accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

484 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1905, 
Versuche im Eise festgekommen war, Nordenskjölds Umsegelung ist bis heute 
die einzige geblieben. Auch die Jeannette-Expedition unter De Long, der die 
Durchfahrt von Osten her versuchte und dabei im KEise seinen Tod fand, 
verlief resultatlos. Die nächsten Fahrten, die nach der Vega-Expedition aller- 
dings mit anderen Zielen weit nach Osten vordrangen und für die Beurteilung 
des Weges von Wert sind, waren die Nansens und des Barons v. Toll. Nansen 
gelangte auf seiner Nordpolfahrt am 18. Sept. 1893 bis zur Olenek-Bucht, wo 
er nach Norden abbog, der Packeisgrenze entgegen, während Tolls Schiff 
‚Sarja« nach zweimaliger Überwinterung am 26. Aug. 1902 die Lena-Mündung 
erreichte, 
Der ganze Weg läßt sich nach seiner natürlichen Gliederung in vier 
Abschnitte zerlegen, die nacheinander kurz betrachtet werden sollen. Der 
erste Abschnitt umfaßt die Barents-See mit ihrem südlichen Teil, dem Murma- 
Meer, oder die Strecke vom Nordkap bis zum Karischen Meer, der zweite das 
Karische Meer mit seinen westlichen Zugangsstraßen bis zum Kap Tscheljuskin, 
der dritte die Strecke vom Kap Tscheljuskin bis zur Bering-Straße und 
der letzte die Bering-Straße. Von diesen ist der zweite Abschnitt wegen seiner 
Eisverhältnisse wohl der schwierigste; hier haben auf dem Wege nach dem 
Ob und Jenissei auch starke Dampfer oft ihr Ziel nicht erreichen, ja in un- 
günstigen Eisjahren vielfach überhaupt ins Karische Meer nicht eindringen 
können. 
Der Weg vom Nordkap bis zum Karischen Meer bietet am wenigsten 
Schwierigkeiten. Er ist infolge des wärmeren vom Atlantischen Ozean ein- 
dringenden Wassers, das als ein Arm des Golfstromes betrachtet werden 
kann,l) in der Hauptschiffahrtszeit im Spätsommer eisfrei und kann mit Hilfe 
der im allgemeinen zuverlässigen Karten und der vorhandenen Segelanweisungen 
ohne Gefahr befahren werden, An der Küste von Lappland beginnt die Schiff- 
fahrt bereits Mitte Mai und dauert bis Ende Oktober; die beste Schiffahrts- 
zeit ist jedoch von Ende Juni bis Anfang September. Weiter nach Osten hin 
hält sich das Eis länger. Dort ist die Schiffahrt östlich von Kanin Noss erst 
Mitte Juli möglich, zuweilen auch früher, aber dann wegen des Eises stellen- 
weise noch unter großen Schwierigkeiten; die günstigste Zeit ist dort von 
Mitte August bis Mitte September, in welcher Zeit das Meer gewöhnlich eis- 
frei ist. Treibeis, das zum Teil von Wind und Strom von der Packeisgrenze, 
zum Teil aus den Buchten und Flußmündungen kommt, zeigt sich bis Ende 
Juli und in Südeisjahren noch später. Während dieser Zeit wird es durch 
nordwestliche und westliche Winde in die Südostecke des Murman-Meeres und 
gegen die Westküste von Nowaja Semlja getrieben, wo es zuweilen zwischen 
der Insel Kolgujew und der Südwestküste von Nowaja Semlja eine feste Eis- 
schranke bildet und die Zugangsstraßen zum Karischen Meere, besonders die 
Jugor-Straße, versperrt. So wurden im Jahre 1870 die nach dem Karischen 
Meere bestimmten Schiffe vor dem Juli wochenlang durch diesen KEisgürtel 
aufgehalten, und Ende Juli 1894 reichte undurchdringliches Eis von Nowaja 
Semlja bis etwa 40 Sm westlich von Kolgujew. In dem für die Schiffahrt in 
der Barents-See ungünstigen Eisjahr 1899 erstreckte sich Ende Juli ein Eis- 
gürtel von der Tschesskaja-Bucht nach Norden längs der Westküste von Kol- 
gujew bis etwa 20 Sm nördlich von dieser Insel. Die Südostecke des Murman- 
Meeres war von Mitte August bis Anfang September von dichten Eismassen 
belagert, die die Jugor-Straße versperrten und bis nahe an die Karische Straße 
reichten. Fünf englische Dampfer, nach dem Ob und Jenissei bestimmt, 
konnten zwar am 29. August in die Jugor-Straße eindringen, trafen dort aber 
so schweres Eis, daß sie umkehren mußten, Alle waren vom Eise beschädigt, 
einer so schwer, daß er auf Strand gesetzt und verlassen werden mußte, Am 
Anfang des Sommers ist es daher vorteilhaft, vom Nordkap nach der Jugor- 
Straße bestimmt, das Gänseland an der Südwestküste von Nowaja Semlija 
1) Die englische Seyelanweisung »Aretie Pilot-, Vol. I, enthält für diese Strecke ausführliche 
Angaben über Strom- und metcorologische Verhältnisse, die daher erst von den Eingangspforten 
zum Karischen Meer an berücksichtigt werden, wo derartige und andere für die Schiffahrt wichtige 
Angahen in der Segelanweisung fast ganz fehlen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.