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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905.
Oberflächentemperaturen im südlichen Indischen Ozean 1901 bis 1903.
Von Dr. Rudolf Lütgens, Hamburg.
(Hierzu Tafel 19 u. 20.)
Für die europäischen Nordmeere und den Nordatlantischen Ozean hat
die moderne Meeresforschung schon seit Jahren sich nicht damit begnügt,
Mittelwerte für die hydrographischen und meteorologischen Elemente zu be-
stimmen, Von dem Grundsatze ausgehend, daß nur eine fortlaufende Be-
trachtung der Änderungen und der sie bedingenden Ursachen uns eine
befriedigende Erklärung vieler Probleme der Ozeanologie und maritimen
Meteorologie geben kann, sind die gemeinsamen Arbeiten der nordeuropäischen
Seestaaten zur Erforschung der nordeuropäischen Meere zustande gekommen,
Durch Terminfahrten und unter Benutzung des von Handelsschiffen ge-
sammelten Materials wird in diesen Meeren jetzt von drei zu drei Monaten
ein Überblick über die wichtigsten Elemente gewonnen. Für den Nord-
atlantischen Ozean und das Mittelmeer werden schon Monatswerte der
hydrographischen und meteorologischen Elemente abgeleitet, während die
täglichen Witterungsverhältnisse des Nordatlantischen Ozeans von dem
Dänischen Meteorologischen Institut und der Deutschen Seewarte festgestellt
werden,
Solche eingehenden Untersuchungen fehlen dagegen bei den übrigen
Meeren. Mehrere Gründe mögen dafür maßgebend sein. Der weitaus größte
Teil des internationalen Handelsverkehrs spielt sich auf den oben genannten
Meeresräumen ab. Für sie muß also naturgemäß zuerst das Bedürfnis einer
genaueren Erforschung eintreten, und diese ist leicht, weil die Meere nahe
den interessierten Staaten liegen und ohne allzu große Kosten regelmäßig
durch Spezialschiffe untersucht werden können. Auch ökonomische Bedürf-
nisse — wir brauchen nur an die Bedeutung und den Umfang der Seefischerei
zu denken — sprechen hier mit. Dann ist ferner das vorliegende Beobachtungs-
material für die übrigen Meere meistens nicht genügend, um in die Einzel-
forschung einzutreten, da es sich einerseits über zu große Gebiete verteilt,
und anderseits beim Gewinnen dieses Materials nicht immer die genügende
Sorgfalt obwaltet. Daß der Handel an gewisse Wege gebunden und die
hauptsächlich in Betracht kommenden Segelschiffsbeobachtungen durch viele
die richtige Verwertung des Materials oft unmöglich machende Ursachen
beeinflußt werden, ist gleichfalls nicht günstig für die Untersuchung ozeano-
logischer und klimatologischer Fragen.')
Trotz dieser Mängel soll nun in der vorliegenden Arbeit der Versuch
gemacht werden, für ein größeres Gebiet, nämlich für den befahrenen Teil des
südlichen Indischen Ozeans, den Verlauf der Wassertemperaturen,
des wichtigsten hydrographischen Elements, für einen durch äußere Um-
stände gegebenen Zeitraum von Vierteljahr zu Vierteljahr festzu-
legen und die daraus folgenden Ergebnisse zu deuten,
I. Überblick über die Arbeit und das benutzte Material.
ı, Zeitliche und räumliche Begrenzung. Für die deutsche Forschung
ist der Indische Ozean schon lange ein Gebiet regen Interesses gewesen.
Nachdem gegen Ende des verflossenen Jahrhunderts die Valdivia unter Chun
:ı) W. Meinardus: Über die Methoden der Verarbeitung von meteorologischen Beob-
achtungen zur See. Zeitschr. d. Gescllsch. f. Erdkunde zu Berlin 1594. Bl. XXIX.
Derselbe: Über die Methoden der maritimen Klimatologie. Meteorol. Zeitschr. :Das
Weititer:. 1900. Heft 2 u. 3.