512 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905.
nationalen Forschungstätigkeit zu kalt. Dasselbe Ergebnis zeitigt aber auch
die vorliegende Arbeit. Das korrespondierende Auftreten starker
negativer Abweichungen in dem großen Gebiete des südwestlichen
Indischen Ozeans macht es gleichfalls wahrscheinlich, daß die von
den Schweden für die Westantarktis festgestellte Abweichung sich
über das Gesamtgebiet der Antarktis erstreckte.
2. Die Eisvorstöße. Auch der Zusammenhang zwischen dem Auftreten
von Eisbergen in den befahrenen Breiten und den früher sich bemerkbar
machenden Abweichungen der Oberflächentemperatur erscheint nunmehr
festgestellt.
In der Zeit vom südlichen Herbst 1899 bis 1902 ist in den befahrenen
Breiten der drei Ozeane von Handelsschiffen überhaupt kein Eis gesehen,
Erst im August 1902 erscheint es bei Kap Horn. Vom Indischen Ozean ist
sogar vom Januar 1899 bis Februar 1903 kein Eis gemeldet worden. Dann
aber wird vom deutschen Dampfer »Kiel«, Kapt. Bruhn, das erste Eis gesichtet.!)
Tabelle VL.
Meldung
3,
13. X.
19, X.
{1.
21. XL
2. XI
A. D. »Kiel«
Brit. D. »Ruapehu«
Indrauwadi-
Ital. S. »Feliee«
| ‘ Australia«
45° 47
45°
46°
405
) ie
50-0
05°
102°
LO“
105°
Eisberg. 1° östlicher abermals Kisberg.
5 Eisberge, der höchste etwa 40 m hoch.
Einen großen Kisberg von etwa 250 m
Länge und 60 m Höhe bei schönem
Wetter in 1 Sm Abstand passiert.
2 Eisberge von 60 bis 120 m Höhe.
2 Eisberge, der eine 55 m hoch.
Nach dem kalten Jahre 1902/03 nahm vermutlich das Eis stark zu und
konnte so auch niederere Breiten erreichen, als in den normalen Jahren. Wie
anormal in der Antarktis das Jahr 1902/03 gewesen ist, dafür bietet vielleicht
das von den italienischen Schiffen »Felice« und »Australia« in 40° bzw.
41° S-Br. gesichtete Eis einen Maßstab. Nach Fricker gibt für die Länge 105°
der 45, Breitengrad die Nordgrenze für das Vorkommen von Eis an.?) Es
wurde also noch volle 5 Breitengrade nördlicher Eis gesichtet. Daß das Eis erst
etwa ein halbes Jahr später erscheint, würde der Ansicht von Meinardus*) über das
Ursprungsgebiet entsprechen. Meinardus vermutet, daß das Eis von dem ver-
schiedentlich gesichteten und jetzt auch betretenen Kontinent im Süden des
Indischen Ozeans stammt. Die östlichen Winde befördern es zunächst west-
wärts, und dann führt es die Westwindtrift in die befahrenen Breiten.
3. Klimaschwankungen der Antarktis. Interessant ist auch das Be-
leuchten der Frage, ob die klimatischen Schwankungen der Antarktis perio-
discher Natur sind. Für die letzten Dezennien können wir in großen Zügen
Schwankungen feststellen. Nach einer längeren wärmeren Periode, in die
wohl auch die deutsche Expedition nach Südgeorgien 1882 bis 1883 fällt, trat
etwa 1892 eine Zeit starker Kältezunahme ein, Den Beweis liefert die große
Verbreitung der Eisberge in den Jahren 1892 bis 1896. Weit nach Norden
treibend, behinderte das Eis die Schiffahrt stark, und ihm sind vielleicht viele
nicht aufgeklärte Schiffsverluste zuzuschreiben, da die Breiten, die, um Ost zu
gewinnen, nach den Segelanweisungen abgefahren werden sollten, in diesen
Jahren ständig vom Eise bedroht waren.*) Dann müssen in den antarktischen
Regionen wieder normale Verhältnisse eingetreten sein. Die Sendboten der
Antarktis verschwinden in den folgenden Jahren, und 1898 kann die »Valdivia«,
ein für die Eisfahrt nicht eingerichtetes Schiff, bis 64° 15’ S-Br. vordringen,
„Ann. d. Hydr. ete.« 1904, 8. 221 ff,
Fricker, Verbreitung des antarkt. Treibeises, Karte,
Zeitschrift der Ges. für Erdkunde, Berlin 1902, 8. 71—772.
4) „Ann, d. Hydr. ete.« 1902, £. 77; siehe auch Pettersson in »The Geographical Journal
vol. IL 1904. S. 330.