accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

192 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905, 
sich oft schmälere oder breitere Spalten, stellenweise zeigen sich auch größere 
Flächen freien Wassers, die sich bei veränderter Windrichtung wieder schließen. 
Längs der Küste bildet sich etwa Anfang Oktober eine feste Eisdecke, die 
während des Winters bis 3 m Dicke erreicht, aber auch durch südliche Winde 
oft vom Lande abgetrieben oder bei plötzlichem Umspringen des Windes in 
kleinere Stücke gespalten wird. So lange die strenge Kälte anhält, backen 
diese Stücke wieder leicht zusammen, während sie, wenn die Temperatur über 
Null geht, ohne gleich zu schmelzen, große Treibeisfelder bilden, die sich im 
Laufe des Sommers unter der Einwirkung der Luftwärme und des Seeganyes 
beständig vermindern. Im Frühjahr wird die Küste schon gegen Ende Juni 
eisfrei, während sich die Eisdecke weiter seewärts etwa einen Monat länger 
hält, Während des ganzen Sommers trifft man in dem Raume zwischen der 
Packeisgrenze und der Küste stets Treibeis an, neben dem verhältnismäßig 
dünnen einjährigen Buchten- und Flußeis, das im Sommer fast vollständig 
schmilzt oder nach Norden zurückgedrängt wird, größere übereinander ge- 
schobene vorjährige Eismassen und von nördlichen Winden südwärts getriebenes 
starkes arktisches Eis. Durch Wind und Strom ändern diese Eismassen be- 
ständig ihre Lage und versperren stellenweise für einige Zeit das Fahrwasser 
vollständig, während an andern Stellen wieder weite offene Wasserflächen 
entstehen. Während es z. B. Nansen Ende August und Anfang September 
1893 nur mit Schwierigkeit gelang, die Nordenskjöld-Inseln zu passieren und 
Baron Toll ungefähr zu derselben Jahreszeit im Jahre 1900 die Fahrt um die 
Taimur-Halbinsel durch Eis ganz unmöglich gemacht wurde, fand Nordenskjöld 
am 22, August 1878 erst vor der Nordostküste der östlichen Taimur-Halbinsel 
schwierige Eisverhältnisse, die ihn zwangen, den ursprünglich vom Kap 
Tscheljuskin gesteuerten geraden östlichen Kurs aufzugeben und nach längerem 
Umwege durch das Treibeis die eisfreie Rinne längs der Küste aufzusuchen. 
Auf diese Rinne, die im Sommer von der Strömung und dem verhältnismäßig 
warmen Wasser der verschiedenen in das Sibirische Eismeer mündenden 
großen Flüsse sowie durch südliche Winde offen gehalten wird, ist man bei der 
Fahrt in diesen Gewässern im allgemeinen angewiesen, Während jedoch das 
offene Wasser im Mündungsgebiet der Lena, Jana und Indigirka bis zur Kolyma 
ziemlich breit ist, bleibt Östlich von der Kolyma, wo bis zur Bering-Straße 
nur wenige kleinere Flüsse vorhanden sind, nur eine schmale Rinne, trotzdem 
durch die südlichere Lage dieser Küstenstrecke das Küsteneis schon früh 
schmilzt. Auf der letzteren Strecke fand Nordenskjöld die größten Schwierig- 
keiten; in dem engen seichten Fahrwasser, nahe unter der Küste und ihren 
Biegungen folgend konnte er, vielfach durch Eis und Nebel aufgehalten, nur 
langsam vorwärtskommen, bis er schließlich in geringer Entfernung von der 
Beringstraße einfror. Westlich von der Kolyma dagegen hatte ihm das Eis 
nur geringe Hindernisse entgegengestellt und seine Fahrt nur wenig verzögert; 
in dem breiten Fahrwasser vor dieser Strecke hatte er auch ziemlich gerade 
Kurse in größerem Abstande von der Küste steuern können. Wo diese offene 
Rinne, z. B. bei anhaltenden nördlichen Winden, durch Treibeis gesperrt ist, 
wird man nur schwierig und auf kurze Strecken ein segelbares Fahrwasser 
in größerer Entfernung von der Küste finden. Da aber die größeren auf- 
einander getürmten Eismassen wegen ihres beträchtlichen Tiefganges auf dem 
ganz allmählich abflachenden Meeresgrunde schon in beträchtlicher Entfernung 
vom Lande stranden und so das Treibeis abhalten, bleibt für kleine Schiffe 
bis etwa 31/, m Tiefgang auch auf der ungünstigeren östlichen Strecke immer 
noch ein ziemlich breites eisfreies Fahrwasser dicht unter der Küste, Nur 
wo größere Tiefen das Treibeis bis an die Küste herankommen lassen, wird 
auch dieses Fahrwasser zeitweilig gesperrt. 
Die Wassertiefe ist fast auf der ganzen Strecke sehr gering und reicht 
stellenweise in großem Abstande vom Lande kaum für mittelgroße Schiffe aus. 
Bei der Fahrt längs der Küste ist daher große Vorsicht erforderlich, da schon 
eine geringe Bodenerhebung die Strandung herbeizuführen vermag. 
Wie im Karischen Meere so ist auch hier im Sommer Nebel sehr häufig, 
der die ohnehin knappe Schiffahrtszeit (August und September) durch den
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.