Knudsen-— Reinicke: Meereskunde mit besonderer Berücksichtigung d. dänischen Gewässer, 465
salchaltige Küstenwasser; die größte Frischwasserzufuhr kommt aber aus dem
Skagerrak. An der Westküste Norwegens sinkt der Salzgehalt der obersten
Schicht bis 32 % 0, während er in der unteren Schicht der tiefen Rinne dort
35.10 bis 35.20 °%/g beträgt. Denselben Salzgehalt hat die unterste Schicht
der tiefen Norwegischen Rinne auch im Skagerrak bis in den Christiania-Fjord
hinein. Der Salzgehalt der obersten Schicht im Skagerrak schwankt zwischen
34.00 und 30.00 % 0. Der Kreislauf des Wassers vollzieht sich im Skagerrak
so, daß das Wasser an der Nordwestküste von Jütland einströmt, sich an der
schwedischen Küste mit dem Wasser aus dem Kattegat vermischend nach
Norden fließt, und an der Südküste Norwegens entlang wieder ausströmt.' —
Der Wind oder andere Ursachen bringen vielfach auch andere Strömungen
hervor, und es entstehen beim Mischen mit frischem. Wasser Gemenge, die
auf großen Strecken ziemlich gleichmäßig sein können; ein solches Gemenge
mit einem Salzgehalt zwischen 32,00 und 34.00 %%,, ist das »Bankenwasser«,
so genannt von Petterson und Eckmann, die in einer Arbeit darüber sagen:
‚Wie in der Nordsee das Vorkommen der Makrelen und Hornfische. an das
sommerliche Erscheinen des Wassers aus dem Ozean gebunden ist, so hängen
Beginn und Ende der bohusländischen Heringsfischerei von den Zeitpunkten
ab, an denen das Bankenwasser an der schwedischen Küste erscheint und sich
wieder davon zurückzieht. Sollte es möglich sein, das Kommen und Ver-
schwinden des Bankenwassers vorherzubestimmen, so würde man damit der
Heringsfischerei die wichtigsten Dienste leisten,« Die beiden schwedischen
Forscher unterscheiden das nördliche Bankenwasser, das sich durch niedrige
Temperatur auszeichnet, und das südliche von höherer Temperatur, Im Herbst
und Vorwinter wird im Skagerrak das südliche Bankenwasser vom nördlichen
verdrängt, und damit ändert sich die Heringsfischerei, Ehe das kalte Wasser
kommt, fängt man den Hering weit auf See draußen mit Treibnetzen, und
dieser Herbsthering ist meistens gerade im Begriff zu laichen; nachdem das
kalte Wasser erschienen ist, zieht sich die Fischerei an die schwedische Küste
heran und in die Fjorde, wo der Hering, der nun abgelaicht hat, mit Zug-
netzen gefangen wird,
Eine tiefe Rinne zieht sich vom Skagerrak durch das ganze Kattegat
und den Großen Belt; ihre Tiefe beträgt im Norden etwa 100 m, von Anholt
bis Langeland etwa 50 m; sie ist höchst unregelmäßig, stellenweise ganz schmal
wie zwischen Samsö und Seeland, stellenweise ganz breit wie östlich von Laesö;
an anderen Stellen verzweigt sie sich, z. B in der Laesö-Rinne und in einem
Ausläufer nach dem Sunde. Die westliche Ostsee ist nicht über 40 m tief und
wird nach Osten hin durch einen Rücken, der von Gjedser nach Darsserort
läuft und nirgends über 20 m unter der Meeresoberfläche liegt, ab-
geschlossen, Die hydrographischen Verhältnisse ergeben sich nun aus den
Wechselwirkungen zwischen dem vergleichsweise frischen OÖstseewasser
und dem salzigeren Skagerrakwasser, deren Vermengung im Kattegat und
den benachbarten Gewässern vor sich geht.!). Wasser von weniger als
30,00 % 0 Salzgehalt findet sich im Skagerrak‘ höchstens als: ganz dünne
Oberflächenschicht dicht an den Küsten, wo hingegen man in der‘ eigent-
lichen Ostsee, d. h. Östlich von dem Rücken Darsserort — Gjedser selten
Oberflächenwasser von mehr als 10%, und am Meeresgrunde selten mehr als
18% Salzgehalt findet. Das leichtere Ostseewasser kommt als Oberflächen-
strom aus der Ostsee heraus, und das Skagerrakwasser läuft am Meeresboden
entlang in die Ostsee hinein; dabei bewirkt die Umdrehung der Erde, daß
diese Strömungen nach rechts drängen, der nördliche Strom im Kattegat also
vorwiegend an der. schwedischen Seite, der südliche vornehmlich an der
1) Diese und die folgenden Vorgänge sind zum Teil schon besprochen in den Abhandlungen
von M. Knudsen: Erneuerung der unteren Wasserschichte in der Ostsee, Ann. d. Hydr. usw. 1900,
3. 586, Über die Temperatur im Kattegat und im westlichen Teile der Ostsee, ebenda 1901 8. 83
and der baltische Strom und der Salzgehalt im Kattegat und im westlichen Teile der Ostsee, ebenda
1901, S. 226. Die hier gegebene zusammenhängende Darstellung der Vorgänge auf Grund jener
{rüheren Betrachtungen ist besonders geeignet, den Wert solcher Einzehintersuchungen in das rechte
Licht zu stellen. D. Red.