Knudsen— Reinicke: Meereskunde mit besonderer Berücksichtigung d. dänischen Gewässer. 463
hohen Salzgehalt, die untere niedrige Temperatur und einen Salzgehalt zwischen
34,90 und 35.00 °/,9 hat. Im Westlichen Nordmeere finden sich drei Wasser-
schichten, die oberste sogenannte Schmelzwasserschicht von etwa 150 m Tiefe,
mit einem Salzgehalt von weniger als 35.00 °/,, und sehr niedriger Temperatur
nur die obersten 20 m werden. von der Sonne etwas durchwärmt —, die
mittlere Schicht mit einem Salzgehalt über 35.00 °/,, und einer Temperatur
über 0°, und endlich die unterste Schicht von niedriger Temperatur und einem
Salzgehalt zwischen. 34.90 und 35.00 %/0. Die’ Änderungen, die im Nordmeer
vor sich gehen, ergeben sich in der Hauptsache aus den Wechselwirkungen
zwischen dem Warmwasserstrom aus dem Atlantischen Ozean (Golfstrom) und dem
Polarstrom, deren Grenze sich beständig verschiebt. Da nun das Kennzeichen
des Polarstromwassers sein geringer Salzgehalt ist, so gibt der Salzgehalt an
der Oberfläche Auskunft über die Ausbreitung des Schmelzwassers. Zeichnet
man sich z. B. die Isohaline, d. h. die Linie gleichen Salzgehaltes, von 35.00 °/09
für die Augustmonate der. Jahre 1902 und 1903, so sieht man, daß die Isohaline
vom August 1902 sehr viel südlicher verläuft als die vom August 1903, ja daß
sie eine bis fast nach. 55° N-Br. in die nordwestliche Nordsee hinabreichende
Ausbuchtung bildet. Und bringt man nun die mittleren Temperaturen der Shet-
jand-Inseln und der Hebriden, in Shields und in Skudesnes damit in Verbindung,
so findet sich, daß die Lufttemperaturen dort im August 1902, als das kalte
Wasser weit nach Süden vorgedrungen war, ganz erheblich niedriger waren
als im ‚August 1903, wo die Isohaline von 35.00 90 nördlicher verlief, Außer
solchen großen Änderungen, deren Ursachen noch nicht aufgeklärt sind, ist
die Grenze zwischen dem Golfstromwasser und dem Schmelzwasser auch noch
häufigen schnellen Verschiebungen und Ausbuchtungen unterworfen, die der
Wind verursacht; im allgemeinen hält sich aber die Grenzlinie zwischen den
beiden Wasserarten von Island bis zu den Färöer ziemlich stetig in derselben
Gegend; selten verschiebt sie sich so südlich, daß die Färöer im Polarstrome
liegen, und selten liegt sie weit nördlich von den Inseln. Während nun
aber im Sommer und Herbst eine dünne Lage des Polarstromwassers von der
Sonne erwärmt ist, ist dieses im Winter und Frühling sehr kalt und wirkt
dann, wie die folgende Tabelle zeigt, auf die Färöer stark abkühlend,
wi gußttemporatur
vor GelEtrome vom mel Unterschiede
Januar
Februar .
März .
April .
Mai . .
Juni .
Juli ..
August .
September . . .
Oktober. . . .
November . . .
Dezember . . .
Jahresdurchschnitt .
5°
8
2.6
ia
a
10.8
10.9
i14
0.2
3.8
14
6.2
8.1
- 0.4
6
[N
"5
A
)
42
3
3.0
36
3.7
“7
9
2
“£
26
v4
62
15
Der Unterschied ist also im März am größten (6.7°) und im Juli, wenn
die oberste Schicht des Polarstromes erwärmt ist, sehr klein (1.5°).. In bezug
auf den jährlichen Gang der Temperatur sieht man, daß "mit Winden vom
Golfstrom die niedrigste Temperatur im Januar eintritt, mit Winden vom
Polarstrom aber im März. Die Ursache davon ist, daß sich. das Golfwasser
im Frühling schnell erwärmt, das Polarwasser aber langsam, weil es aus dem
kalten Norden kommt und weil seine Erwärmung durch die Eisschmelze ver-
zögert wird. Da nun der Polarstrom auf das Klima der Färöer so durch-
greifende Wirkung ausübt, liegt die Frage nahe, ob das auch für Nordeuropa
der Fall ist, und da findet sich. allerdings, daß auf den Shetlandinseln und
im westlichen Schottland im März bei Winden vom Polarstrom die Temperatur
31° unter der mittleren liegt.