Lütgens, R.: Oberflächentemperaturen im südl, Indischen Ozean 1901 bis 1903. 501
treffenden Streifen kälteren bzw. wärmeren Wassers sich über mehrere Felder
ausdehnten, wurden sie auch graphisch durch ein starkes Ausbuchten der
Isothermen berücksichtigt. ‚
4, Vorhandene Normalwerte. Abgesehen von den durch die größere
Schiffahrt treibenden Nationen herausgegebenen Segelhandbüchern, die auch
häufig eine allgemeine und spezielle physische Meereskunde bieten, kommen
für das bearbeitete Gebiet mehrere Kartenwerke in Betracht. Von englischer
Seite veröffentlicht sind die »Meteorological Charts of the Southern Ocean
between the Cape of Good Hope and New Zealand«, London 1899, Das Werk
enthält die Normalwerte der meteorologischen und hydrographischen Elemente
für jeden Monat. Die Oberflächentemperaturen sind wie bei allen englischen
Veröffentlichungen leider in Graden Fahrenheit gegeben, so daß ein direkter
Vergleich sehr mühsam ist. Ein Vorläufer dieses Atlasses sind die 1883 er-
schienenen »Meteorological Charts for the Ocean District adjacent to the Cape
of Good Hope«. Nur die Strömungen enthalten die »Monthly Current Charts
for the Indian Ocean«, London 1896, während Brault in »Mer des Indes« nur
die Winde behandelt. Von holländischer Seite stammen die »Warnemingen in den
Indischen Oceaan«, die gleichfalls alle Elemente enthalten. Es war ursprünglich
beabsichtigt, der vorliegenden Arbeit diese neuesten holländischen Werte zu-
grunde zu legen. Das mußte jedoch wegen der Unvollständigkeit des Werkes
unterbleiben, da bisher nur die drei Bände, welche die Monate Dezember bis
August enthalten, erschienen sind. Für die vier Terminmonate Februar, Mai,
August und November sind die Mittelwerte im » Atlas der Deutschen Seewarte für
den Indischen Ozean« vorhanden und bilden für die Vergleiche mit den Ober-
flächentemperaturen der Jahre 1901 bis 1903 die normalen Werte. Die deutschen
und die holländischen Werte stimmen im allgemeinen gut überein. Die geringen
Unterschiede sind wohl nur dadurch entstanden, daß die holländische Ver-
öffentlichung geringe Schwankungen beim Zeichnen der Isothermen berück-
sichtigte und so Linien erhielt, die mehr kleine Ausbuchtungen zeigen. Die
neuesten Jahresmittel der Oberflächentemperatur enthält endlich der »Atlas
zu Band I des Valdiviawerkes«.,
II. Die Oberflächentemperaturen in den Jahren 1901 bis 1903.
N 1. Kurze Betrachtung der Isothermenkarten. Es soll zunächst ein
Überblick . über den Isothermenverlauf in den einzelnen Terminmonaten der
Jahre 1901 bis 1903 einschließlich gegeben werden. Für den Gang der Unter-
suchung erweist es sich als praktisch — spätere Ausführungen werden es
zeigen — das zu behandelnde Gebiet in drei Teile zu zerlegen. Zur Trennung
wählen wir die Meridiane 40 und 75° O-Lg. Es wird das Gebiet von 15 bis
40° Ost als westlicher, von 40 bis 75° als mittlerer und vom 75. bis 115. Grad
als östlicher Teil bezeichnet werden. Verfolgt werden soll vor allem der
Verlauf der 10° Isotherme, die in allen Jahreszeiten in das befahrene Gebiet
fällt. Bei dieser kurzen Zusammenstellung kann natürlich nur auf die Haupt-
züge aufmerksam gemacht werden. Betreffs der Kinzelheiten muß hier,
wie auch in allen folgenden Abschnitten immer wieder auf die
12 Isothermenkarten, aus denen alle Folgerungen direkt oder in-
direkt abgeleitet sind, verwiesen werden. ;
a) 1901 Februar: Im westlichen Teil ist der Februar normal. Der
Verlauf der 20° Isoth&me deckt sich genau mit der normalen Lage, während
die 10° Isotherme zwischen dem 35, und 45. Grad O-Lg. ein wenig nach Norden
verschoben ist. Diese Verschiebung verstärkt sich im mittleren Teil be-
frächtlich, so daß hier die Temperaturen zu niedrig sind. Im östlichen Teil
kann die Lage der Isothermen als ungefähr normal gelten. Eine positive
Abweichung bezeichnet die Lage der 20° Isotherme, während die Gegend des
40. Breitengrades etwas zu kalt ist,
Mai: Der südliche Herbst zeigt uns im westlichen Teil und in der
ersten Hälfte des mittleren Teils normale Wassertemperaturen. Bis zum