accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

470 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1905. 
reichen Ebenen Argentiniens liegt, wohl aber praktisch durch die bedeutend 
erschwerte Navigation auf dem Flusse. 
Diese wird zum größten Teil nach Augenmaß ausgeführt, indem die 
Lotsen beurteilen, wie weit sie von einem Ufer entfernt bleiben und dem 
andern sich nähern. Hierbei gewähren die zahlreichen Inseln einen guten 
Anhalt. Dort aber, wo die Flußbreite zu groß ist und ein genaues Inne- 
halten einer bestimmten Fahrrinne nötig ist, hat die argentinische Regierung 
gute Leuchtbojen legen lassen. 
So hätte unter normalen Verhältnissen die Flußfahrt nichts Schwieriges, 
sondern böte mit der Seefahrt eine angenehme und interessante Abwechselung; 
doch bei dieser ganz außergewöhnlich hohen Überschwemmung waren die 
ganzen Flußniederungen in ein meilenbreites Meer verwandelt. Die Inseln 
ragten nur mit den Dächern der Häuser und den Baumkronen aus dem 
Wasser hervor. Ein Erkennen des Ufers und der Fahrwassergrenze war am 
Tage äußerst schwierig und oft nur an der Strudelbildung des Flusses 
möglich, des Nachts aber ganz ausgeschlossen. Dazu kam, daß eine un- 
geheure Menge Kraut, oft große schwimmende Inseln bildend, flußabwärts 
schwamm. Stellenweise war es derartig zusammengetrieben, daß der Fluß 
einer grünen Wiese glich. Dies läßt sich nur vergleichen mit dem Eistreiben 
auf unsern nordischen Flüssen, Kleinere Dampfer müssen stets auf der Hut 
sein, ihre Schraube klar zu behalten. Die klettenartige Eigenschaft dieser 
Cameloten, wie das Kraut und die schwimmenden Inseln genannt werden, 
wurde besonders den Tonnen gefährlich. Denn, statt wie Eisschollen nach 
dem Zusammenstoß mit einer kurzen Drehung seitlich vorbei zu schwimmen, 
legen sich die Cameloten sattelförmig um die Tonne herum, mit ihren Wurzeln 
immer mehr Kraut festhaltend, so daß große Flächen um die Tonnen ent- 
stehen. Diesem Druck im 83 Sm-Strom konnten eine Anzahl Tonnen nicht 
widerstehen und vertrieben, wodurch wiederum Schiffe irre geleitet wurden 
und auch Strandungen entstanden sind, 
Eine Anzahl kleinerer Tonnen wurde durch die Höhe des Wasser- 
standes und Stärke des Stromes unter Wasser gezogen. Dem von ihrer An- 
wesenheit Unterrichteten zeigten sie sich noch durch Strudelbildung an, 
Erschwerten diese Verhältnisse die Fahrt auf dem Flusse, so wurde 
das Anlegen und Verholen an den Ladestellen dadurch umständlich gemacht, 
daß die Boote zum an Land bringen der Leinen nicht durchdringen konnten. 
Nach stundenlangen Versuchen blieb oft kein anderes Mittel, als unter 
ständigem Benutzen der Maschine mit dem Bug gegen das hohe Ufer zu 
scheeren, um die Trift der Krautinseln von dort abzuschneiden und außer- 
halb des Schiffes vorbeizuleiten, Nun konnte das Boot in dem Winkel 
zwischen Land und Schiff arbeiten. Es sind nämlich die Befestigungsstellen 
für Leinen gewöhnlich nur durch ein Boot zu erreichen, 
Lag dann das Schiff an seinem Platz, so sammelten sich bald gewaltige 
Mengen von Cameloten vor dem Bug und der Ankerkette, und was unan- 
genehm war, auch um den Draht des quer abstehenden Heckankers. (Siehe 
Tafel 18.) In vielen Fällen konnte dieser dem Druck nicht standhalten. Er 
wurde stromabwärts gezogen, und indem die sich zur Insel gebildeten Came- 
loten immer weiter am Draht entlang rutschten, schließlich soweit gelichtet, 
daß der Anker unmittelbar unter der Insel hing. Die Befürchtung, daß nun 
das Schiff in dem Strom an zu scheeren beginnen würde, bestätigte sich 
nicht; die an der ganzen Drahtlänge nachschleppende Insel erfüllte denselben 
Zweck wie der quer abstehende Anker vorher. 
Als Entschädigung für diese Unbequemlichkeiten bot der überschwemmte 
Fluß aber auch viel des Interessanten,. Große Mengen von Aligatoren trieben, 
auf dem Kraut liegend, an dem Schiffe vorbei. Etwa 20 wurden lebend ge- 
fangen, indem ihnen eine Drahtschlinge beim Vorbeitreiben über den Kopf 
gestreift wurde. Es konnte dies leicht geschehen, weil die aus dem warmen 
Brasilien stammenden. Tiere durch die Kälte des argentinischen Winters er- 
starrt waren. Später an Bord durchwärmt, zeigten sie bald ihren unliebens- 
würdigen Charakter. In derselben Verfassung wurden eine Anzahl Riesen-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.