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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1905.
Bei meinen Darlegungen ließ ich mich von dem Gesichtspunkte leiten,
daß der Mensingsche pneumatische Flutmesser zunächst bestimmt sei, die
jeweilige tatsächliche Höhe des Wasserniveaus zu registrieren. Dabei ergab
sich nach meiner Ansicht, daß in den Aufzeichnungen des Apparates außer
den Veränderungen des tatsächlichen Wasserniveaus auch noch andere Faktoren
zum Ausdruck gelangen, und zwar auch solche, welche auf einen gewöhnlichen
Schwimmerpegel ohne Einfluß sind. Insbesondere hatte ich ausgeführt, daß
in den Registrierungen des »Hochseepegels« auch die jeweiligen Änderungen
des Luftdrucks enthalten sind, so daß in denselben die Veränderungen des
tatsächlichen Wasserniveaus nicht völlig klar hervortreten.
Dies wird durch die Ausführungen des Herrn Prof, Börgen meines
Erachtens nicht in Abrede gestellt; Herr Prof, Börgen geht nur von anderen
Gesichtspunkten aus, Nach diesen soll gewissermaßen ein ideales Meeres-
niveau registriert werden, welches frei ist von den Einflüssen der Barometer-
schwankungen, nicht aber das tatsächliche, welches von diesen Schwankungen
beeinflußt wird. Erreicht wird eine solche Aufzeichnung im Börgenschen
Sinne dadurch, daß — wie Herr Prof, Börgen in seinen übrigens sehr
interessanten Ausführungen angibt —- eine Kompensation in der Weise statt-
findet, daß der Druck der Einschlußluft im Apparate zwar unter dem Ein-
flusse der Änderungen des tatsächlichen Wasserniveaus und der Schwankungen
des Barometerstandes steht, daß aber neben diesen Luftdruckschwankungen
gleichzeitig Veränderungen in der Höhe des Wasserspiegels einhergehen, welche
ihren Einfluß auf den Druck der Einschlußluft im Apparate in umgekehrtem
Sinne geltend machen,
Es liegt demnach in bezug auf das unmittelbare Funktionieren des Apparates
kein Widerspruch zwischen den Betrachtungen des Herrn Prof. Börgen und den
meinigen vor, Dies tritt besonders klar hervor, wenn man den Fall setzt, es
vegistrieren gleichzeitig an einem Orte der Mensingsche »Hochseepegel« und
ein gewöhnlicher Schwimmerpegel. Letzterer registriert die Schwankungen des
tatsächlichen Wasserniveaus, welche von den Änderungen des Luftdrucks
beeinflußt werden; ersterer jedoch zeichnet die Schwankungen eines idealen
Wasserniveaus auf, das frei von jenen ist. Der Betrag des Unterschiedes der
Aufzeichnungen beider Apparate entspricht dem Betrage der Änderung des
Barometerstandes über dem Orte der Aufstellung derselben.
So löst sich der scheinbare Widerspruch in den Auffassungen von
Herrn Prof. Börgen und den meinigen. Im übrigen läßt die sehr interessante
Mitteilung von Herrn Prof, Börgen, welche eine wertvolle Ergänzung meiner
Ausführungen bilden, die Bedeutung des Mensingschen »Hochseepegels« für
bestimmte ozeanographische Untersuchungen in erhöhtem Lichte erscheinen,
wenn auch die behauptete völlige Kompensation des Einflusses der Luftdruck-
schwankungen durch das gleichzeitige Auftreten entsprechender Niveau-
schwankungen noch nicht völlig geklärt sein dürfte. Insbesondere dürften
bei einer Diskussion der Registrierungen des Hochseepegels in bezug auf die
Gezeiten nach den Ausführungen von Herrn Prof, Börgen in der Tat die
Luftdruckschwankungen nicht oder doch nur unerheblich in betracht kommen,
Dr. Otto Steffens,
5. Bau eines Eisdocks zum Dichten gestrandeter Schiffe. Auf der
Fahrt von Kronstadt nach Libau lief der russische Küstenpanzer »General-
Admiral Apraxin« in der Nacht vom 13. zum 14. November 1899 bei dichtem
Nebel und Schneetreiben infolge außergewöhnlicher Stromversetzung auf ein
Riff an der Ostküste der Insel Gotland, etwa 1 Sm von ihrer Südspitze ent-
fernt. Er wurde schwer beschädigt und konnte erst im April 1900 nach
Sprengung eines Felsens abgebracht werden, der zwischen dem 18. und
23. Spant durch den Doppelboden gedrungen war und das Schiff fest-
gehalten hatte,
Als die ersten Abschleppversuche Ende November und Anfang Dezember
ergebnislos verlaufen waren, trat eine Anzahl von Personen mit Vorschlägen
zur Flottmachung des gestrandeten Schiffes an die Öffentlichkeit, Über einen
dieser Vorschläge, der zum mindesten den Vorzug der Originalität hat, be-