510 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905.
drängt. Ebenso tritt, südlich von der Wärmeinsel eine Verstärkung der
negativen Differenzen ein.
Das letzte Isametralenkärtchen, das vom Mai 1903, zeigt den Eintritt
normalerer Verhältnisse. Nirgends erreichen die Abweichungen — 2°, obwohl
der ganze Südwesten und die Crozet-Kerguelenregion noch immer Differenzen
von über 1° haben.
Die vier Isametralenkarten (Tafel 19) zeigen uns nun nicht nur den Betrag
und die Verteilung der Abweichungen, sondern sind im Zusammenhang be-
trachtet, auch der Beweis dafür, daß die ganzen Abweichungen, die wir für den
westlichen und mittleren Teil des südlichen Indischen Ozeans, diesem Gebiet
höchst wechselvoller Erscheinungen, fanden, nicht auf zufälligen Differenzen oder
Beobachtungsfehlern beruhen. Deutlich erkennen wir, wie das im August im
westlichen Teil auftretende Gebiet starker Abweichung sich bedeutend ver-
stärkend und den Wind- und Strömungsverhältnissen folgend, nach Osten
und Südosten weiterwandert. Nehmen wir den 37. Grad O-Lg. im November
als Lage der Mitte des Differenzenmaximums, und desgleichen im Februar den
51. Längengrad, so haben wir in einem Vierteljahr ein ostwärts gerichtetes
Verschieben der kalten Massen der oberen Wasserschichten um an-
genähert 14 Längengrade = rund 550 Seemeilen, Dies gäbe im Etmal eine
Geschwindigkeit von ungefähr 6 Seemeilen, eine Zahl, die vollkommen
möglich erscheint.
Einen kurzen, jedoch nicht sehr heftigen Kälterückschlag bringt noch
einmal der Winter 1903. Dann aber, im November, erkennen wir eine durch-
greifende Änderung der Verhältnisse, Die Temperaturverteilung ist normal
oder. zeigt sogar positive Abweichungen und gewährt damit den Ausblick auf
eine Zeit, in der auch im südlichen Indischen Ozean die Oberflächen-
temmperaturen wieder normale Werte annehmen.
IV. Bezichungen zur Antarktis.
1. Beweis gleichzeitiger Temperaturabweichungen. Durch die neueren
Forschungen von Pettersson und Meinardus ist für den Nordatlantischen
Ozean und das Europäische Nordmeer der Einfluß von Schwankungen der
Meerestemperatur auf das Klima angrenzender Gebiete festgestellt. Daß ähn-
liche Beziehungen zwischen unserem Gebiete und der Antarktis bestehen, ist
zu vermuten. Es muß eine Wechselwirkung derart stattfinden, daß ein großer
in mittleren Breiten im Meere aufgespeicherter Wärmevorrat das Klima der
antarktischen Küsten beeinflußt und anderseits eine abnorme Kälte der Antarktis,
die sich durch das folgende Vorschieben der Eismassen als Eisberge oder Treibeis
in niedere Breiten bemerkbar macht, die Oberflächentemperaturen dieser Breiten
erniedrigt. Ob diese Wirkung sich noch weiter nach Norden erstreckt und
die Klimaschwankungen der Antarktis in kausalem Zusammenhange mit den
durch das Ausbleiben der Monsunregen in Indien bewirkten Dürren stehen,
wie neuerdings Pettersson*) und indische Forscher vermuten, muß vorläufig
wohl dahingestellt bleiben.
Die Ergebnisse der letzten Südpolar-Expeditionen sind bisher nur aus-
zugsweise in Form vorläufiger Mitteilungen oder populärer Werke erschienen,
und es kann deshalb nur kurz auf mögliche Wechselbeziehungen der beiden
Gebiete. hingewiesen werden, Selbstverständlich ist, daß hier der Forschungs-
bereich der deutschen Expedition. weil am nächsten gelegen, am meisten in
Betracht kommt.
Im Jahre 1902/03 ergaben sich auf der deutschen, schwedischen und
englischen Expedition die nachstehenden Temperaturen:
)
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The Geographical Journal, vol. II, September 1904, S. 331.
Petermanns Mitt. 1904. 8. 57.