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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Herrmann, J.: Die Bedeutung der Nordostdurchfahrt für die Schiffahrt. 487 
nach Osten fortsetzt und die Möglichkeit des Durchkommens ‚bietet. Ross- 
myslow sah am 10. Sept. 1768 von einem hohen Berge an der Osteinfahrt 
des Matotschkin Scharr das Karische Meer vollständig eisfrei und Nordenskjöld 
berichtet, daß 1875 und 1876 sowohl die Straße als auch die außen vorliegenden 
Häfen gegen Ende August ganz eisfrei waren, daß aber schon lange vorher 
an der östlichen Seite das Eis so verteilt war, daß sich ein Fahrzeug ‚ohne 
Gefahr einen Weg durch die Eisstücke bahnen konnte, Auch Ende September 
1899 war vom OÖstende des Matotschkin Scharr aus kein Eis im Karischen 
Meere zu sehen, Im folgenden Jahre (günstiges Eisjahr) trieb nach frischem 
Nordostwind Eis am 7; Sept. aus dem Karischen Meer in die Straße; bis zum 
17. Sept. war in diesen Gegend das Karische Meer, soweit man sehen konnte, 
mit Eis bedeckt. Starke Westwinde, die in der engen mit Ausnahme des 
Ostendes von hohen Felsen eingeschlossenen Straße mit besonderer Heftigkeit 
wehen, treiben das aufgebrochene Eis nach Osten aus der Straße hinaus und 
begünstigen auch die Bildung einer eisfreien Rinne längs der Ostküste, Bei 
ungünstigen Eisverhältnissen im Karischen Meere weicht der Eisgürtel dann 
allerdings nur wenige Seemeilen von der Küste zurück, so daß sich diese Rinne 
beim Nachlassen des Westwindes oder beim Umspringen leicht wieder schließt, 
Der Strom im Matotschkin Scharr ist von den Gezeiten und dem Winde 
abhängig. Die Gezeiten dringen nach den Beobachtungen von de Bruyne 
und Markham vom Karischen Meere und von der Barents-See ein und treffen 
einander beim Walroß-Kap.!) Östlich von diesem Kap läuft der Flutstrom 
nach Westen und der Ebbstrom nach Östen, westlich davon umgekehrt, Die 
Stromgeschwindigkeit beträgt im engen Teile der Straße zuweilen 1,5 bis 2 Sm, 
während Heuglin Weststrom von 4 Sm beobachtete. Lütke beobachtete in 
der Mitte der Straße an drei Tagen beständigen Weststrom von °/, bis 3 Sm. 
Der Tidenhub ist gering, nur 0,7 bis 1,2 m. 
Die Karische Straße, zwischen der Südinsel von Nowaja Semlja und der 
Insel Waigatsch, ist die breiteste der drei südlichen Einfahrten ins Karische 
Meer. Sie ist etwa 17 Sm breit und, was Wassertiefe anbelangt, für die 
größten Schiffe passierbar, wie die Fahrt des russischen Vermessungsdampfers 
»Pachtussow« in 1902 vom Karischen nach dem Murman-Meer zeigt, wobei 
der auf 36'/, m eingestellte Tiefenmelder nirgends auf Grund stieß. Die in 
diesem Jahre ausgeführten Lotungen zeigten sehr unebenen Grund und außer- 
ordentlich schnell wechselnde Wassertiefen, von 120 m eine kurze Strecke 
weiter auf 10 m. Die beiden Enden der Straße sind tief, das Westende bis 
145 m, das Ostende bis 110 m. Nach der Mitte zu steigt der Grund an, Dort 
ist die größte Tiefe 46 m. Der beste Weg durch die Straße ist anscheinend 
in der Mitte. Wenn sich dieses tiefe Fahrwasser bei genauerer Vermessung 
als genügend breit erweist, dürfte die Durchsteuerung einfach und gefahrlos 
sein. Bis dahin jedoch. ist für tiefgehende Schiffe Vorsicht geboten, ., 
Ein vor allen Winden und dem Eise vollständig geschützter Ankerplatz 
befindet sich an der Nordwestküste von Waigatsch, der als der einzige in 
dieser Gegend für die Schiffahrt von großer Bedeutung ist. Der Wert dieses 
Ankerplatzes, der »Reede des Dampfers Pachtussow« nach dem Namen des 
russischen Vermessungsschiffes heißt, wird noch dadurch erhöht, daß seine 
Einfahrt nicht in der Karischen Straße, sondern vom Murman-Meere her ist, 
zwischen den der Nordwestküste von Waigatsch vorgelagerten Inseln. Auf 
diese Weise wird man ihn in vielen Fällen noch erreichen können, wenn die 
Karische Straße durch Eis gesperrt ist, um dort günstigere Verhältnisse ab- 
zuwarten. Frischwasser ist reichlich vorhanden, Mit Hilfe von fünf dort an 
gut sichtbaren Stellen errichteten Baken und an der Hand des russischen 
Planes ist der Ankerplatz ohne Schwierigkeit anzulaufen. ; 
Die feste Eisdecke löst sich in der Karischen Straße ebenso wie in der 
Jugor-Straße schon früh, dafür wird die Durchfahrt aber lange von be- 
deutenden Treibeismassen heimgesucht und oft lange versperrt. Die Richtung 
der Straße NO—SW, die der Richtung der häufigen nordöstlichen Winde ent- 
u Kap Morzhor im englischen Plane Nr. 3085.
	        
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