Lütgens, R.: Oberflächentemperaturen im südl. Indischen Ozean 1901 bis 1903, 499
ihre erfolgreiche Fahrt unternommen, sahen die ersten Jahre des neuen
Jahrhunderts v. Drygalski mit der deutschen Südpolarexpedition im Gebiet
des Indischen Ozeans, auf dem Wege, für den v. Neumayer‘*) eingetreten war,
seinen Vorstoß. nach Süden unternehmen.. In den gleichen Jahren wirkten
auch die englische, schwedische und schottische Expedition in der Antarktis.
Es lag daher nahe, für die geplante Untersuchung die Jahre der internationalen
Südpolarforschung zu wählen, um für. diesen wichtigen Zeitabschnitt einen Über-
blick über die Temperaturverteilung und ihre Anderung im südlichen Indischen
Ozean zu gewinnen. Deshalb wurden die drei Jahre 1901 bis 1903 einschließlich
der Bearbeitung unterzogen. Das in Betracht kommende Gebiet wurde in der
folgenden Weise begrenzt. Nach Norden wurde der 30. Grad südlicher Breite
als Grenze gezogen, während im Süden die Schiffahrtsgrenze in der Gegend
des 46. südlichen Breitengrades eine unfreiwillige Grenzlinie bildete. Teilweise
lagen allerdings mit der deutschen Expedition in Zusammenhang stehende
Beobachtungen bis zum 52, Grad südlicher Breite vor. Es waren dies die
Beobachtungen der die Kerguelen anlaufenden Dampfer »Staßfurt«, »Tanglin«,
‚Meißen«. Östlich schloß das Gebiet mit dem durch Kap Leuwin gehenden
115. östlichen Längengrad ab.- Dementsprechend hätte im Westen der
Kap Agulhas schneidende 20. Meridian die Grenze bilden müssen, Um aber
das Wirkungsgebiet des Agulhasstromes ganz verfolgen zu können, wurde
erst der 15. Meridian östlich von Greenwich als Grenze gewählt. Erwähnt
sei, daß auch Beobachtungen jenseits dieser Grenzlinien regelmäßig mit benutzt
wurden, da’ sie für die Zeichnung der Isothermenkarten wertvolle Anhalts-
punkte. boten. Für sie bildete westlich der Meridian von Greenwich die
Grenze, während im Osten bis zum 120, Grad gegangen wurde,
2. Gewinnung des Beobachtungsmaterials. Zweckmäßig dürfte es
sein, vorerst das für die Arbeit in Betracht kommende Material zu beleuchten,
Es lagen die in dem Archiv der Deutschen Seewarte zu Hamburg befindlichen
Schiffsjournale, sowie für einzelne Teile des Gebietes die Beobachtungen des
»Gauße«, vor. Die hierbei in Betracht kommenden Segelschiffe waren vor allem
in der Fahrt Europa— bzw. Kapland-— Australien, Europa— bzw. Nord-
amerika—Hinterindien oder Ostasien und zurück nach Europa beschäftigt.
Nur um das Kap der guten Hoffnung fuhren die Dampfer der Deutschen
Ostafrika-Linie, nur an der australischen West- und Südküste die des Nord-
deutschen Lloyd. Für die Strecke Kapland— Australien kamen die Fahrten
der Deutsch-Australischen Dampfschiffgesellschaft, Hamburg, in Betracht. Diese
Handelswege sind natürlich von einschneidender Bedeutung für die Verteilung
des Beobachtungsmaterials, da sich im allgemeinen alle Beobachtungen auf
diese schmalen, den Ozean durchkreuzenden Linien zusammendrängen.”)
An benutzbaren Journalen, d. h. solchen, deren Beobachtungen mit »an-
scheinend« genügender Sorgfalt und genügenden Instrumenten ausgeführt waren,
fanden sich 131 Segelschiff- und 129 Dampferjournale vor, Fast %/, der Beob-
achtungen stammen von Segelschiffen, da fast alle Journale 2 und mehr Reisen
enthielten, während die Dampfer, die ja außerdem auch ihre Reise in weitaus
kürzerer Zeit zurücklegen, schon nach einer Reise das Journal abgaben.
Ursprünglich war geplant, auch Lufttemperatur, Winde und Strömungen
mit zu untersuchen. Auch diese Elemente wurden deshalb zugleich ausgezogen.
Es ergab sich aber, daß für diese veränderlicheren Elemente nicht die nötige
Summe von Beobachtungen vorlag, um diskutierbare Werte zu erhalten, so
daß dieses Material leider nicht benutzt werden konnte.
Wassertemperaturbeobachtungen wurden im ganzen etwa 30000 ver-
wertet. Für die vier Terminmonate Februar, Mai, August, November ergab
sich dabei die folgende Anzahl von Beobachtungen.
1) Siehe die verschiedenen Vorträge, die in dem Sammelwerke- Neumayers »Auf zum
Südpol« vereinigt sind, .
2) Indischer Ozean, ein Atlas.‘ Beilage zum Segelhandbuch für den. Indischen Ozean
herausgeg. von der Deutschen Seewarte. Hbe. 1891. Tafel 33 u. 34.
Ann. d. Hrdr. ete.. 19035. Heft XT