Lütgens, R.: Oberflächentemperaturen im südl. Indischen. Ozean 1901 bis 1903. 509
b) Die Kälteperiode Winter 1902 bis Sommer 1903. Nachdem das
Jahr 1902 mit einem etwas zu kalten Sommer begonnen, tritt im Herbst die
schon oben erwähnte auffällige Erscheinung ein, daß der Mai 1902 durchaus
normal ist. Die Wassertemperatur ist ein stabiles Element, d. h. es besitzt eine
Erhaltungstendenz gleichsinniger. Temperaturabweichungen, Abweichungen
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nach der einen oder anderen Seite treten selten plötzlich auf, sondern ent-
wickeln sich allmählich und dauern dann längere Zeit an. Das Jahr 1901
und der Februar 1902 sind etwas zu kalt, die zweite Hälfte 1902 und die
erste 1903 bedeutend zu kalt, Man dürfte also erwarten, daß die Oberflächen-
temperatur im Mai 1902 niedriger als 1901 und höher als in den folgenden
Terminen 1902 ist. Aber das tritt nicht ein, der Mai widerspricht durch die
normale Temperaturverteilung dieser Annahme.
Mit dem August 1902 beginnt nun für den südlichen Indischen
Ozean — immer abgesehen von seinem östlichen Teile —, eine längere.
Periode großer negativer Abweichungen. Die Isametralenkärtchen!)
(Tafel 19) für diesen und die folgenden Termine geben am besten ein Bild
der Verhältnisse,
Die Differenzen. des normalen und beobachteten Wertes sind im August
am stärksten ausgeprägt in einem Gebiet, das sich von. Südafrika nach Osten
bis etwa zum 55. Meridian erstreckt, Ungefähr bei 75° O-Lg. wird die
Abweichung = 0°, um dann nur noch geringe Schwankungen von +0.4 bis
— 0.4 zu machen,
Während in anderen Jahren der November, der südliche Frühling, ein
Monat relativ normalen Gepräges ist, findet man im November 1902, daß die
Oberflächentemperaturen viel zu niedrig sind. Es besteht eine von Nordwesten
nach Südosten gerichtete Furche großer negativer Abweichungen mit
zwei getrennten Maxima von fast 4° bzw. über 2° Differenz. Die Lage der
Maxima ist die Gegend in 40° S-Br., 35 bis 40° O-Lg. und die Crozetregion.
‚ Nach einem so anormalen Winter und Frühling läßt es sich erwarten,
daß auch der Sommer zu kalt ist. Das trifft auch für den Februar 1903 zu,
wenngleich in dem westlichen Gebiet größere Änderungen in der Temperatur-
verteilung vor sich gegangen sind. Die schon oben besprochene positive
Abweichung findet sich südsüdöstlich vom Kaplande. Das Maximum negativer
Abweichung, auch jetzt noch fast 4° erreichend, wird dadurch ostwärts ge-
‘) Den jetzt wenig gebrauchten Begriff »Isametralen« führte H. W. Dove in der Ab-
handlung »Die Monats- und Jahresisothermen in der Polarprojektion, nebst Darstellung ungewöhn-
licher Winter durch thermische Isametralen«, Berlin 1864, ein. ;
»Der Ausdruck Isanomalen ist für die Abweichung der Temperaturen eines Ortes von der
mittleren Wärme seiner geographischen Breite allgemein gebraucht.«
»Isametralen bezeichnen dagegen die Abweichungslinien der Temperatur von der mittleren
Temperatur des Ortes. Sie zerfallen, je nachdem ein Wärme- oder Kälteüberschuß vorhanden ist,
in positive oder nevative Isametralen.«