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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Herrmann, J.: Die Bedeutung der Nordostdurchfahrt für die Schiffahrt. 489 
alle. Versuche während des ganzen Monats, bei beständigen nördlichen und 
nordöstlichen Winden durch die Karische Straße oder Matotschkin Scharr vor- 
zudringen, scheiterten teils an der Unbefahrbarkeit dieser Durchfahrten wegen 
Eis, teils an den ungünstigen Eisverhältnissen, die nach dem Passieren von 
Matotschkin Scharr vor dem Ostende dieser Straße gefunden wurden, So 
traten am 4. September alle Schiffe die Rückreise an mit Ausnahme Dallmans, 
der noch einen letzten Versuch machen ‚wollte. Er wurde dabei durch einen 
schweren .Weststurm begünstigt, der am 6. September einsetzte und schon 
34 Stunden später das durch die nördlichen und nordöstlichen Winde im 
westlichen Teile des Karischen Meeres zusammengedrängte und die Zugangs- 
straßen. versperrende Eis weit nach Osten zurückschob. Dallmann konnte auf 
diese Weise durch die Jugor-Straße noch den Jenissei erreichen, von wo er 
trotz der späten Jahreszeit mit voller Ladung durch Matotschkin Scharr 
glücklich nach Europa zurückkehrte. 
Die Zeit des Auf- und Zuganges der Jugor-Straße ist nach den Angaben 
der Küstenbewohner und nach den Erfahrungen auf verschiedenen Reisen sehr 
verschieden. Es kommt vor, daß die Straße schon Ende Mai offen ist, ander- 
seits gibt es aber Jahre, wo sie den ganzen Sommer durch Eis geschlossen 
ist. Gewöhnlich ist sie Mitte Juli offen. Im Jahre 1898 öffnete sie sich erst 
am 6. August, 1899 am 20. September, und 1900 war ihr nördlicher Teil am 
3. Juli noch durch eine feste Eisdecke. mit Waigatsch verbunden; 1904 war 
sie ebenso wie die Karische Straße am 2. August noch- durch dichtes Packeis 
gesperrt; wann sie sich im letzteren Jahre geöffnet hat, ist unbekannt. Treibeis 
zeigt sich in der Straße während des ganzen Sommers, zuweilen in solchen 
Massen, daß es die Straße lange versperrt und für die Schiffe gefährlich wird 
(vgl. S. 484). Im Oktober friert sie gewöhnlich zu, 
Der Strom, der ebenfalls für die Verteilung des Eises Bedeutung hat, ist 
in der Jugor-Straße hauptsächlich von der Richtung und Stärke des Windes 
(s. S. 490) abhängig. Die Gezeitenströme, die nur bei leichten veränderlichen 
Winden oder bei Stille bemerkbar sind, stärken oder schwächen je nach ihrer 
Richtung die Triftströmung. Der Flutstrom setzt nach Westen, der Ebbstrom 
nach Osten. Im engsten Teile der Straße wurde bei anhaltendem frischen 
Nordostwind während der Flut 4’!/, Sm Stromgeschwindigkeit gemessen, Längs 
der Küsten an beiden Seiten der Straße zeigt sich nicht selten Neerstrom. Der 
Tidenhub ist nur etwa 1 m. 
Hier sei noch bemerkt, daß von der russischen Vermessungsexpedition 
im Jahre 1903 zwischen dem Kap- Medinski Saworot und der Insel Maly. 
Selenets ein neuer Zugang vom Westen zur Jugor-Straße aufgefunden wurde, 
der besonders dann von Nutzen ist, wenn der gewöhnliche Weg nördlich von 
der Insel Matwjejew. durch Treibeis gesperrt ist. ; 
; Das Karische Meer, der »Schlüssel zur. Nordostdurchfahrt», wird. im 
Westen von Nowaja Semlja und Waigatsch, im Süden von. der Küste an der 
Baidarata (Kara) - Bucht und im Osten von der Halbinsel Jalmal und der 
Weißen Insel begrenzt. Nach Nordosten ist es offen. und geht dort in das 
Sibirische Eismeer über. Seine verhältnismäßig geringen .Wassertiefen sind 
im westlichen Teile am größten und nehmen nach Osten langsam und ziemlich 
regelmäßig ab. Dort sind sie längs der ganzen Westküste von. Jalmal und 
bei der. Weißen Insel in ziemlich großem Abstande sehr gering und zeigen 
verschiedene Untiefen, so daß man dieser Küste nicht zu nahe kommen darf, 
Der Grund ist dort jedoch weich (Sand oder Ton), und das Lot. gibt genügende 
Warnung. Durch die Lotungen der russischen Vermessungsexpedition im 
Jahre 1902 hat sich gezeigt, daß die Wassertiefe im tiefsten. Teile des Karischen 
Meeres bisher viel zu groß angegeben war. An der Stelle, wo die Karte 742 m 
verzeichnete, wurde z. B. nur. 183 m gelotet; die größte im Karischen Meer 
von der Expedition überhaupt gemessene Tiefe betrug nur 220 m. Dieselbe 
Expedition hat auch die Südwestküste des Karischen Meeres vermessen. und 
dort sehr gleichmäßige ‚Wassertiefe gefunden. Die Westküste von Jalmal 
bedarf noch genauerer Vermessung. Nach Nansens Beobachtung im Jahre 1898
	        
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