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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1905, 
Krümmel, Otto: Die deutschen Meere im Rahmen der internationalen 
Meeresforschung. Öffentlicher Vortrag, gehalten im Institut für Meeres- 
kunde am 5. und 6. März 1903. Veröffentl. des Instituts für Meereskunde 
und des Geographischen Instituts an der Universität Berlin, Heft 6. 3 Taf, 
12 Abb. 8% 36 8. Berlin 1904, E. S. Mittler & Sohn. 
Die schwierige Aufgabe, in zwei kurzen Vorträgen ein einheitliches Bild der Nord- und 
Ostsee mit Betonung ihrer charakteristischen Eigenheiten zu entwerfen, ist von dem Verfasser mit 
bestem Erfolge gelöst worden. Nach einem Überblick über das Zustandekommen und über die 
wissenschaftlichen und praktischen Ziele der internationalen Erforschung der nordeuropäischen Meere 
werden zunächst die morphologischen Verhältnisse und das Bodenrelief jedes Meeres behandelt, denen 
sich sodann der ozeanographische "Feil anschließt. Anregend wirkt die Hervorhebung des genetischen 
Moments bei der Schilderung des Bodenreliefs: Die Erklärung der Entstehung der jetzigen Formen der 
‚Fünfbänke« und »Hoofden« durch die Arbeitsleistung der Gezeiten sowie des jetzigen Reliefs des 
Beltsee infolge Hebung und Senkung des Landes, Bei der Nordsee werden die großen zeitlichen 
Verschiedenheiten in der Anordnung der einzelnen Wasserschichten, des atlantischen, baltischen und 
des Bankwassers, sowie die Abhängigkeit der hydrographischen Verhältnisse im Skagerrak von den 
Winden erörtert, Die Winde und Stürme sind auch für die Ostsee von größter Bedeutung, da durch 
sie das Wasser im Kattegat und in der Beltsce häufig völlig durcheinander gemengt wird; auch 
die Tiefenströmungen der südlichen Ostsee können durch Stürme beeinflußt werden. In der Ostsee 
sind von besonderem Interesse die verschiedenen Einsenkungen: die Arkonatiefe, Bornholmer Mulde 
and Danziger Bucht, deren Tiefenwasser nur in größeren Zeitabschnitten durch Wasser aus der 
Beltsee erneuert wird. Den Betrachtungen über Strömungen und Salzgehalt der Meere reihen sich 
alsdann solche über die Gezeiten in der Nordsee und die Niveauschwankungen in der Ostsce an. Die 
Vorträge sind durch vorzügliche Karten und Schnitte erläutert; sie geben in knapper Fassung einen 
Überblick über die Bestrebungen der wissenschaftlichen Meeresforschung, gleichzeitig das Interesse 
und Verständnis für die deutschen Meere fördernd. W. Br. 
Partsch, Prof. Dr. J.: Mitteleuropa. Die Länder und Völker von den West- 
alpen und dem Balkan bis an den Kanal und das Kurische Haff. 8% 
XII und 464 S. Mit 16 farbigen Kartenbeilagen und 28 schwarzen Karten 
und Diagrammen im Text. Gotha 1904. Justus Perthes. 
Der bekannte Breslauer Geograph gibt in der vorliegenden Veröffentlichung eine muster- 
gültige Bearbeitung eines großen Teiles von Europa, die sich neben den vorhandenen Werken von 
Kirchhoff-Peneck und dem entsprechenden Bande der Sieversschen Länderkunde ihren Platz 
sichern wird, Neu ist zunächst die Erweiterung des Begriffs Mitteleuropa. Partsch rechnet hierzu 
im Südosten unseres Erdteils auch Serbien, Rumänien, Bulgarien und Montenegro. Kr begründet dies 
einerseits mit der geschichlichen Einheit und der Notwendigkeit, das Deutschtum bis an die Grenzen 
seines Einflusses zu verfolgen, anderseits durch die für Mitteleuropa charakteristische Dreiteilung, 
nämlich alpine Kettengebirge, Mittelgebirge, Tiefland. Von diesen Gesichtspunkten aus kann man 
dem Verfasser nur beipflichten. 
Das Werk gliedert sich in zehn Kapitel. Die beiden einleitenden behandeln Weltlage und 
Bedeutung, sowie die Grundzüge der Entwicklungsgeschichte der Landoberfläche. Das dritte Kapitel 
umfaßt eine Schilderung von Relief und Landschaftsbild nach der erwähnten Dreiteilung, Die 
Nordsee und die Ostsee werden in je einem Abschnitt besprochen. Hingewiesen wird besonders auf 
las Verhältnis von Wasser und Land, auf den Kinfluß des Meeres auf die Gestaltung der Küste. 
So wird die Entstehung der drei Küstenformen der Ostsee — Haff, Bodden, Föhrde — eingehend 
öchandelt. Krwähnt sei auch die Schilderung der steten Angriffe der Nordsee auf die friesischen 
Küsten und der vor allem in Holland großartigen Versuche der Menschen, dem Meere seinen Raub 
wieder abzugewinnen. Das vierte Kapitel ist dem Klima Mitteleuropas gewidmet. Bemerkenswert 
'st für unsere Leser der Hinweis auf die klimatische Benachteiligung der deutschen Ostseeländer, 
Die niedrige Wassertemperatur im April und Mai, die verhältnismäßig lange Dauer der Kissperre 
verspäten den Frühlingseintritt und beschränken damit die sonst den Klimacharakter Mitteleuropas 
bezeichnende fünf- bis sechsmonatige Dauer der Jahreszeit mit Tagestemperaturen über 10°. Die 
nächsten Kapitel behandeln kurz die Völker, die Staatenbildung und das wirtschaftliche Leben, 
worauf dann im achten Kapitel die Kulturgeographie folgt. Diesem schließt sich die Besprechung 
des Verkehrslebens und ein anregendes Kapitel über die geographischen Bedingungen der Landes- 
verteidigung Deutschlands an. 
Abbildungen erhält das Werk nicht, wohl aber wird durch die große Anzahl Karten, unter 
denen allerdings bekannte, wie z. B. die Nordseekarte aus dem Secatlas, sind, sowie dureh die vielen 
Skizzen und Diagramme im Text das geschriebene Wort trefflich erläutert. Ltg.
	        
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