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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

38 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1905. 
mit 88 m. Schon bald darauf wurde das Vorhandensein dieser Bänke an- 
gezweifelt, da das V.5S.5S. »Dolphin« im Jahre 1853 nur wenige Seemeilen 
davon 2215 m lotete. (Vergleiche Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean.) 
Nachdem nun auch im Dezember 1892 das V. 58. S. »Monongalea« vergeblich 
nach der Bank scharfen Ausguck gehalten hatte, ohne Anzeichen einer Bank 
zu entdecken (vergleiche Nachrichten für Seefahrer 1893, Nr. 289), hat im 
Jahre 1904 der Fürst von Monaco versucht, diese Stellen wiederzufinden. Die 
»Monongalea« hatte mit 229 und 247 m Lotleine keinen Grund erreicht; der 
Fürst von Monaco hat vier Tiefseelotungen ausgeführt, von denen jede ein 
30—40 cm tiefes Stück des Meeresbodens zutage gefördert hat. Die mit diesen 
Grundproben angestellte Analyse hatte nach französischen Berichten folgendes 
Ergebnis: (Comptes Rendus 1904, Nr. 17, S. 631.) 
N-Br. 
42° 2 
420° 50 
42° 53 
42° 577 
W-Le, 
30° 3 
30° 58 
30° 51’ 
30° 427 
Wassertiefe 
m 
Sand 
“chlamm 
FR 4 | jak 
Kalkstein ı Ton Ammoniak 
p- kg 
2750 46 54 So 18 
2485 68 32 81 6 
2460 | 34 | 66 s1i 10 
2180 ° 272 | 8 81 5 
me 
«U 
71 
65 
46 
Die fast gleiche Zusammensetzung der Grundproben ergab: Nur aus 
Foraminiferen gebildeten Sand, Foraminiferen, Radiolarien, Spicule siliceux, 
Kokkolith, Rabdolithe, Glaslava (sehr wenig), Bimsstein (wenig), Palagonite, 
ziegelfarbigen und gelben (wenig), Quarz, Feldspath, Magnetite, Pyroxen, 
basaltische Rückstände (sehr wenig). 
Aus dieser Beschaffenheit des Meeresbodens zieht man folgende Schlüsse: 
1. Das Vorhandensein der Bänke Henderson und Chaucer ist sehr 
zweifelhaft, 
2. Es besteht eine auffällige Gleichmäßigkeit im Vorkommen des Kalk- 
steins und Ammoniaks auf dem Meeresgrunde dieser Gegend, während sonst, 
näher dem Lande, der Ammoniakgehalt ziemlich große Veränderungen mit der 
Tiefe erleidet, ; 
3. Die sehr großen Unterschiede im Sandgehalt und infolgedessen auch 
im Schlammgehalt (s. Tabelle) sind ohne wirkliche Bedeutung, da sie nur von 
der mehr oder weniger weit fortgeschrittenen Zersetzung der Formaniferen- 
gehäuse herrühren. Daraus, daß der Kalksteingehalt konstant bleibt, ergibt 
sich, daß die Klassifizierung des Meeresbodens nach dem relativen Sand- und 
Schlammgehalt, der in der Nähe der Küsten wegen des Vorherrschens mine- 
ralischer Überreste unbedenklich und auch nützlich ist, auf großen Tiefen 
auf hoher See wenig Vorteil bietet. Vielmehr scheint es vorzuziehen zu sein, 
die letzteren nach ihrem Gehalt an Kreide zu klassifizieren. 
4. Je mehr Schlamm dieser Tiefseegrund enthält, desto mehr gegen 
Säure unempfindlicher Ton findet sich auch. 
5. Die Feinheit des Stoffs nimmt zu, je mehr man sich den unteren 
Schichten der Grundprobe nähert, d. h. je weiter man in den Meeresboden 
eindringt. Daraus folgert man, daß die Umwandlung der auf dem Meeres- 
boden aufgehäuften Foraminiferengehäuse sich eher auf chemischem als auf 
mechanischem Wege vollzieht. 
Die Anhäufung von reinem Ton ist proportional seiner Tiefe im Meeres- 
boden und folglich auch der Zeitdauer der Lagerung auf dem Meeresgrunde. 
6. Die Grundproben zeigen keine Spur von zwischenlagernden Sand- 
schichten; das Auftreten von Tiefseewellen, die an gewissen Küsten Strom- 
wirbel verursachen, ist daher in diesen Gegenden wenig wahrscheinlich. 
7. Das unbestreitbare Vorhandensein von Bimsstein und Lava (wenn 
auch nur in sehr geringen Mengen), leicht zu erkennen als zu den Azoren 
gehörig, zeigt, daß diese feinen vulkanischen Produkte 150 Sm weit gelangen 
können, ohne durch heftige Tiefseewellen dorthin geführt worden zu sein, 
Tietz.
	        
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