammen, So
ergeben sich folgende Schlußfolgerungen:
1. In dem westlichen und mittleren Teile des südlichen Indischen Ozeans
ist im Gegensatz zum östlichen Teile die Oberflächentemperatur des Meer-
wassers größeren Schwankungen unterworfen,
2. Im Jahre 1901 waren die Abweichungen vom Mittel gering. Ebenso
in der ersten Hälfte 1902. Dann aber finden wir sich stetig verstärkende
negative Abweichungen vom südlichen Winter 1902 bis zum Sommer 1903.
Gegen Schluß des Jahres 1903 werden die Temperaturen wieder normal,
3. Die niedrigeren Oberflächentemperaturen können durch das Herbei-
führen kälterer Wassermassen durch die Westwinddrift verursacht sein und
scheinen. in kausalem Zusammenhang mit anormalen Temperaturverhältnissen
der Antarktis zu stehen.
4. Die Annahme, daß in der Antarktis zur Zeit der‘ internationalen
Südpolarforschung im Jahre 1902/03 anormale Verhältnisse geherrscht haben,
wird durch die Feststellung großer negativer Abweichungen in den befahrenen
Breiten bekräftigt.
Ein Vorschlag erweiterter Wettersignale für die Seefahrer,
insbesondere auch für den Nordatlantischen Ozean.
Wie bekannt, beschränkt sich das Sturm- und Wettersignalsystem des
Observatoriums zu Zikawei für die chinesischen Gewässer (vgl. »Ann. d.
Hydr. ete.« 1905, S. 407 und 19038, S. 379) nicht nur auf die Ankündigung
egines zu erwartenden Sturmes unter Angabe seiner Windrichtung für das
voraussichtlich betroffene Gebiet, sondern kennzeichnet bei drohender oder
bestehender Gefahr, in gewisser Weise die Wetterlage und die durch das Fort-
schreiten des Luftdruckminimums erwartete Anderung derselben. Der Direktor
dieses Observatoriums, Herr Louis Froe S. J,, hat dem diesjährigen Meteoro-
logen-Kongreß zu Innsbruck den Vorschlag vorgelegt, auch für andere Meere
ein Signalsystem zu schaffen, das bestimmt ist, den vorüberfahrenden Schiffen
Nachricht über die allgemeine Wetterlage und die zu erwartenden Ver-
änderungen zu geben. Der Gedanke dürfte in den hierbei interessierten
Kreisen weitgehendstes Interesse erregen und geben wir daher die Vorlage
des Herrn Froc in ihrem ganzen Umfang, nach dem französischen Text über-
setzt, unseren Lesern zur Kenntnis: .
X The Geoeraphical Journal«, April 1905. S. 404.