Lütgens, R.: Oberflächentemperaturen im südl, Indischen Ozean 1901 bis 1903. 507
Il. Vergleichende Ergebnisse,
ji. Das östliche Gebiet geringer Schwankungen. Nach diesen Einzel-
ausführungen über den Verlauf der Isothermen in den drei Gebieten und nach
der zahlenmäßigen Festlegung der Abweichungen vom Normalen durch be-
stimmte Schnitte, betrachten wir nunmehr die Wärmeverteilung an der Ober-
fläche des südlichen Indischen Ozeans in der Gesamtheit ihrer Erscheinungen.
Aus der Betrachtung der Isothermenkarten (Abschnitt IL. 1.) (Tafel 19 u. 20)
können wir die Berechtigung der Trennung in drei Gebiete erkennen, Die folgende
Tabelle II stelle uns noch einmal das in Abschnitt II. 1. Gefundene dar, Wir
sehen ohne weiteres, daß der Gegend östlich vom 75. Meridian eine Sonderstellung
zukommt. Während wir in den beiden anderen Teilen große Änderungen in
der Temperaturverteilung finden, haben wir hier in allen Monaten ein fast
normales Bild. Selbstverständlich kommen auch hier Abweichungen vor, aber
sie sind gering, und mit einer einzigen Ausnahme immer unter -+1°C,, so
daß wir vor der auffälligen Tatsache stehen, daß ein großes Gebiet jahrelang
ein normales Gepräge hat, obwohl die benachbarten Gebiete ein im höchsten
Tabelle IL
40° O-Lg. 7500-18.
1901
1902
1903
Februar ...
(EN
| oe „as
November . .
Februar ...
Mai .....
August, ...
November, .
Februar ...
( warn
| Koeust, € 4
November . .
normal
zu kalt
X
zu kalt
%
zu kalt, zu warm
zu kalt zu kalt
normal normal
zu kalt zu kalt
zu kalt
zu kalt
X
normal
normal
normal
zu kalt
normal
normal
normal
zu warm
normal
Grade wechselvolles Verhalten zeigen. Überhaupt ist auch die räumliche
Verteilung der Temperatur in diesem Gebiete selbst sehr gleichmäßig. Ein
Vergleich mit der Gegend nördlich der Crozet-Inseln möge es zeigen, Im
November 1902 sind die Mitteltemperaturen für die Felder 40—42° S-Br. und
40—60° O-Lg. 7.2, 7.8, 11.4, 12.0, 8.1, 8.2, 9.8, 11.3, 13.6, 13.7 und für dieselbe
Breite in 80—106° O-Lg. 12.7, 13.2, 13.0, 12.0, 11.9, 12.2, 12.0, 11.4, 11:3, 11.0,
11.4, 11.5, 11.4. Die Isothermen .laufen den Breitenkreisen ungefähr: parallel
und liegen weit auseinander, so daß der thermische Gradient gering ist.
Selbst größere Verschiebungen geben für die Temperaturverteilung keinen so
großen Unterschied wie in Gegenden, wo die Isothermen dicht gedrängt liegen.
Man geht also wohl nicht zu weit, wenn man folgert, daß die Wärme-
verteilung an der Oberfläche in diesem östlichen Gebiete, das in den
Jahren 1901 bis 1903 so geringe Änderungen zeigt, wahrscheinlich über-
haupt keinen großen Schwankungen unterworfen ist, sondern in
allen Jahren ein verhältnismäßig normales Gepräge zeigt. ;
Die Grenze des 75. Meridians ist allerdings willkürlich und nur ge-
nommen, weil in der Gegend zwischen dem 70. und 80. Grad O-Lg. das Einbiegen
der Isothermen in die normale Lage stattfindet. Meistens ist hier die Tempe-
raturverteilung schon normal.
2. Das westliche und mittlere Gebiet starker Schwankungen. Ganz
anders liegen die Verhältnisse in den als westlicher und mittlerer Teil des
südlichen Indischen Ozeans bezeichneten Gebieten. Von Norden dringt an der
afrikanischen Küste der Agulhasstrom in das westliche Gebiet. Ein weites
Ausbuchten der Isothermen nach Süden zeigt den Einfluß, den seine warmen
Wassermassen auf die Temperaturverteilung ausüben. Ungefähr den 40. Me-
ridian können wir als Ostgrenze für diesen Einfluß annehmen; Von hier bis