468 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1905.
ein, die sich, wenn das Oberflächenwasser schon wieder unter diese Tempe-
ratur abgekühlt ist, zwar noch einige Zeit hält, aber doch nicht annähernd
solange wie in der untersten Schicht im südlichen Kattegat, Dieses nimmt
also insofern eine Sonderstellung ein, als das Wasser nördlich und südlich
davon der durch die Jahreszeit hervorgebrachten Anderung viel schneller
folgt. Mit Hilfe des eben Gesagten kann man sich auch eine Vorstellung von
den Schwankungen der Temperatur der untersten Schicht im Kattegat und in
der westlichen Ostsee machen. Wie erwähnt, findet man die unterste Schicht
im Winter erst in größerer Tiefe als im Sommer; untersucht man nun die
Temperaturschwankungen in einer bestimmten Tiefe, z. B. zwischen 20 und 30 m,
so muß man sich fragen, ob das Wasser dort zur oberen Schicht oder zur
unteren gehört; hat es nur 10 bis 14°, Salzgehalt, so wird seine Temperatur
nicht wesentlich anders sein als die an der Oberfläche; hat es dagegen 25 bis
23% Salzgehalt, so wird die Temperatur in der bezeichneten Weise in der
Jahreszeit verschoben sein,
Auf Grund der dänischen Beobachtungen vom Februar 1904 ist eine
Karte der Wasserschichten in den dänischen Gewässern hergestellt, aus der
sich etwa das Folgende für den Monat Februar ergibt, Im Langelands-Belt
ist das Wasser sehr wenig salzig und kalt, unter 2° C.; der Salzgehalt beträgt
am Meeresboden über 20°, im Großen Belt ist die Temperatur 6° und der
Salzgehalt am Boden über 32°% 9; bei Schultzes Grund, wo die tiefe Rinne
ihre geringste Tiefe hat, drängen sich die Isothermen und Isohalinen dicht
zusammen, d.h. dort ist ein schroffer Übergang vom kalten und frischen
Wasser der oberen Schicht zum salzigen am Boden, Bei Paternoster ist die
Oberflächentemperatur wenig über 2° und der’ Salzgehalt zwischen 20 und
30% während die Temperatur am Boden 4° bis 6° und der Salzgehalt 34
bis 35° beträgt. Der höchste Salzgehalt des Wassers aus dem Atlantischen
Ozean ist etwa 35,5%, es hat sich also, wenn es in die tiefe Rinne des Katte-
gats eintritt, auf seinem Wege durch die Nordsee und das Skagerrak nur wenig
mit frischem Wasser vermischt. Im nördlichen Teile des Großen Beltes und
bei Schultzes Grund fand sich Wasser an der Oberfäche von über 20° 9 Salz-
gehalt, obwohl weiter nördlich bis Anholt der Salzgehalt geringer war; das
würde gegen die aufgestellte Regel, nach der sich das ausgehende Frisch-
wasser beständig mit dem darunter befindlichen salzigen vermischt, streiten
denn danach müßte ja der Salzgehalt an der Oberfläche von Norden nach Süden
abnehmen, aber man darf nicht vergessen, daß die vorhin geschilderten Zu-
stände mittlere oder die am häufigsten vorkommenden sind, und daß in ein-
zelnen Fällen in der offenen See die Strömungen nach allen Richtungen
laufen können.
Die Ursachen der Veränderlichkeit der Strömungen liegen in der
Veränderlichkeit der sie hervorbringenden Kräfte, besonders des Druck-
unterschiedes und des Windes, Wenn das Wasser still stände und überall
das gleiche spezifische Gewicht hätte, wenn der Luftdruck überall gleich wäre
und sich kein Wind rührte, so würde der Druck im Wasser überall gleich-
mäßig von oben nach unten für je 10 m um den Druck etwa einer Atmosphäre
zunehmen und in gleichen Tiefen überall gleich sein, Die Oberfläche des
Wassers würde dann eine bestimmte Form annehmen, die wir »Gleichgewichts-
fläche« nennen wollen. Sobald nun aus irgend einer Ursache diese Gleich-
gewichtsfläche an einer Stelle verändert würde, so würde, indem das Wasser
an der einen oder der anderen Stelle über die Gleichgewichtsfläche stiege,
der Druck dort in jeder Tiefe etwas größer werden und Strömungen hervor-
rufen, Das oberste Wasser würde an der Oberfläche abströmen, das unterste
würde sich am Boden entlang auszubreiten suchen, kurz, das Wasser würde
suchen, sich auf die einfachste Weise wieder in die Gleichgewichtsfläche ein-
zustellen. Nun ist das Skagerrakwasser spezifisch schwerer als das Ostsee-
wasser, das Ostseewasser wird sich also an der Oberfläche über dem Skagerrak-
wasser auszubreiten suchen, und dasSkagerrakwasser wird unter das Ostseewasser
hinabsinken. Damit haben wir schon eine der Hauptursachen der Strömungen,
Der Druckunterschied kann aber auch andere Ursachen als das spezifische