Knudsen— Reinicke: Meereskunde mit besonderer Berücksichtigung d. dänischen Gewässer. 467
lichen Instrumenten festgestellt werden, die Messungen wurden daher unter
Zuhilfenahme der Elektrizität mit einem eigens dazu angefertigten Apparat
ausgeführt, dessen elektrische Verbindung mit dem Registrierinstrument an
Bord den Beobachter instandsetzte, in jedem Augenblick die Temperatur und
den Salzgehalt, worin sich der Apparat. gerade befand, abzulesen, Im Winter
ist ‚der Übergang zwischen beiden Wasserschichten allmählich, weil mit der
Abkühlung ‚an der Oberfläche das dadurch spezifisch schwerer gewordene
Wasser. hinabsinkt, sich mit dem salzhaltigeren Wasser vermischt und dort
ähnliche Strömungen wie an der Oberfläche herbeiführt. Durch diese Vor-
gänge ist im Kattegat und im westlichen Teile der Ostsee das Wasser der
obersten Schicht im Winter salziger als im Sommer, und umgekehrt die unterste
Lage im Sommer salzhaltiger ‚als im Winter; hinzu kommt noch, daß im
Frühling mit und nach der Schmelze die Frischwassermengen der Ostsee
stärker ausströmen als im Winter. Gleichzeitig mit der Zunahme des Salz-
gehaltes der obersten Schicht wächst im Winter ihre Dicke im südlichen
Kattegat und in der westlichen Ostsee. Sie beträgt bei Schultzes Grund im
Sommer 11 bis 15 m, im Winter doppelt soviel; man findet folglich im Winter
gelegentlich fast gar keine salzhaltige Unterlage oder doch nur eine von viel
geringerem Salzgehalt als im Sommer.
Durch: den Querschnitt Skagen—Paternoster treten aus dem Skagerrak
große Mengen salzhaltigen Wassers in das Kattegat, das meiste wird zwar
von neuen Wassermassen nach Norden gedrängt, ein Teil bleibt aber in der
tiefen Rinne und setzt dort den Weg nach Süden fort, wobei es sich teilweise
mit der frischeren oberen Schicht vermischt, und man kann annehmen, daß
das Wasser aus dem Skagerrak selten weiter als bis zum Nordende des Großen
Beltes gelangt. Das Eindringen‘ des salzigen Wassers in unverändertem Zu-
stande kann man mit Sicherheit bis in den südlichen Teil des Kattegats ver-
folgen, und dabei zeigt sich, daß es zwei bis drei Monate braucht, um von
Skagen bis Schultzes Grund zu kommen. Unterwegs ist das salzige Wasser
von einer frischeren Schicht bedeckt, gleichwohl wird es, wenn die oberste
Schicht auch warm ist, nicht wesentlich erwärmt, weil das Wasser ein schlechter
Wärmeleiter ist; ist die oberste Schicht hingegen kalt, so wird die unterste
Schicht durch Vermischung mit der spezifisch schwereren, weil kalten, Schicht
abgekühlt, und es ergibt sich, daß die jährliche Durchnittstemperatur der
untersten Schicht im nördlichen Kattegat höher sein muß als im südlichen.
In der Tat ist denn auch die jährliche Durchschnittstemperatur in 23 m Tiefe
bei Skagen-Riff 8.7°, bei Schultzes Grund 7.2°. Ganz anders verhält sich die
Temperatur in den verschiedenen Jahreszeiten; im Juni, Juli und August ist
die unterste Schicht im südlichen Kattegat 5° bis 6° kälter als im nördlichen,
von Mitte September dagegen bis Mitte November ist im südlichen Kattegat
die Temperatur 2 bis 5° höher als im nördlichen. Die Ursache hiervon ist,
daß das Wasser 2 bis 3 Monate gebraucht, um von der Oberfläche bei Skagen
bis in die unterste Schicht im südlichen Kattegat zu gelangen. Im wesent-
lichen wechselt die Temperatur der unteren Schicht im südlichen Kattegat mit
den Jahreszeiten, aber die Änderungen treten 2 bis 3 Monate später ein wie
in der Lufttemperatur. In diesem Wasser sind: als der Sommer die Monate
September, Oktober und November, als Winter die Zeit von Januar bis Ende Juni
anzusehen, Juli und August sind die Frühlingsmonate, und nur der Dezember
stellt den Herbst dar. Das Klima. der untersten Schicht im südlichen Kattegat
ist also ganz anders als das der‘ Luft und das des Wassers im nördlichen
Kattegat oder in der westlichen Ostsee, und man sieht ein, daß das sehr wohl
einen ausgeprägten Unterschied zwischen den Tierformen im südlichen Kattegat
und denen im nördlichen Kattegat hervorbringen kann. — Dringt das Wasser
der untersten Schicht durch den Großen Belt in die Ostsee ein, so vermischt
es sich unterwegs mit der frischeren oberen Schicht und verliert dabei den
größten Teil seines in bezug auf die ‚Jahreszeit eigentümlichen Temperatur-
unterschiedes.
Kurze Zeit, nachdem in der Ostsee die oberste Schicht auf 10° bis 12°
erwärmt ist, tritt dort auch in der untersten Schicht die höchste Temperatur
Ann. d. Hvar. ete.. 1905. Heft - X.