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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905,
Das Eis im Bering-Meer entsteht in jedem Winter neu und schiebt sich
unter dem Einfluß des Windes und Stromes zu großen Massen zusammen.
Die Packeisgrenze reicht dann bis etwas südlich von der St. Matthew-Insel,
während man Treibeis bis ungefähr 56° N-Br. antrifft. Mit den vorherrschenden
südlichen Winden, die Ende Frühling und Anfang Sommer einsetzen, und mit
dem Strom treibt das Eis allmählich nordwärts, an den beiden Seiten schneller
als in der Mitte, Die Westseite des Bering-Meeres ist ebenso wie die West-
seite der Bering-Straße gewöhnlich früher eisfrei als die Ostseite. Am 1. Mai
sind die Pribilow-Inseln gewöhnlich eisfrei, Die Bering-Straße ist meist erst
zivischen dem 15, und 25. Juni, sicher aber am 1, Juli befahrbar, ausgenommen
in ungünstigen Eisjahren. Im Jahre 1880 gelang es einem Schiff schon am
22. Mai hindurchzukommen, Im Jahre 1903 konnte die Bering-Straße Mitte
Juni von Süden erreicht werden, während sie 1904 am 26. Juni noch dureh
Eis geschlossen war. Wenn man erst durch die Bering-Straße hindurch ist,
kann man gewöhnlich mit Leichtigkeit über den Polarkreis nach Norden vor-
dringen. An der sibirischen Küste nordwestlich von der Bering-Straße reißt
der längs der Küste westwärts setzende Strom das Packeis in 2 bis 10 Sm
Entfernung vom Lande ab und treibt es nach Norden; bald folgt auch der
Landeisgürtel nach. Das Kap Serdze Kamen ist von der Bering-Straße aus
frühestens am 4. Juli zu erreichen. Das Eis in dieser Gegend ist schwer und
hügelig; es ist daher sehr gefährlich, in die Rinne zwischen dem Landeis-
gürtel und dem abgetriebenen Packeis, die sich leicht wieder schließt, hinein-
zudringen, Im Polarmeere erreicht die Packeisgrenze im August und Sep-
tember ihre nördlichste Lage; sie läuft in günstigen Sommern von der Barrow-
Huk in unregelmäßiger Linie bis etwa 30 Sm nördlich von der Herald-Insel
und von dort nach der Südküste der Wrangel-Insel.
Anfang September, wenn nördliche Winde wieder vorherrschend werden,
fängt die Packeisgrenze an, sich südwärts zu bewegen. Bei Serdze Kamen
bildet sich Jungeis, das schnell große Stärke erreicht, etwa vom 10, bis
20. Oktober; es bleibt aber durch Wind und Strom in steter Bewegung, bis
es sich Anfang Januar am Lande festlegt, Bis zum 10. Oktober müssen alle
Schiffe aus dem Polarmeere heraus sein. In einzelnen Fällen glückt es
Schiffen, noch später durch die Bering-Straße zu kommen, so »Julian«, Kapitän
Hegemann, der im Jahre 1868 am 21. und 22, Oktober die Straße passierte
und »Helen Mar« am 1. November 1879, Das sind aber Ausnahmen, die nur
unter günstigen Windverhältnissen möglich waren. Beide Schiffe mußten sich
nördlich von der Straße einen Weg durch Jungeis brechen; Kapitän Hegemann
fand die Durchfahrt zwischen dem Ostkap und den Diomede-Jnseln schon
durch Eis gesperrt und mußte die Durchfahrt östlich von den Diomeden
benutzen,
Der Wind ist in der Beringstraße sowie an der sibirischen Küste südlich
und nördlich davon während der längsten Zeit des Jahres vorherrschend
nördlich mit Ablenkungen nach Osten und Westen, Nur Ende Frühling und
Anfang Sommer überwiegen südliche Winde. Der Juli bildet schon wieder
den Übergang von den Windverhältnissen des Frühsommers zu denen des
Herbstes; nördliche Winde werden wieder häufiger als im Juni und herrschen von
August oder September an wieder vor. Windstillen und Nebel sind auch in
diesen Gewässern im Sommer häufig,
Der Strom setzt in der Beringstraße im allgemeinen nordwärts mit
durchschnittlich 2 Sm Geschwindigkeit, die aber durch starke südliche Winde
auf 3 bis 4 Sm gesteigert werden kann. Anhaltende starke nördliche Winde
können den nördlichen Strom in südlichen verwandeln, der aber bald nach
dem Aufhören dieser Winde seine ursprüngliche Richtung wieder aufnimmt.
An der sibirischen Küste nördlich von der Bering-Straße setzt der Strom nach
Westen entlang bis etwa zur Insel Koljutschin, wo er nach Norden und Nord-
osten abgelenkt wird.
Vorschläge zur Erforschung der Nordostdurchfahrt. Das bisher Gesagte
hat in kurzen Umrissen die Schwierigkeiten gezeigt, die sich auf der größten
Strecke des Weges durch unvollständige Kenntnis der Naturverhältnisse der