Lütgens, R.: Oberflächentemperaturen im südl. Indischen Ozean 1901 bis 1903, 503
November: Im letzten Monat ist die Temperaturverteilung normal.
Die 10° Isotherme nimmt in ihrem ganzen Verlauf eine normale Lage ein,
Zu kalt ist lediglich die Wasserwärme in einem kleinen Gebiet östlich vom
Kapland und wieder die Gegend nördlich der Kerguelen.
2, Verfolg des Temperaturganges an meridionalen Schnitten. Durch
passend gewählte meridionale Schnitte sollen nun zahlengemäß die Erschei-
nungen der Jahre 1901 bis 1903 verfolgt werden. Um die von dem Agulhas-
strom beeinflußte Temperaturverteilung festzustellen, dient ein Schnitt im 30.
Grad O-Lg. Für die Schnittpunkte dieses Meridians mit dem 35., 40,, 45.
Breitengrad werden die Oberflächentemperaturen der Terminmonate und der
normalen Mittel aus dem Atlas für den Indischen Ozean gezeichnet und auch
tabellarisch festgelegt.
Nördlich von den Crozet-Inseln zeigt sich ein starkes Ausweichen der
Isothermen nach Norden. Wir legen deshalb durch den 50. Meridian einen
zweiten Schnitt.
Weiter Östlich ziehen dann die Isothermen wieder südwärts und ver-
anlassen uns, den 60. Meridian, von wo ein Zurückbiegen der Linien in die
normale den Breitenkreisen parallele Lage im östlichen Teil stattfindet, zu
einem dritten Schnitt zu benutzen, .
Die Temperaturverteilung im östlichen Teil soll uns schließlich ein in
110° O-Lg. ausgeführter vierter Schnitt zeigen.
Bei der Kurvendarstellung gibt die ausgezogene Linie den normalen, die
gestrichelte den beobachteten Temperaturgang an. Die Ordinate ist nach Graden
Celsius geteilt, so daß sich aus den Kurven auch direkt die Differenzen ablesen
lassen. Die dritte Zeile in der Tabelle gibt in Zahlen ‚diese Differenzen an.
Die erste Zeile enthält den Normalwert, die zweite den beobachteten in dem
oberhalb bezeichneten Monate.
a) Schnitt I. (Fig, I)
30° O-Le.
35° S-Br.
Normalwert. .....
Beohacht. Wert. ...
A
40° S-Br. !
Normalwert . 2... |
Beobacht. Wert ...'
Ä —
1901 ;
NN V LVYMI | XI
1902 | 1903
I V LVYIME! XI IL‘ V LVO | XL
23.5| 203 | 18.6
311 19.61 185
20.2
19.3
23.5
20 4
20.3
19.9
18.6
165
20.2
18.6
23,5 | 20.3 | 18.6 ] 20.2
21.91 19.5’ 19.0 ! 18,8
—161—081-L0.4 11.2
0O41— 9,71 —0.1
—09
11'004
„91
3.6
165| 15.0| 12.3 | 14.3] 16.5 15.0| 12,3 | 143] 16.5 | 15.0} 12.3 | 143
17.51 14.0} 12.9 | 13.41 17.5 | 14.9] 11.2 ' 12.01 17.2| 13.6 | 11.6 | 16.5
1.0 |—1.0 | 0.6 |—0.9 [41.0 —0.1 | 1.1 |—2.3 | 40.7 |—1.4 | —0.7. 42.2
_ Der erste Schnitt charakterisiert das Gebiet des Agulhasstromes, wenn-
gleich dieser, im weiteren Verlauf nach SO setzend, seinen Haupteinfluß mehr
östlich geltend macht. Im Jahre 1901 zeigt der Schnitt im großen ganzen
eine normale Temperaturverteilung. Im Februar. haben wir unter 40° S$-Br.
die verhältnismäßig große positive Abweichung von 1°C,, die sich im Mai in
eine ebenso große negative verwandelt, ein Wechsel, der sich abgeschwächt
vom August zum November wiederholt. In der niederen Breite, 35° Süd, haben
wir dagegen in allen vier Terminmonaten geringe negative Abweichungen
von 0.1‘bis 0.9%°. Schon- oben wurde mehrfach darauf. hingewiesen, daß in
den südlichsten Teilen des befahrenen Gebietes, etwa südlich vom 45. Breiten-
grade und zwischen 30° und 60° O-Lg., sich eine Kältezone befindet, Auch
in dem sonst als normal zu bezeichnenden Jahre 1901 — die Abweichungen
übersteigen -- 1°C. nicht — finden wir hier im November, für den Beob-
achtungen vorliegen, ein Wärmedefizit von 1.5°%. Die Ausführungen für diese